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Brandenburg Traumberuf Hebamme steht vor dem Aus
Brandenburg Traumberuf Hebamme steht vor dem Aus
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07:46 20.02.2014
Julia Unterlauf (24) ist in der Ausbildung zur Hebamme – einem Traumberuf mit unsicherer Zukunft. Quelle: Julian Stähle
Potsdam

Sechs Jahre kämpfte sie für ihren Traum, Hebamme zu werden. „Kindern auf die Welt zu helfen, das ist für mich wie Magie“, sagt Julia Unterlauf. Dutzende von Bewerbungen schrieb sie, kassierte ebenso viele Absagen und dachte trotzdem nie ans Aufgeben. Letztes Jahr kam dann endlich die Zusage für einen Ausbildungsplatz in Cottbus. „Ich habe einen Freudentanz gemacht“, erzählt die 24-Jährige. Doch nun könnte ihr Traum schon wieder platzen.

Nachdem die Nürnberger Versicherung jetzt ankündigte, zum 1. Juli 2015 aus den beiden letzten Versicherungskonsortien für Hebammen auszusteigen, droht das Aus für die deutschlandweit rund 3500 und landesweit rund 140 freiberuflichen Hebammen. Diese begleiten Schwangere, betreuen Haus- und Klinikgeburten beziehungsweise entbinden Kinder im Geburtshaus und kümmern sich um die Nachsorge von Mutter und Kind.

Schon seit Jahren steigen die Haftpflichtprämien für Hebammen an: von 404 Euro im Jahr 2000 auf inzwischen zirka 5000 Euro. Um allein diese Summe zu erwirtschaften, müssten Hebammen mehr als 15 Klinikgeburten betreuen – gerade auf dem flachen Land oft unmöglich. Der Beruf lohnt sich für Selbstständige schon heute kaum noch – zumindest nicht, wenn sie neben der Vor- und Nachsorge auch tatsächlich Geburtshilfe leisten wollen. Viele Hebammen melden sich nur quartalsweise bei der Versicherung für Geburten an und übernehmen nur in diesem Zeitraum Entbindungen, um die finanzielle Last zu lindern. Aber ohne Versicherung – diese ist rechtlich verpflichtend – wären sowohl Geburtshilfe als auch Schwangeren- und Wochenbettbetreuung durch freiberufliche Hebammen gestorben. Damit hätten Frauen auch nicht mehr die Wahl, wo sie entbinden, sondern müssten immer in die Klinik, wo angestellte, diensthabende Hebammen sie versorgen. Diese sind in der Regel über ihre Arbeitgeber versichert.

Hintergründe und Lösungsansätze

  • Warum steigen die Haftpflichtprämien an? Kinder mit Behinderungen leben heute länger, das verursacht höhere Kosten. Diese steigenden Schadenssummen stehen aber einer gleichbleibenden Zahl von Versicherungsnehmern gegenüber.
  • Was sagt das Land? Gesundheitsministerin Anita Tack (Linke) verweist auf Versäumnisse der schwarz-gelben Bundesregierung und die Verantwortung des Bundes. Eine Subvention der Berufshaftpflicht scheide aus Gründen der Gleichbehandlung aus.
  • Was tut der Bund? Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) nehme das Thema „sehr ernst“, hieß es diese Woche nach einem Treffen mit Berufsvertretern. Details einer angekündigten kurzfristigen Lösung wurden noch nicht bekannt.

Julia Unterlauf wusste um die schwierige Situation in ihrem Traumberuf. Doch die Faszination überwog die Zukunftsängste. Seit sie mit zwölf Jahren miterlebte, wie Hebammen ihre kleine Schwester auf der Frühgeborenen-Station umhegten, wollte sie nichts anderes machen. Noch heute kommen ihr jedes Mal die Tränen, wenn sie im praktischen Teil ihrer Ausbildung, den sie am Klinikum „Ernst von Bergmann“ in Potsdam absolviert, eine Geburt beobachtet. Ob sie selbst jemals einem Baby auf die Welt helfen kann, ist jedoch unsicher.

„Einige Hebammen im Land haben in den vergangenen Jahren schon aufgegeben“, berichtet Martina Schulze, Vorsitzende des Hebammen-Verbandes Brandenburg. Manche der fünf Geburtshäuser hielten sich nur gerade so über Wasser. Dabei seien Hebammen heute wichtiger denn je. All die Fragen, die eine junge Mutter hat – von geschwollenen Beinen über das Stillen bis zur Kindesentwicklung: „Wer soll die dann noch beantworten? Es gibt ja kaum noch Familienstrukturen, wo Mutter oder Großmutter in der Nähe ist.“

Noch sind die meisten zuversichtlich, dass die Versicherungsfrage geklärt wird. „Hebammen gibt es seit Menschengedenken, da muss es eine politische Lösung geben“, sagt Claudia Krönke vom Geburtshaus Apfelbaum in Potsdam. Julia Unterlauf kann nur hoffen, dass das stimmt. Einen Plan B, sagt sie, hat sie nicht.

Von Angelika Pentsi

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