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Tiefbau im Keller

Bauwirtschaft Berlin-Brandenburg Tiefbau im Keller

Die Bauwirtschaft in Berlin-Brandenburg ist gespalten. Im Jahr 2015 gab es ein Boom im Hochbau, vor allem bei Wohnungen und zugleich ein deutliches Umsatz-Minus im Tiefbau und dort besonders beim Straßenbau. Die Branche fordert von der Politik, sich mehr um die Verkehrsinfrastruktur zu kümmern.

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Das konjunkturelle Hoch im Wohnungsbau der Region hält an.

Quelle: FOTO: dpa-

Potsdam. Die Stimmung am Bau in Berlin und Brandenburg ist insgesamt gut – vor allem der Wohnungsbau brummt. Dennoch liegt über der Bilanz der Bauwirtschaft für das zurückliegende Jahr ein Schatten. Der Grund sind die deutlichen Umsatzeinbußen im öffentlichen Tiefbau. So verzeichnet die Branche im Straßenbau (Umsatz: 787 Millionen Euro) in beiden Ländern ein Minus von 4,3 Prozent gegenüber dem Jahr 2014. Allein auf das Land Brandenburg bezogen, gab es im vorigen Jahr Einbußen beim Straßenbau von 5,1 Prozent gegenüber 2014.

Sorgen bereitet dem Hauptgeschäftsführer des Bauindustrieverbandes, Axel Wunschel, vor allem der marode Zustand der Verkehrsinfrastruktur. Das dürfe nicht aus den Augen gelassen werden. „Wir hoffen, dass das die Politik erkannt hat“, betonte er am Montag. Insgesamt sprach der Verbandschef von einer „gespaltenen Lage“ in der Bauwirtschaft im vorigen Jahr. Denn dem Hochbau geht es weiterhin sehr gut. Besonders der Wohnungsbau profitierte von der günstigen konjunkturellen Lage. Um fast zehn Prozent (9,9 Prozent) stieg der Umsatz, der bei 2,85 Milliarden Euro liegt (Brandenburg: 1,5 Milliarden Umsatz, plus 3,2 Prozent gegenüber 2014). Im öffentlichen Hochbau gab es ein Plus von 5,2 Prozent.

Insgesamt verzeichnet die Branche 2015 einen Gesamtumsatz von 7,1 Milliarden Euro – das bedeutet ein Plus von 4,1 Prozent gegenüber dem Jahr davor. Wunschel mahnt dennoch: „Das Hoch um Hochbau darf nicht automatisch zu einem Tief im Tiefbau führen.“

Der Rückgang an Investitionen im Straßenbau ist auch eine Folge im vorigen Jahr ausgelaufener EU-Fördermittelprogramme. In Brandenburg wurde außerdem gespart. Im Landeshaushalt stand weniger Geld für den Ausbau von Landesstraßen zur Verfügung, was der Bauindustrieverband regelmäßig kritisiert.

Positiv fällt der Auftragseingang für 2015 aus. Der stieg in der Bauwirtschaft insgesamt um 8,6 Prozent auf 4,11 Milliarden Euro. Selbst beim Straßenbau gab es da ein Plus von 11,7 Prozent gegenüber dem Jahr davor.

Die Baubranche in der Region hat indes massive Nachwuchssorgen. Immer weniger Jugendliche wollen Jobs am Bau. Vor diesem Hintergrund planen Bauunternehmen der Region, künftig stärker auf Flüchtlinge und Asylbewerber zugehen. „Wir sind daran interessiert, Flüchtlinge zu gewinnen und in den Arbeitsmarkt zu integrieren“, sagt Verbandssprecherin Beate Bahr. Doch noch fehlten die nötigen Konzepte, sagte sie.

Zur Nachwuchsgewinnung bietet die Branche ein eigenen „Integrationsprogramm“ an – ein berufsvorbereitendes Jahr. Es richtet sich vor allem an Jugendliche, die die nötige Qualifikation oder Schulbildung nicht mitbringen. Ziel ist die Übernahme in einem Lehrstelle. „Die Nachfrage von Unternehmen für dieses Programm sei da“, so Sprecherin Bahr. Zwei Unternehmen wollten bereits Flüchtlinge in das Programm einbeziehen.

Sorgenkind Straßenbau

Die Baulobby in Berlin-Brandenburg beklagt seit Jahren sinkende Investitionen in die Infrastruktur. In Brandenburg hatte die rot-rote Landesregierung 2014 ein auf fünf Jahre angelegtes Infrastrukturprogramm in Höhe von 230 Millionen Euro aufgelegt. 100 Millionen Euro davon sollen in den Straßenbau fließen: In diesem Jahr sind es 20 Millionen Euro.

Der Bauindustrieverband Berlin-Brandenburg fordert für jedes Jahr 90 Millionen Euro, „um den Werteverzehr aufzuhalten“, wie Hauptgeschäftsführer Axel Wunschel betont. Der Verband vertritt die großen industriellen Bauunternehmen der Region. Fast 150 davon mit etwa 12 000 Beschäftigten gehören dazu.

In Brandenburg sind nach Angaben der Landesregierung rund 40 Prozent der 5800 Kilometer Landesstraßen in schlechtem Zustand. Mehr als 60 Prozent der Ortsdurchfahrten in Brandenburg gelten als marode. Brandenburg fehlen pro Jahr rund 30 Millionen Euro EU-Fördermittel, die etwa für den Bau von Umgehungsstraßen eingesetzt werden konnten.

 

Von Igor Göldner

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