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Tödlicher Absturz bei Windradwartung

Arbeitsunfälle in Brandenburg Tödlicher Absturz bei Windradwartung

Ein abstürzender Fahrkorb bei einem Windrad, schiefstehende Leitern auf der Baustelle: Elf Menschen sind im Jahr 2015 bei Arbeitsunfällen in Brandenburg ums Leben gekommen. Tendenziell sind die Arbeitsplätze im Land aber sicherer geworden. Beim Thema Sicherheit gibt es jedoch neue Herausforderungen.

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Quelle: Patrick Pleul, dpa

Potsdam. Brandenburg ist – gemessen am Bundesdurchschnitt – ein gefährliches Land für Arbeitende. Kamen 2015 bundesweit auf 1000 Beschäftigte knapp 22 meldepflichtige Arbeitsunfälle, waren es in Brandenburg 23,6 Unfälle pro 1000. Das geht aus dem Arbeitsschutzbericht des Landes hervor. Die MAZ erklärt, welche Arbeitsplätze gefährlich sind und wie sich die Sicherheitslage entwickelt hat.

Was sind die Ursachen für schwere Arbeitsunfälle?

Die Einhaltung von Schutzvorschriften und ihre Kontrolle sind laut Arbeitsministerin Diana Golze (Linke) besonders wichtig. Andernfalls kann es zu gefährlichen bis tödlichen Zwischenfällen kommen. Beispiel: Bei Storkow (Landkreis Oder-Spree) stürzten zwei Mitarbeiter bei der Wartung eines Windrades mit dem Fahrkorb ab. Ein Mann starb, der andere wurde schwer verletzt. Sicherheitsbauteile des Fahrkorbes hatten versagt, Wartungsvorgaben waren ignoriert worden.

Welche Branchen sind besonders gefährlich?

Neben der arbeitsintensiven Land- und Forstwirtschaft gibt es auch in der Bauwirtschaft viele Unfälle. „Hier ändern sich tagtäglich die Arbeitsbedingungen“, sagt der Präsident des Landesamtes für Arbeitsschutz, Detlev Mohr. Abstürze von – ungesicherten – Leitern sind mit Abstand die häufigste Unfallart. Oft stürzen Arbeiter auch durch nicht gekennzeichnete Dachluken. Gerade in der Baubranche regiere ein Unterbietungsdruck der Anbieter, warnt Mohr. Er führe zu einem nachlässigen Umgang mit Schutzvorschriften.

Wie häufig enden Arbeitsunfälle tödlich?

Tödliche Unfälle haben abgenommen, die Arbeitssicherheit ist insgesamt gestiegen. 2015 gab es in Brandenburg insgesamt elf Todesfälle. Damit lag das Land – anders als in Vorjahren – unter dem Bundesdurchschnitt. Die Gesamtzahl der meldepflichtigen Arbeitsunfälle ist von 32 700 im Jahr 2006 auf 25 700 im Jahr 2015 gesunken.

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Wo liegen die Brandenburger Besonderheiten?

Ungünstig für den Arbeitsschutz ist nach Einschätzung des Arbeitsministeriums die kleinteilige Unternehmensstruktur in Brandenburg. 90 Prozent der Betriebe haben weniger als zehn Beschäftigte. Das führt dazu, dass sich keine speziellen Abteilungen für Arbeitsschutz wie bei Großunternehmen herausbilden können.

Wie wird der Arbeitsschutz kontrolliert?

4025 Betriebe und 1919 Baustellen wurden 2015 vom Landesamt für Arbeitsschutz, Verbraucherschutz und Gesundheit kontrolliert. Allein bei den Baustellen gab es 19 567 Beanstandungen. 617 mal wurden Bußgelder fällig.

Welche Herausforderungen bringt die Zukunft?

Arbeitsministerin Golze sieht in der altersgerechten Gestaltung der Arbeitsplätze eine große Herausforderung. „Die Belegschaften werden immer älter, daran müssen sich die Arbeitsplätze und Arbeitsmittel anpassen“, so Golze. Eine besondere Herausforderung sieht die Ministerin in der Digitalisierung durch die „Industrie 4.0“. Geräte werden immer komplexer, was auch die Risiken steigere. Darüber hinaus sind Arbeitskräfte dank neuer flexibler Arbeitsverhältnisse und neuer Kommunikationsmittel ständig erreichbar und einem höheren Druck ausgesetzt. Schon jetzt machten psychische Erkrankungen 16,7 Prozent des Krankenstandes in Brandenburg aus. Es werde künftig auch Aufgabe des Arbeitsschutzes sein, die Arbeitnehmer vor solchem Druck zu schützen.

Von Rüdiger Braun

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