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Brandenburg Theater-Krise: Deschner braucht mehr Geld
Brandenburg Theater-Krise: Deschner braucht mehr Geld
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06:05 27.09.2016
Anfang 2016 herrschte bei der Vorstellung der künstlerischen Leitung Aufbruchstimmung. Jetzt droht der Theater-Chef mit Insolvenz. Quelle: Benno Rougk
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Brandenburg/H

Die Räuber sind unter die Räuber gefallen. 110 000 Euro sollte die Produktion „Die Räuber“ des Jugendtheaters in dieser Spielzeit kosten. Auf 32 000 Euro haben Theater-Geschäftsführer Klaus Deschner und die künstlerische Leiterin Kaja Lebelt die Kosten jetzt reduziert. Und noch nicht einmal das Geld ist bewilligt, sagt Deschner. Da bleibt wenig übrig vom ursprünglichen Konzept. Nicht anders ergeht es der Silvesterrevue „Ball im Café Oske“ oder dem „New-York-Weihnachtskonzert“. Beide Produktionen sind von jeweils über 30 000 Euro auf 5 000 Euro Produktionsetat gekürzt worden.

Keine Eigenproduktionen wurden verschont

Im Grunde hat Deschners Rotstift keine Eigenproduktionen von Lebelt verschont, die diese erst vor wenigen Wochen mit dem neuen Spielplan stolz vorstellte. Und daran wird sich schnell nichts ändern. Denn jetzt tritt das ein, was im Wirtschaftsplan des Theaters schon am Jahresanfang stand: 2017 ist das Theater insolvent, wenn die Stadt und das Land das mit 6,8 Millionen Euro jährlich unterstütze Haus nicht mit erheblich mehr Geld alimentieren. Seit Montagabend ist Klaus Deschner auf der Informationstour durch die Fraktionen der SVV, um sie zu überzeugen, dass das BT schon 2017 erheblich mehr Geld braucht, wenn das Haus nicht entweder in die Insolvenz gehen oder massiv Personal abbauen soll.

Deschner fordert Austritt aus Tarifvertrag

Vor dem Aufsichtsrat und in den Fraktionen hat er seine Modelle für den Erhalt des Hauses vorgestellt und die Politiker vor die Wahl gestellt: „Entweder die Stadt als Gesellschafter will ein Sparmodell oder sie will ein Theater.“ Keines der von Katja Lebelt im Spielplanheft im Juli vorgestellten Projekte sei ausfinanziert. Da aber die Politiker, allen voran Ministerpräsident Dietmar Woidke und Oberbürgermeisterin Dietlind Tiemann schon in den Vorworten zum Spielplan die Bedeutung des BT herausgestellt hätten, hoffe er, Deschner, darauf, dass sich Stadt und Land dies auch etwas mehr kosten lassen. „Etwas mehr“ wäre 772000 Euro, die Stadt und Land künftig jährlich drauflegen müssten, um das Theater als Theater zu erhalten. Diese Mittel und der Austritt aus dem Tarifvertrag würden dem BT Spielraum geben, um als Haus zu überleben, hat Deschner analysiert und, wie es heißt, auf 130 Seiten niedergeschrieben.

Vom ersten Pult an den Parkautomaten?

Nun dürfte das Gefeilsche beginnen: Bereits Freitag hatte Deschner den Betriebsrat und den Orchestervorstand darüber informiert, was passiere, wenn das Haus sich nicht vom Tarifvertrag löst und keine zusätzlichen Mittel kommen. Im Konsolidierungsplan finden sich wiederholt Hinweise auf Kürzungen im Orchesterbereich (Modelle mit 44 Stellen oder die Vorzüge von Kammermusik) und die Folgen einer Insolvenz der GmbH. 24 Musiker und 11 Angestellte würden in einem solchen Fall an die Stadt als früherem Arbeitgeber zurückfallen.

Nach einer Umschulung, so hat die Beteiligungsverwaltung Deschner lapidar wissen lassen, könnten diese Theaterleute dann beispielsweise Arbeit im Stadtordnungsdienst bekommen. Die Frage ist: Wie positionieren sich die Parteien und die Stadtführung? Unter der Regie von Kämmerer Steffen Scheller (CDU) wurde vor Jahren der Haustarif vereinbart. Deschner meinte jetzt vor Aufsichtsräten, den Vertrag nicht schon damals zu kündigen, sei ein Fehler gewesen, der nun jährlich mit über 300 000 Euro zu Buche schlage. Angesichts der Zwänge, unter denen Land und Stadt Brandenburg mit Blick auf die Kreisgebietsreform stehen, kann sich keine Seite leisten, das Theater in die Insolvenz zu schicken, heißt es aus der Führung des Rathauses.

Politik vor Grundsatzentscheidung

Die Stadt werde dem Land beweisen müssen, dass sie ihre Aufgaben – auch innerhalb des Theaterverbundes schultert. Das Land wiederum könne angesichts der ablehnenden Haltung zur Reform der Stadt nicht auch noch das Theater nehmen. Für Klaus Deschner ist klar: „Wir brauchen eine Grundsatzentscheidung. Entweder wir machen so weiter wie bisher mit Orchester und ohne Produktionen oder das Theater bekommt höhere Zuschüsse.“

Von Benno Rougk

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