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Brandenburg Tragen statt löschen
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18:42 15.02.2017
Rettungskräfte der Feuerwehr im Einsatz. Nicht in jedem Fall sei ihre Alarmierung gerechtfertigt, beklagen ehrenamtliche Wehrleute und fordern vom Land bessere Regelungen. Quelle: dpa
Potsdam

Löschen, bergen, retten: Die Feuerwehr ist schnell zur Stelle, aber längst nicht nur, wenn es brennt. Tatsächlich ist ihr Einsatzgebiet auch in Brandenburg erheblich breiter geworden. „Zwei Drittel der Alarmierungen erfolgen inzwischen wegen Hilfeleistungen aller Art, ein Drittel im Brandfall“, sagt Ingo Worreschk, Kreisbrandmeister in Oberspreewald-Lausitz. „Vor allem die Zahl der Türöffnungen im Notfall ist stark gestiegen.“

Oft stoßen die zumeist ehrenamtlichen Retter – alarmiert von Nachbarn oder Angehörigen – auf ältere Menschen, die wegen Herz-Kreislauf-Problemen Hilfe brauchen. „Keine Frage, hier müssen wir ran“, so Worreschk. Sorgen bereiten ihm Alarmierungen auf Grund von Vermutungen oder weil sich Leute ausgesperrt haben. Dabei könnten angebliche Gefahrensituationen in der Hausgemeinschaft besser abgeklärt oder die Polizei geholt werden.

Immer häufiger müssen die Kameraden laut Worreschk auch Aufgaben des medizinischen Rettungsdienstes übernehmen. Wenn die Sanitäter einen zu schweren Patienten nicht tragen können, wird die Feuerwehr gerufen. Die rückt dann in aller Regel mit einem Sechs-Mann-Trupp an. „Es ist nicht einfach, eine 120-Kilo-Person aus dem fünften Stock zu holen“, sagt Worreschk. Solche Einsätze sind auch in anderen Landkreisen Normalität. In Potsdam-Mittelmark wurde die Feuerwehr 2016 laut Kreisbrandmeister Herbert Baier 400-mal zur Tragehilfe gerufen. Vielfach ging es um organisierte Krankentransporte, etwa wenn Patienten zum Arzt müssen. Rettungswagen seien oft mit Frauen besetzt, die aus Arbeitsschutzgründen nicht tragen dürfen. Patiententransport sei aber Aufgabe der Rettungsdienste, so Baier.

Auch in der Prignitz nimmt die Zahl artfremder Einsätze zu. Etwa 80-mal mussten dort Türen geöffnet werden – ein Plus von 25 Prozent. Fast 700-mal sind die Prignitzer Kameraden allein wegen technischer Hilfeleistungen ausgerückt. Kreisbrandmeister Harald Rohde ärgert sich über Notrufe, weil ein abgebrochener Ast auf der Landstraße liegt. „Es wird schnell das Handy gezückt und die Feuerwehr gerufen, Motto: Die muss ja kommen.“

Aber das zu gewährleisten, wird bei den freiwilligen Feuerwehren immer schwieriger. Nur die kreis

Hauptgrund für die rapide Zunahme technischer Hilfsleistungen ist laut Schippel die demografische Entwicklung. Mehr als 560 000 der 2,4 Millionen Brandenburger sind älter als 65 Jahre. 2030 wird jeder dritte Märker im Rentenalter sein. Ärzte und Rotes Kreuz befürchten einen Anstieg der Altersrisiken und damit verbundener Notfälle. Schippel fordert vom Land einen Leistungskatalog für die freiwilligen Feuerwehren. Es könne nicht sein, dass Ehrenamtler den Job hauptamtliche arbeitender Rettungsdienste übernehmen. Klarheit sei auch darüber nötig, welche Leistungen in welcher Höhe abgerechnet werden können. „Kommunen als Träger der Feuerwehren dürfen nicht auf Kosten für den Rettungsdienst sitzen bleiben“, so Schippel.

„Die Regeln für die Kostenerstattung sind unzureichend“, moniert Karl-Ludwig Böttcher, Geschäftsführer des Städte- und Gemeindebundes. So könnten die Kommunen nur die tatsächlichen Einsatzzeiten der Wehrleute abrechnen, Zuschüsse für die Wartung von Spezialtechnik gebe es nicht. „Aktuell gibt es pro Stunde 1,99 Euro“, so Böttcher. Die Wehren würden als „Mädchen für alles“ eingesetzt. So falle etwa das Beseitigen von Ölspuren auf Autobahnen, Bundes- und Landesstraßen nicht in ihren Aufgabenbereich. Zuständig seien die Straßenbaulastträger Bund und Land. Das Innenministerium habe Veränderungen versprochen, passiert sei aber nichts, so Böttcher. Wolfgang Brandt, Sprecher im Ministerium, erklärte auf MAZ-Nachfrage, dass im zweiten Halbjahr ein überarbeitetes Brand- und Katastrophenschutzgesetz vorgelegt werde.

Von Volkmar Krause

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