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Brandenburg Terrorverdacht in Uckermark nicht bestätigt
Brandenburg Terrorverdacht in Uckermark nicht bestätigt
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17:23 31.05.2017
Ein Polizeibus am Dienstag in Gerswalde in der Zufahrt zu einem Gelände der „GFB Gerswalde“ Quelle: Paul Zinken
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Potsdam/Gerswalde

Der Terrorverdacht gegen einen 17-jährigen Syrer aus der Uckermark hat sich nach Ermittlungen der Staatsanwaltschaft nicht bestätigt. Gegen den Mann werde kein Haftbefehl beantragt, sagte Sprecher Christoph Lange am Mittwoch in Potsdam. Vielmehr werde der junge Mann wieder auf freien Fuß gesetzt. Die Polizei will den Syrer allerdings weiter auf dem Radarschirm behalten. Er war am Vortag von einem Spezialeinsatzkommando unter Terrorverdacht in Gewahrsam genommen worden.

Hinweise von mehreren Seiten

Das Potsdamer Innenministerium erklärte, die Polizei habe mit dem Einsatz keinen Fehler gemacht. Es habe von mehreren Stellen Hinweise gegeben, dass der Mann einen Selbstmordanschlag in Berlin verüben wollte, sagte Sprecher Ingo Decker. Auch die Familie des Syrers habe eine WhatsApp-Nachricht des 17-Jährigen als Abschiedsbrief interpretiert.

Nach dpa-Informationen wertet die Staatsanwaltschaft den Inhalt der Nachricht allerdings anders als ursprünglich übersetzt. Demnach ist der dort genutzte Begriff „Heiliger Krieg“ nicht eindeutig einem geplanten Terroranschlag zuzuordnen. Mehrere sichergestellte Handys und ein Tablet-Computer brachten den Ermittlern auch keine Beweise.

Polizeisprecher: Wir „mussten aufhellen“

Polizeisprecher Torsten Herbst erklärte, der junge Mann solle noch am Mittwoch aus dem Gewahrsam entlassen werden. „Die Nachricht an seine Mutter ließ von Anfang an großen Interpretationsspielraum zu. Was heißt schon, sich dem Dschihad („Heiliger Krieg“) anzuschließen? Da mussten wir ran, mussten aufhellen“, sagte der Polizeioberrat. Die Polizei müsse be- als auch entlastende Beweise sammeln, sagte Herbst.

Per Kurznachrichtendienst Twitter teilte die Polizei mit, die Maßnahmen dauerten noch an. Die Entlassung des 17-Jährigen werde voraussichtlich im Laufe des Tages erfolgen.

Über den Fall war auch der Generalbundesanwalt informiert worden. Die Karlsruher Behörde habe den Fall aber nicht übernommen, sagte Lange. Bereits am Vorabend hatte auch das Bundesinnenministerium erklärt, es habe keine unmittelbare Anschlagsgefahr gegeben. Die Behörden hätten frühzeitig reagiert, um ein Risiko auszuschließen.

Seit 2015 unerlaubt in Deutschland

Die Brandenburger Polizei hatte Hinweise von Ermittlungsbehörden aus Hessen und Berlin erhalten. Nach den ersten Erkenntnissen war der junge Mann 2015 eingereist und wurde als Asylbewerber registriert. Er lebte nach Polizeiangaben seit 2016 in einem Heim für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in Gerswalde östlich von Templin in der Uckermark. Bei dem Einsatz der Polizeikräfte leistete er nach Polizeiangaben keinen Widerstand.

Heimleiter ist „schwer erschrocken“

„Als ich von dem Vorfall in Gerswalde gehört habe, war ich schon schwer erschrocken. Das ist eine erhebliche Belastung für die Jugendlichen und die Mitarbeiter“, sagte Norbert Lekow vom Heimbetreiber, der Gemeinnützigen Gesellschaft zur Förderung Brandenburger Kinder und Jugendlicher (GFB). „Wenn jemand mit dem Verdacht festgenommen wird, ist das sehr beunruhigend“, ergänzte der GFB-Geschäftsführer.

17-Jähriger hat sich selbst radikalisiert

Am Vormittag hatte die Polizei erklärt, in ersten Vernehmungen habe sich herauskristallisiert, dass sich der Mann in den vergangenen Monaten selbst radikalisiert habe. Laut Staatsanwaltschaft ergaben die Ermittlungen keine Kontakte zu ausländischen Terrororganisationen. Die Ermittler waren bei ihrem Einsatz von einem Anfangsverdacht auf Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Straftat nach Paragraf 89a Strafgesetzbuch ausgegangen.

Von Rochus Görgen

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