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Tränen, weil der Flug gestrichen wurde

Streik in Schönefeld und Tegel Tränen, weil der Flug gestrichen wurde

Der Streik des Bodenpersonals lähmt die Berliner Flughäfen - sogar die Besucherterrassen bleiben geschlossen. Der größte Kunden der Berliner Flughäfen hat wenig Verständnis für den Streik. Die meisten Fluggäste können die Arbeitsniederlegung sehrwohl nachvollziehen – auch, wenn Tränen fließen.

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Quelle: Saskia Kirf

Schönefeld. Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi hat am Freitag die beiden Flughäfen der Hauptstadtregion praktisch zum Stillstand gebracht. In Schönefeld wurden mehr als 200, in Tegel mehr als 460 Flüge gestrichen. Die rund 2000 Mitarbeiter der Bodenverkehrsdienste zeichnen für den Streik verantwortlich. Sie wollen mehr Lohn und bessere Arbeitsbedingungen. In einer Urabstimmung hatten 98,6 Prozent der Verdi-Mitglieder an den beiden Flughäfen für den Streik gestimmt.

Kämpferische Gewerkschaft

Tatsächlich arbeitet am Freitag niemand in Schönefeld, wie Gewerkschaftssekretär Holger Rößler bestätigt. Die Gewerkschafter geben sich kämpferisch, sie wollen den Arbeitgebern mit dem 24-stümdigen Streik ein deutliches Signal senden. „Wir hoffen, dass die Arbeitgeber heute begreifen, wie ernst den Beschäftigten die Situation ist“, sagt Verhandlungsführer Enrico Rümker. Die Voraussetzung für neue Gespräche sei ein verhandlungsfähiges Angebot der Arbeitgeberseite.

Diese nennt den Streik „verantwortungslos“, weil er eine Lösung des Konflikts in weite Ferne rücke. „Wir haben unser Möglichstes getan, um einen Streik abzuwenden. Sowohl mit der Höhe des Angebots als auch mit der Laufzeit sind wir der Gewerkschaft weit entgegengekommen“, erklärte ein Sprecher. Die Gewerkschaft fordert bei einer Vertragslaufzeit von einem Jahr einen Euro pro Stunde mehr sowie zusätzlich strukturelle Verbesserungen im Tarifvertrag. Die Arbeitgeber, vertreten durch den Allgemeinen Verband der Wirtschaft für Berlin und Brandenburg, hatten zuletzt ein Volumen von acht Prozent angeboten, das über drei Jahre gestreckt werden soll. Ein einfach Beschäftigter würde diesem Vorschlag zufolge pro Arbeitsstunde 27 Cent mehr erhalten. „Das Volumen ist zu gering und die Laufzeit viel zu lang, um auf dieser Grundlage einen Kompromiss zu finden“, sagt Rümker. Deshalb sei die Verhandlungsgrunde am Dienstag gescheitert.

Kein Verständnis bei Fluglinie

Air Berlin als größter Kunde der Berliner Flughäfen zeigt kein Verständnis für die angekündigten Arbeitsniederlegungen während der Reisemesse ITB. „Die ganze Welt blickt auf Berlin. Da ist dieser Streik überflüssig“, sagt Sprecher Ralf Kunkel. Am Flughafen selbst ist die Lage am Freitagmorgen indes entspannt, nur sehr wenige Reisende sind überhaupt zum Airport gekommen – sie tauschen ihre Flug- nun in Bahntickets um oder versuchen, an einem anderen Tag einen Flug zu ergattern. „Warum soll ich mich aufregen“, sagt die russische Studentin Anna, „das hilft ja nicht.“ Sie wollte eigentlich nach einem Auslandssemester in Berlin nun zurück nach Sankt Petersburg reisen. „Ich fahre jetzt zurück nach Berlin und sehe dann weiter“, sagt die junge Frau.

Verzweiflung und Tränen

Verzweifelter geht es bei Liga Taube und ihrer Familie zu. Sie wollen nach Lettland, haben ihre Reise lange vorbereitet. Nun ist Liga Taube in Tränen aufgelöst, sie weiß nicht weiter. „Wir haben keinerlei Informationen bekommen und unsere Airline ist nicht zu erreichen“, sagt sie. Allerdings betont die Lettin, großes Verständnis für die Streikenden zu haben. „Das ist Politik“, sagt sie, „da muss man auch mal kämpfen.“

Steven Wolf aus Berlin ist zum Flughafen gekommen, um seine Großmutter nach einer langen Reise abzuholen. Er nimmt den Ausstand pragmatisch. Wenn die Maschine nicht landen könne, dann werde er eben nach Dresden oder Leipzig fahren, um die Oma abzuholen, sagt Wolf. Je 25 Flüge werden auf die beiden sächsischen Flughäfen umgeleitet, die Passagiere können einen Shuttle nach Berlin nutzen.

Mitleid mit den Reisenden

Die rund 300 Streikenden der Frühschicht vor dem Schönefelder Terminal A haben Mitleid mit gestrandeten Passagieren, doch die Verantwortung liege bei den Arbeitgebern, heißt es. „Wir können nicht so weitermachen“, sagt ein Gepäckabfertiger. „Wenn sich nichts bewegt, dann müssen die Passagiere ihre Koffer bald selbst tragen. Wir sind dann nicht mehr da.“ Seit 4 Uhr morgens steht er mit seinen Kollegen bereits hier

Schon im Februar hatten mehrere Warnstreiks des Bodenpersonals zu hunderten Flugausfällen und Verspätungen geführt. Dabei legten die Beschäftigten allerdings nur jeweils etwa einen halben Tag lang ihre Arbeit nieder.

Von Saskia Kirf

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