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Trauer bei ZF, Anteilnahme bei Rolls-Royce

Terroropfer aus Brandenburg Trauer bei ZF, Anteilnahme bei Rolls-Royce

Der Anschlag in Berlin traf Angestellte großer Unternehmen. Sie bieten den Angehörigen Hilfe an und erklären sich mit Deutschland solidarisch. Tiefe Betroffenheit auch in Eichwalde: Von dort stammt eine 53 Jahre alte Frau, die in Berlin getötet wurde.

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Anteilnahme in Brandenburg/Havel: Mahnwache am Donnerstagabend.

Quelle: Frank Bürstenbinder

Potsdam. Zusammenrücken in Zeiten des Terrors: Kollegen, Arbeitgeber und Bekannte trauern mit den Opfern und hoffen mit den verletzten Brandenburgern der Lastwagen-Attacke vom Berliner Breitscheidplatz.

In Brandenburg an der Havel und dem Ort Ragösen (Potsdam-Mittelmark), von wo der verstorbene 32-jährige Sebastian B. stammt, ist das Entsetzen groß. Wir sind alle sehr betroffen, es ist tragisch“, sagt Carmen Bahlo, Betriebsratsvorsitzende des Getriebeherstellers ZF in Brandenburg an der Havel. Dort hatte Sebastian B. als Prüfer in der Abteilung Wareneingang gearbeitet. „Natürlich kennt man sich in einem solchen Betrieb. Er hat bei uns Industriemechaniker gelernt, sich auf dem zweiten Bildungsweg fortgebildet – ihm standen viele Wege offen in der ZF“, so Bahlo.

ZF-Standortleiter verurteilt Gewalt und Terror

Als gewissenhaften, sehr angenehmen, sachlichen und ruhigen Menschen charakterisiert die Betriebsratschefin den Kollegen. Bei ZF beginnen jetzt die Weihnachtsferien, deshalb sind viele Angestellte am Donnerstag und heute gar nicht mehr im Betrieb. Sollte die traurige Nachricht offiziell bestätigt werden, so Bahlo – und sie hofft immer noch auf ein Wunder –, werde der Betrieb sicher im Januar des Kollegen gedenken.

Der Geschäftsführer des ZF-Standortes Brandenburg, Frank Martin, nannte den Tod des Mitarbeiters „sehr, sehr tragisch“. Das Unternehmen verurteile „Gewalt und Terror aufs Schärfste“. Mitglieder der Geschäftsleitung wollten an einer Mahnwache zu Ehren des Toten am Donnerstagabend auf dem Neustädtischen Markt teilnehmen. Ein angemessenes Gedenken werde es nach den Betriebsferien geben, sollte der Betrieb eine offizielle Todesbenachrichtigung erhalten.

Sebastian B. (32) machte ein Studium neben dem Beruf

In Berlin hatte der junge Mann ein Studium neben dem Beruf absolviert. Kurz vor dem Attentat soll er eine Prüfung abgelegt haben, zum Anstoßen fuhr er, so schildern es Bekannte, mit zwei Begleitern auf den Weihnachtsmarkt an der Berliner Gedächtniskirche. Zur Zeit des Anschlags wohnhaft in Brandenburg an der Havel, kommt Sebastian B. eigentlich aus Ragösen zwischen Bad Belzig und Brandenburg an der Havel. In der freiwilligen Feuerwehr des Orts war er aktiv.

Die Geschäftsführung von Rolls-Royce in Dahlewitz (Teltow-Fläming) informierte in einem Rundbrief die Mitarbeiter, dass mindestens ein Angestellter bei dem Anschlag schwer verletzt worden sei. Mehrere Kollegen hätten gemeinsam den Weihnachtsmarkt besucht. „Unsere Anteilnahme und unsere besten Wünsche gelten ihm, seiner Familie und Freunden wie auch allen anderen Betroffenen“, sagte Kommunikationschef Frank Martin Hein gestern der MAZ. Das Führungsteam des englischen Konzerns insgesamt und der zivilen Luftfahrtsparte versicherten ihre Unterstützung. Heute seien „wir alle deutsch“. Zur Identität des Anschlagsopfers äußerte sich das Standortmanagement nicht. Eine Intranetseite, auf der Mitarbeiter gute Wünsche für die Betroffenen eintragen können, wurde geschaltet. Mitarbeiter und Angehörige können außerdem Expertenhilfe in Anspruch nehmen, um mit der Situation zurechtzukommen.

Spontanes Gedenken im Landkreis Dahme-Spree

Der am Mittwoch bestätigte Tod einer 53 Jahre alten Frau aus Eichwalde (Dahme-Spreewald) hat in der Region Bestürzung ausgelöst. „Ich bin in Gedanken bei der Familie“, sagte Landrat Stephan Loge (SPD). Er sei tief betroffen. Im Rathaus hatte man dazu bis Donnerstagabend keine offiziellen Informationen. Bürgermeister Bernd Speer (parteilos) wollte sich deshalb noch nicht äußern. Er will die offizielle Bestätigung abwarten und dann in Absprache mit den Hinterbliebenen entscheiden, wie die Gemeinde reagiert. „Das gebietet der Respekt“, sagte er.

Im Königs Wusterhausener Ortsteil Wernsdorf versammelten sich Mittwochabend spontan mehr als 100 Menschen vor der Kirche, um der Opfer des Berliner Anschlags zu gedenken. Ortsvorsteher Volker Born hatte über soziale Netzwerke zur Teilnahme aufgerufen. „Ich dachte, wir setzen ein Zeichen.“ Über die große Resonanz freute er sich. „Das hätte ich nicht gedacht. Es war sehr bewegend.“

Von Ulrich Wangemann und Frank Pawlowski

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