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Brandenburg Der Test: ohne Bargeld durch Potsdam
Brandenburg Der Test: ohne Bargeld durch Potsdam
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00:20 12.11.2018
Selbstversuch ohne Münzen und Scheine: MAZ-Reporter Ansgar Nehls hat Erfolg im Lakritzkontor in Potsdam. Die Verkäuferin Karina Schneemann akzeptiert die EC-Karte trotz Kleckerbetrag. Quelle: Bernd Gartenschläger
Potsdam

Das Schild ist nicht zu übersehen. „Bezahlung nur mit Bargeld. Karten können leider nicht akzeptiert werden“, steht auf dem kleinen Hinweis mitten auf dem Tresen eines Bäckers in der Potsdamer Innenstadt. Hier gibt es deswegen heute keine Rosinenschnecke und kein Croissant für mich. Denn ich darf einen Tag lang in Potsdam nur mit Karte bezahlen. Es ist ein Test – um zu prüfen, wie weit das bargeldlose Bezahlen in einer Landeshauptstadt in Deutschland schon fortgeschritten ist.

Hier beim Bäcker funktioniert gleich am Morgen als Währung immer noch nur Bargeld. Eine Verkäuferin erzählt, dass die meisten Kunden ihre Brötchen, ihre Teilchen und den Kuchen immer noch mit Münzen oder Scheinen bezahlen wollen. Doch auch hier wird bald umgestellt. In naher Zukunft soll hier beim Bäcker das Zahlen mit EC-Karte möglich sein. Das sei von der Geschäftsführung schon angekündigt worden, erzählt die Verkäuferin.

Im europäischen Ausland längst Standard

Im europäischen Ausland dagegen gehört das längst zum Standard. Wer im Urlaub in den Niederlanden, in Großbritannien oder Dänemark mit Münzen bezahlen will, wird mancherorts schon komisch angeguckt. Die Bezahlung auch von Kleinstbeträgen mit Karte, häufig auch schon mit dem Smartphone ist längst fast überall üblich.

Der neueste Roman, ein Kalender oder eine günstige Postkarte – wie selbstverständlich kann im Internationalen Buchhandel in der Brandenburger Straße in Potsdam mit Karte bezahlt werden. Das geht andernorts nicht. Quelle: Bernd Gartenschläger

In Deutschland dagegen kann zwar verlässlich mit Karte bezahlen, wer im Baumarkt die neuen Gartenmöbel kauft oder sein Auto tanken muss. Wer aber am Bäcker oder sogar am Kiosk auf die Plastikkarte aus dem Portemonnaie setzt, hat ein Problem. In Potsdam ist sogar in einigen Restaurants nur Barzahlung möglich, stelle ich fest. Es ist Mittag – und ich habe Hunger. Unweit der Bäckerei, bei der ich schon morgens gescheitert bin, stehen die Tische eines gehobenen Restaurants auf dem Boulevard der Brandenburger Innenstadt. Wer hier isst, zahlt selten einstellige Euro-Beträge. Bezahlen mit Karte ist trotzdem nicht möglich. „Steuerliche Gründe“ habe das, berichtet ein Mitarbeiter. Aber auch das Trinkgeld falle meistens geringer aus, wenn der Kunde mit EC-Karte zahle. Manchmal gäbe es sogar gar keines.

Im Jahr 2018 kann noch nicht in jedem Restaurant ohne Bargeld bezahlt werden

Für mich gibt es stattdessen erneut nichts zu essen. Kurzentschlossen gehe ich zum Supermarkt, kaufe Obst, einen Müsliriegel und eine Fruchtschorle. Doch glücklich bin ich nicht. Gerade die Tatsache, dass im Jahr 2018 noch immer nicht in jedem Restaurant ohne Bargeld bezahlt werden kann, hat mich erstaunt.

Im Lakritzladen ein paar Häuser weiter werde ich dagegen fündig. „Natürlich können Sie mit Karte bezahlen“, erzählt mir Besitzer Dietmar Teickner. Seit die Gebühren für die einzelnen Abrechnungen gesunken sind, ist es hier im Laden immer möglich auch ohne Bargeld zu zahlen. Einzige Bedingung: Der Betrag muss über einem Euro liegen. Das sei so vorgeschrieben, berichtet Teickner.

Bargeld für Kaufleute zum Teil sogar teurer

Und auch im Buchladen, die Straße hinunter, kann ich problemlos einkaufen. Der neueste Roman, ein Kalender oder eine günstige Postkarte – wie selbstverständlich kann hier mit Karte bezahlt werden. Für viele Kaufleute sei das Bargeld mittlerweile sogar teurer als die Karten-Abrechnungen, erzählt mir der Besitzer. Für das Wechselgeld muss er sich regelmäßig bei der Bank Münzrollen kaufen – und die kosten immer mehr Gebühren. Die Kartenabrechnungen seien für ihn dagegen noch günstig, sagt er. Außerdem würden sie vom Kunden immer häufiger genutzt. Das Gefühl habe ich auch. In Potsdam aber ist das noch nicht überall angekommen.

Immerhin kann ich danach bequem mit der Bahn nach Hause fahren. In allen Stadtbahnen können Tickets an Automaten mit EC-Karte bezahlt werden – auch wenn es, wie bei mir, nur ein 60-Minuten-Ticket für 2,60 Euro wäre. Heute aber brauche ich nicht einmal das zu tun. Über die Smartphone-App „Bus & Bahn“ habe ich mir schon im Vorfeld eine Fahrkarte besorgt. Ganz ohne Bargeld – und dieses Mal sogar auch ganz ohne Karte. Die kurze Anmeldung dafür ist angenehm simpel und die Tickets können per Lastschrift, Kreditkarte oder mit einem Prepaid-System bezahlt werden. Ich entscheide mich für die erste Variante, kaufe eine Karte über die App und kann entspannt in die Bahn steigen – ohne mir darüber Gedanken machen zu müssen, ob ich genug Kleingeld dabei habe. In Potsdam ist dieses Gefühl noch nicht selbstverständlich.

Von Ansgar Nehls

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