Volltextsuche über das Angebot:

1 ° / -3 ° wolkig

Navigation:
Tiger-Baby kommt in neues Zuhause

Diego zieht ins Wildkatzenzentrum Tiger-Baby kommt in neues Zuhause

Der drei Monate alte Tiger Diego bekommt ein neues Zuhause. Das Findel-Tier zieht in das Wildkatzenzentrum “Felidae“ in Tempelfelde (Barnim). Dort werden für ein großes Gehege derzeit Spenden gesammelt. Mitte August wurde Diego völlig unterernährt in einem Karton vor der Haustür einer Tierärztin ausgesetzt und mit der Flasche aufgepäppelt.

Voriger Artikel
Polizeigewerkschaft fordert 600 neue Stellen
Nächster Artikel
Linke Kampfansage an die SPD

Tiger Diego zieht ins Wildkatzenzentrum

Quelle: dpa-Zentralbild

Potsdam/ Tempelfelde. Diego hat in seinem noch jungen Leben schon zweimal Glück gehabt. Zunächst Mitte August, als die Bernauer Tierärztin Doris Tesch das kaum einem Monat alte Tigerbaby morgens vor ihrer Haustür fand - in einem Karton, völlig unterernährt und ausgedürstet. Tesch päppelte das junge Raubtier, das vermutlich aus einem Zirkus stammt, mit der Flasche auf. Diego kämpfte sich durch, obwohl Experten ihm kaum Chancen gaben.

Zum zweiten Mal Glück hatte der inzwischen drei Monate alte Tiger nun bei der Suche nach einem neuen Zuhause. Denn der schnell wachsende Diego, der inzwischen bis zu fünf Flaschen Welpenmilch und anderthalb Kilogramm Fleisch verputzt, kann nicht dauerhaft im Haus und im Garten von Tesch bleiben. Am Samstag wird er in das Wildkatzenzentrum Felidae in Tempelfelde (Barnim) umziehen.

Der erste Tiger

Auf mehr als 6000 Quadratmetern hat der Tierarzt Renato Rafael am Rande des Ortes ein Gehege für 38 Wildkatzen von 15 verschiedenen Arten aufgebaut. Tiger gehörten bisher nicht dazu, doch zu Diego konnte der 55-jährige Veterinärmediziner einfach nicht Nein sagen. Schon mehrfach war das Findeltier auf Stippvisite in Tempelfelde, um sich an die neue Umgebung zu gewöhnen. “Er ist einfach unwiderstehlich“, sagt Rafael.

Was dem verspielten Jung-Tiger allerdings noch fehlt, ist ein großes, artgerechtes Gehege. Denn der Artenschutz steht im Vordergrund von “Felidae“, wie der Chef betont. “Besucher werden bei uns durch die Anlage geführt. Dabei informieren wir sie auch über die Probleme, die diese Tierarten in der freien Natur haben und warum Nachzuchten in Zoos für die Arterhaltung so wichtig sind“, erzählt er. Bisher hat er die in Gefangenschaft aufgewachsenen Raub-, Schleich und Marder-Katzen gezielt gekauft – in Abstimmung mit einem Zuchtbuchkoordinator.

Lob für Wildkatzenzentrum

Denn Rafaels Wildkatzenzentrum nimmt am Europäischen Erhaltungszuchtprogramm EEP teil. “Da darf man nicht einfach so mitmischen, sondern muss Sachkenntnis und artgerechte Haltung nachweisen“, erläutert Frank Plücken, Referent für Artenschutzvollzug beim Brandenburger Landesumweltamt. Das Wildkatzenzentrum “Felidae“ bezeichnet er als “wirklich vorzeigbar“. “Da gibt es Zoos in Deutschland, da haben die Tiere weitaus weniger Platz», macht der Fachmann deutlich. Im EEP werden die Zuchtbücher für bestimmte Arten geführt und Elternpaare zusammengestellt, um die genetische Vielfalt zu sichern.

“So stammt einer meiner Schneeleoparden aus Paris, der andere aus Schweden“, nennt der Tierarzt, der neben dem Wildkatzenzentrum eine Praxis in Zepernick (Barnim) betreibt, nur ein Beispiel. Der Zuchtbuchkoordinator entscheidet später auch, in welche Zoos der Nachwuchs kommt. Finanziert wird “Felidae“ aus Spenden und Eintrittsgeldern.

Tierarzt Renato Rafael und Diego

Tierarzt Renato Rafael und Diego

Quelle: dpa

Jetzt bekommt Rafael Unterstützung vom Brandenburger Landesumweltamt – dank Diego. “Sein Fall hat uns erneut gezeigt, dass wir artgerechte Unterbringungsmöglichkeiten brauchen“, sagt Plücken. Deshalb soll in der Anlage in Tempelfelde eine Auffangstation für Wildkatzen entstehen, die von den Behörden wie dem Zoll oder Veterinärämtern beschlagnahmt wurden. “Die entsprechenden Fördermittelanträge werden im Januar nächsten Jahres gestellt“, sagt Katzen-Fan Rafael.

Dass Tiger- oder Löwenbabys einfach ausgesetzt werden, ist laut Plücken zwar ungewöhnlich, aber nicht verwunderlich. “In Zoos und auch Zirkussen in Deutschland gibt es zu viele Jungtiere, deren Versorgung kostenintensiv ist. Deswegen wollte uns in Tierparks auch niemand Diego abnehmen“, erklärt er.

Spender gesucht

Inzwischen sammelt Rafael eifrig Spenden für Diegos Gehege. Auf 1200 Quadratmetern soll der Tiger sich künftig austoben können. Rund 200 000 Euro wird es laut Rafael, der inzwischen zwei Hektar Erweiterungsfläche dazu gekauft hat, mindestens kosten. Und er wünscht sich einen Spielkameraden für Diego. “Er fängt an, seine Kräfte auszuprobieren. Und das klappt am besten mit einem Artgenossen.“

Ob Diego ein sibirischer Amur- oder ein aus Indien stammender Bengaltiger ist, weiss Rafael noch nicht. «Die unterschiedlichen Merkmale sieht man erst, wenn er etwa anderthalb Jahre alt ist. Vorher hilft nur eine DNA-Analyse», erklärt der Veterinärmediziner. Wichtig sei die Identifizierung schon, denn: “Bengaltiger brauchen im Winter eine warme Behausung, Amurtiger nicht.“

Von MAZonline

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Brandenburg

Die olympischen Spiele werden künftig nicht mehr bei ARD und ZDF übertragen - eine gute Entscheidung?

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg