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Brandenburg Trotz Hütehund: Wolf reißt Schafe bei Lenzen
Brandenburg Trotz Hütehund: Wolf reißt Schafe bei Lenzen
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15:41 29.07.2018
Viele Weidetierhalter fürchten um das Wohl ihrer Tiere. Quelle: dpa
Lenzen

Schäfer Marc Mennle dachte eigentlich, er hätte alles richtig gemacht. Er hat einen Zaun gespannt mit 90 Zentimeter hohen Elektronetzen. Und er hat drei eigens ausgebildete, zertifizierte Pyrenäenberghunde angeschafft. Sie sind für den Schutz von Mennles Schafen ausgebildet. Die Anschaffung solcher Schutzhunde wird vom Land gefördert, die Tiere sind schließlich teuer. 4000 bis 5000 Euro pro Hund. Geld, das Schäfer, die teilweise unterhalb des Mindestlohns arbeiten, nicht haben. Mennle hatte sich die Hunde angeschafft, nachdem ihm vor zwei Jahren 23 Tiere von Wölfen gerissen worden waren.

Doch die Schutzmaßnahmen waren offenbar umsonst: Als der Bauer am Sonntagfrüh auf seine Weide ging, entdeckte er zwei Tote Schafe inmitten seiner 350köpfigen Herde. „Ich weiß nicht mehr, was ich tun soll. Man ist der Bestie wehrlos ausgeliefert“, sagt Mennle.

Die Schutzhunde, deren Anschaffung vom Land mit bis zu 4000 Euro gefördert werden, hätten offenbar nicht genügend „Pep“, um die Schafe zu verteidigen, so Mennle. „Der Druck durch die Wölfe nimmt immer mehr zu. Wir müssen über die Jagd nachdenken“, fordert er.

Das fordert auch der Bauernbund, der gestern auf Mennles Fall aufmerksam gemacht hatte. Das Herdenschutzprogramm des Landes solle gestoppt werden, weil es nutzlos sei. Stattdessen solle die Schutzjagd auf Wölfe zugelassen werden, wie es in Skandinavien möglich sei, sagte Frank Michelchen, Landwirt aus Leibsch (Dahme-Spreewald). „Wir halten immer schärfere Hunde und bauen immer höhere Zäune, aber das interessiert doch den Wolf nicht, wenn er Hunger hat“, sagte er. „Wir müssen uns endlich eingestehen, dass der einzige funktionierende Herdenschutz weniger Wölfe sind.“

Laut Bauernbund gehört das gesamte System auf den Prüfstand. „Ein Haufen schlaue Leute verdient inzwischen viel Geld mit Management und Monitoring, Gutachten und Entschädigung, Beratung und Herdenschutz, nur für uns Bauern wird es von Jahr zu Jahr schlimmer“, so Michelchen. Er befürchtet, dass immer mehr Weidetierhalter aus Furcht vor Wolfsangriffen aufhören werden. Auch in Pfaffendorf (Oder-Spree) sind vergangene Woche mehrere Schafe mutmaßlich von Wölfen gerissen worden, wie die „Märkische Oderzeitung“ berichtet. Auch hier soll die Herde eingezäunt gewesen sein.

Schäfer Mennle steht mit dem Rücken zur Wand. „Es ist ein extremes Jahr“, sagt er. Wegen der Dürre sei er gezwungen gewesen, seine Herde um ein Drittel zu reduzieren, weil er nicht mehr genügend Futter hatte. „Das geht nervlich an die Substanz“, sagt er.

Von Torsten Gellner

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