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Totale Sonnenfinsternis und Laurentiustränen

Sternenhimmel über Brandenburg im August 2017 Totale Sonnenfinsternis und Laurentiustränen

Wer in diesem Leben noch eine totale Sonnenfinsternis erleben will, muss sich am 21. August in die USA aufmachen. In Deutschland ist es erst wieder im Jahr 2083 soweit. Doch auch für Daheimgebliebene bietet der August-Nachthimmel viel Wunderbares – zum Beispiel die sogenannten Laurentiustränen.

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Die „Perlenschnur“ von Arktur bis Deneb.

Quelle: Uwe Schierhorn mit Stellarium

Königs Wusterhausen. Obwohl der August für astronomische Beobachtungen im Dunkeln der interessanteste Sommermonat ist, findet das spektakulärste astronomische Ereignis am Tage statt: Am Montag, 21. August, gibt über den USA eine totale Sonnenfinsternis . Der Mond steht zwar einmal im Monat zwischen Sonne und Erde (Neumond), sein Schatten geht aber auf Grund der Bahnneigung meist über oder unter der Erde vorbei. Am 21. August jedoch fällt sein Schatten auf die Erdoberfläche. Dort kann man von der Erde aus die Verfinsterung der Sonne beobachten:

Der Mondschatten erreicht gegen 10.15 Uhr PST (19.15 Uhr MESZ bzw. 17.15 Uhr Universal Time UT) die Westküste der USA südlich der Stadt Portland im Bundesstaat Oregon.

Der Lauf des Mondschattens am Tag der totalen Sonnenfinsternis in den USA

Der Lauf des Mondschattens am Tag der totalen Sonnenfinsternis in den USA.

Quelle: NASA

Die an der Westküste im Bundesstaat Oregon geltende Ortszeit ist die Pacific Standard Time PST. Diese Zeit ist neun Stunden hinter der bei uns geltenden Mitteleuropäischen Sommerzeit MESZ hinterher. Es folgen die Montain Standard Time – MST (-8h); die Central Standard Time – CST (-7h) und Eastern Standard Time EST (-6h).

In gut 1,5 Stunden überquert der Mondschatten von West nach Ost die USA und somit die vier Zeitzonen des Festlandes der USA. Um kurz vor 15.00 Uhr (EST), also kurz vor 21.00 Uhr (MESZ), verlässt der Mondschatten 600 km südwestlich der Kapverden den amerikanischen Kontinent in Richtung Atlantik.

Der ca. 100 km breite Schattenstreifen überquert dabei in den USA folgende Bundesstaaten: Oregon, Idaho, Wyoming, Nebraska, Kansas, Missouri, Illinois, Kentucky, Tennessee, North Carolina, Georgia und South Carolina. Vier wichtige Großstädte liegen am Rand des Kernschattengebietes: (Lincoln/Nebraska, Kansas City/Missouri, St. Louis/Missouri und Nashville/Tennessee). Sollte sich der Leser also am 21. August in der Totalitätszone bzw. in ihrer Nähe aufhalten, ist eine Beobachtung der Sonnenfinsternis empfehlenswert, da dieses Ereignis in Deutschland erst wieder 2083 auftritt.

Perseiden um den 12. August

Neben der SoFi in den USA bietet der August-Nachthimmel wie in jedem Jahr viel Interessantes. Die länger werdenden Nächte geben Gelegenheit, den Sternenhimmel zu beobachten. Ende August ist die Nacht 110 Minuten länger als im Juli. Besonders die vielen Sternschnuppen laden um den 12. August zur Beobachtung des Sternenhimmels ein. Verantwortlich ist der Sternschnuppenstrom der Perseiden . Den Namen hat er, da scheinbar alle Sternschnuppen aus Richtung des Sternbildes Perseus kommen.

Astronomisch ist die Sache schnell erklärt: Jedes Jahr im August durchquert die Erde auf ihrer Bahn um die Sonne die Staubspur des Kometen Swift–Tuttle . Dringt ein Staubteilchen in die Atmosphäre der Erde ein, wird die Luft durch die Hitze zum Leuchten angeregt.

Komet Swift-Tuttle

Der Komet Swift-Tuttle ist benannt nach den Amerikanern Lewis A. Swift (1820 – 1913) und Horace Parnell Tuttle (1837 – 1923), die den Kometen am 16. bzw. 19. Juli 1862 entdeckten. Swift-Tuttle umläuft die Sonne auf einer stark elliptischen Bahn einmal in ca. 133 Jahren. Das letzte Mal kam er der Erde im Jahr 1992 sehr nahe und wurde nach Voraussage im September durch den Japaner Kiuchi wiederentdeckt.

Beim Umlauf des Kometen um die Sonne verliert er in Sonnennähe – er ist dann etwa von der Sonne soweit entfernt, wie die Erde – durch die auftauende Wärme der Sonne viel Material von seiner Oberfläche, die in Sonnenferne – Sonnenabstand ca. 52 mal größer – an ihm festgefroren ist. Im Laufe der Zeit hat der Komet seine Bahn somit richtig „zugemüllt“. Die Erde passiert im August diese Staubspur, obwohl sich der Komet irgendwo anders auf seiner Bahn aufhält.

Die Tränen von St. Laurentius

Interessant ist die mythologische Deutung dieser Sternschnuppenhäufung. Am bekanntesten ist die Sage der Laurentiustränen. Sie beruht auf der im Jahre 258 vom römischen Kaiser Valerian veranlassten grausamen Hinrichtung des Heiligen Laurentius. Noch vor Beginn des Mittelalters entstand ihm zu Ehren ein Fest, welches an seinem Namens- und Todestag, dem 10. August, gefeiert wurde. Da man genau in dieser Zeit stets viele Sternschnuppen beobachtete, entstand der Volksglaube, dass diese Sternschnuppen, die Tränen des Märtyrers seien. Die Stadtkirche in Berlin-Köpenick trägt übrigens den Namen St. Laurentius.

Ein anderer verbreiteter Aberglaube ist es, dass wer eine Sternschnuppe sieht, einen Wunsch frei hat. Damit dieser in Erfüllung geht, muss der Wünschende schnell die Augen schließen und an seinen Wunsch denken. Anschließend darf er niemandem davon erzählen.

Sommerdreieck und „Perlenschnur“

Ansonsten wird der ab ca. 22 Uhr dunkle Himmel im Süden jahreszeitgemäß durch das Sommerdreieck beherrscht. Auch die „Perlenschnur“ von Arktur über Gemma, Herkules, Wega und Deneb steht zentral am Südhimmel. Im Osten kündigt sich mit dem Pegasus und den Fischen der nahende Herbst an.

Unterhalb des Sommerdreiecks ist flach (15° Höhe) der Saturn sichtbar. Jupiter verschwindet mit der Abenddämmerung und Venus ist als Morgenstern das hellste Objekt vor Sonnenaufgang. Die Abbildung zeigt einen Blick „von oben“ auf das innere Planetensystem. Man erkennt, dass Merkur und Mars von der Erde aus unsichtbar sind, da sie sich vor (Merkur) bzw. hinter (Mars) der Sonne befinden.

Mondlauf im August 2017:

Vollmond am Mo, 7.8.17
Letztes Viertel am 15.8.17
Neumond am 21.8.17
Erstes Viertel am 29.8.17

Sonnenauf- und Untergangszeiten für Königs Wusterhausen:

01.08.2017:
SA 5.26 Uhr
SU 20.56 Uhr (Tageslänge 15h 30min)
31.08.2017:
SA 6.15 Uhr
SU 19.51 Uhr (13h 36min)

Autor Uwe Schierhorn ist Fachlehrer für Mathematik, Physik und Astronomie am Friedrich–Schiller–Gymnasium Königs Wusterhausen und Mitglied der Schul- und Volkssternwarte Dahlewitz e.V.

Quellen: Keller, Hans-Ulrich (Hrsg.), Kosmos Himmelsjahr 2016; Kosmos-Verlag; Stuttgart, 2015
Daten: www.calsky.com und www.heavens-above.com
Abbildungen:
Abb. 1 – NASA (https://eclipse2017.nasa.gov/)
Abb. 2 – Grafik vom Autor mit Hilfe Stellarium © erstellt
Abb. 3 – Grafik vom Autor mit Hilfe Calsky.com erstellt

Von Uwe Schierhorn

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