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Trotz Insolvenz – Ex-Minister Krause glaubt an Comeback

Günther Krause will Aktien verkaufen Trotz Insolvenz – Ex-Minister Krause glaubt an Comeback

Ex-Bundesverkehrsminister will ein millionenschweres Aktienpaket verkaufen, um seine Gläubiger zu bedienen. Er will so rund eine Millionen Euro zusammenbekommen. Nun liegt es am Insolvenzverwalter, die mögliche Rettung des Unternehmens von Günther Krause voranzubringen.

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Ein Foto aus besseren Zeiten: Günther Krause posiert in seiner Firma in Kirchmöser.

Quelle: Joachim Liebe

Potsdam. Der mit seiner Beraterfirma in die Insolvenz geratene Unternehmer und ehemalige Bundesverkehrsminister Günther Krause setzt auf ein rasches Comeback. Mit dem Rückkauf eines Aktienpaketes durch die Neutrino Deutschland GmbH im Wert von über einer Million Euro könnten sämtliche Forderungen seiner 34 Gläubiger, rund 850 000 Euro, befriedigt werden. „Wenn sämtliche Gläubiger bedient worden sind, könnten wir den Geschäftsbetrieb bereits am 1. Januar 2017 wieder aufnehmen“, sagte Krause jetzt zuversichtlich. Seine Firma IBP betreut unter anderem ein Hightech-Projekt, mit dem aus den Elementarteilchen Neutrinos Strom gewonnen werden soll.

In „trockenen Tüchern“ ist die Rettung der GmbH damit allerdings noch nicht. Zwar hatten am 18. Oktober am Firmensitz, einer großzügig sanierten Villa im brandenburgischen Kirchmöser, Krause, der Berliner Insolvenzverwalter Moritz Sponagel sowie Neutrino-Chef Holger Schubart eine Absichtserklärung abgeschlossen, die den Rückkauf des Aktienpaketes durch Neutrino zugunsten der IBP GmbH vorsieht. Ein entsprechender Vertrag zwischen Neutrino-Chef Schubart sowie Insolvenzverwalter Sponagel sollte eigentlich bis zum 31. Oktober 2016 abgeschlossen werden. Allerdings ist das immer noch nicht geschehen. Der Insolvenzverwalter hält sich bedeckt, wann er den entsprechenden Vertrag unterzeichnen wird.

Die Vertragsunterzeichnung steht noch aus

Schubart hatte den parafierten Vertrag am 26. Oktober an Sponagel gesandt. Der Insolvenzverwalter sagte der MAZ auf Anfrage: „Die Absichtserklärung ist ein erster guter Schritt. Nun muss die Vertragsunterzeichnung erfolgen. Der Vertrag wurde bislang nicht unterzeichnet. Grund ist, dass wir Änderungen zu dem Vertragsentwurf von Herrn Schubart vorgenommen haben. Zu diesen hat sich Herr Schubart noch nicht geäußert.“

Ein konkreter Zeitplan, um einerseits die Gläubiger rasch zu bedienen sowie andererseits das Unternehmen in kurzer Frist wieder tätig werden zu lassen, sehe anders aus, meinte ein Kenner des Insolvenzrechts. Auch die notwendige gründliche Prüfung des Neutrino-Angebotes könne rascher erfolgen.

Geheimnisvolle Technik


Neutrinos
– eine unsichtbare Strahlung aus dem Weltall – galten in der Wissenschaft lange als masselose Winzlinge. Auf die Größe eines Fingernagels kommen pro Sekunde etwa 10 Milliarden Neutrinos, sagen Wissenschaftler – sie prasseln permanent unsichtbar auf uns herab.

Wegen ihrer vermeintlichen Masselosigkeit sei diese Strahlung nicht für die Energiegewinnung geeignet, lautete die herrschende Lehrmeinung. Allerdings ist diese traditionelle Ansicht seit rund zehn Jahren überholt.

Das Unternehmen Neutrino Inc. arbeitet nach eigenen Angaben daran, die Energie der Neutrinos in Strom umzuwandeln. Der unaufhörliche Teilchenstrom wird dabei nicht eingefangen, sondern versetzt Elektronen in einer Metallschicht in Vibrationen und erzeugt somit elektrische Energie. Eine beschichtete Alu-Folie von der Größe eines A4-Blattes kann auf diese Weise etwa drei Watt erzeugen.

Neutrinos könnten als eine alternative Energiequelle zur Lösung des globalen Energieproblems beitragen. Schon in absehbarer Zeit könnten etwa Handys statt mit herkömmlichen Batterien durch die Energie von Neutrinos gespeist werden – so die Vision des Unternehmens. Kritiker halten die Erwartungen dagegen für überzogen.

Sponagel unterstrich in seiner Erklärung dagegen ganz allgemein, sein Ziel sei es, dass „alle Gläubiger befriedigt werden. Anschließend kann das Verfahren möglichst schnell aufgehoben werden. Gegebenenfalls ist dies auch durch einen Insolvenzplan möglich, den ich unterstützen würde.“

Bislang hatte Sponagel eine negative Fortführungsprognose im Fall der IBP GmbH gegeben. Diese müsste angesichts der neuen Entwicklung revidiert werden. Krause wiederum ist bereit, mit dem Insolvenzverwalter einen Insolvenzplan abzuschließen. Der Erlös für den Rückkauf des Paketes von 100.000 Neutrino-Aktien, Wert 1,06 Millionen Euro, müsse auf ein vom Potsdamer Insolvenzgericht bestimmtes Konto fließen, erklärte der einstige CDU-Minister. Mit Insolvenzen früherer Firmen hat er bereits Erfahrungen. In den 90er-Jahren war Krauses Rostocker „Aufbau Invest GmbH“ insolvent gegangen – Krause landete wegen Insolvenzverschleppung vor Gericht. Er musste einen Offenbarungseid leisten, es folgte ein jahrelanger Rechtsstreit, der vor dem Bundesgerichtshof landete. Der hob 2009 ein Urteil gegen Krause wegen „Bankrottvergehens“ teilweise auf, bestätigte aber eine Bewährungsstrafe.

Krause war 1990 Parlamentarischer Staatssekretär beim Ministerpräsidenten der DDR und hatte in dieser Funktion den deutsch-deutschen Einigungsvertrag mit Wolfgang Schäuble unterschrieben.

Von Reinhard Zweigler

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