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Tierärzte geben immer mehr Antibiotika ab

Angst vor resistenten Keimen Tierärzte geben immer mehr Antibiotika ab

Bis zu 40.000 Menschen sterben in Deutschland jedes Jahr an resistenten Keimen. Einer der Verursacher ist der massive Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung. Entgegen dem Bundestrend nahm die abgegebene Menge in Brandenburg in den vergangenen Jahren zu. Grünen-Politiker Benjamin Raschke warnt vor einer „alarmierenden Entwicklung“.

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Tierschützer kritisieren den massiven Einsatz von Antibiotika in der Tiermast.

Quelle: dpa

Potsdam. Entgegen dem bundesweiten Trend werden Nutztiere in Brandenburg offenbar mit immer mehr Antibiotika vollgepumpt. Das kritisiert die Landtagsfraktion von Bündnis ’90/Die Grünen auf Grundlage aktueller Zahlen des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL). Benjamin Raschke, landwirtschaftspolitischer Sprecher der Grünen, warnt vor einer „alarmierenden Entwicklung“.

In der Postleitzahlregion 16 – weitgehend Deckungsgleich mit Nordbrandenburg – verdoppelte sich die Menge abgegebener Antibiotika zwischen 2011 und 2014 auf 30 Tonnen. Dafür verantwortlich sei die „massentierhaltungsfreundliche Agrarpolitik“ von Minister Jörg Vogelsänger (SPD), sagt Grünen-Politiker Raschke. ,,Wir brauchen in Brandenburg eine Kehrtwende und müssen wegkommen von immer mehr Megaställen, in denen flächendeckend und prophylaktisch Antibiotika verabreicht werden.“

Der enorme Medikamenteneinsatz in der Tiermedizin befördert die Herausbildung resistenter Bakterienstämme. Die Humanmedizin stellt das zunehmend vor Probleme. An multiresistenten Keimen sterben laut der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene hierzulande jährlich 30.000 bis 40.000 Menschen.

Das Landesbauernverband (LBV) sieht keine Anhaltspunkte für einen flächendeckenden Antibiotikamissbrauch in Brandenburgs Tierställen. „Im fraglichen Zeitraum haben auch die Tierbestände zugenommen“, sagt LBV-Vertreter Simon Harnisch. „Die Bauern, die wir vertreten, halten sich an Recht und Ordnung. Antibiotika werden ausschließlich aus tierschutzrechtlichen Gründen verabreicht.“ Das Arzneimittelgesetz ermögliche eine lückenlose Dokumentation des Medikamenteneinsatzes bis zum einzelnen Tier, sagt Harnisch. Statt über Mengen zu diskutieren, müssten die Wirkstoffe betrachtet werden.

Das Landwirtschaftsministerium weist einen Zusammenhang zu der von den Grünen kritisierten Massentierhaltung zurück. „Das hat nichts miteinander zu tun“, sagt Sprecher Jens-Uwe Schade.

Für die Veterinäraufsicht ist das Verbraucherschutzministerium zuständig. Sprecherin Maria Strauß räumt ein: „Der Einsatz von Antibiotika muss reduziert werden.“ Es sei wichtig, dass Verbraucher die Bedingungen der Tierhaltung stärker hinterfragen. Zentrale Faktoren seien Hygiene und Klima in den Ställen, nicht aber deren Größe. „Für das Wohl der Tiere ist nicht die Zahl entscheidend, sondern wie sie gehalten werden.“

Zuwachs in Brandenburg, Rückgang im Bund

47 Tonnen Antibiotika gaben pharmazeutische Unternehmen und Großhändler an Tierärzte 2014 in den Postleitzahlregionen 14, 15 und 16 ab. 2011 waren es noch 40 Tonnen. Das Gebiet umfasst nahezu ganz Brandenburg, mit Ausnahme vor allem südlicher Teile.

Auf Nordbrandenburg entfiel der Großteil des Wachstums. Im Postleitzahlgebiet 16 verdoppelte sich die Antibiotikaabgabe von 15 auf 30 Tonnen.

1238 Tonnen wurden 2014 bundesweit abgegeben, 2011 waren es noch 1706.

Von Bastian Pauly

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