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Brandenburg Tupolew noch im Garten, aber bald im Museum
Brandenburg Tupolew noch im Garten, aber bald im Museum
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13:19 11.07.2017
Quelle: dpa
Grünz, Cottbus

„Eigentlich wollte ich da ein Café einrichten, aber das Flugzeug ist innen 40 Zentimeter zu niedrig“, sagt Ernst Baumann. Der 80 Jahre alte Gastwirt steht im Augenblick häufig mit Kamerateams aus dem In- und Ausland in seinem Obst- und Gemüsegarten, der Grünz in Vorpommern zu einiger Bekanntheit verhalf. Denn in Baumanns Garten steht seit Jahren eine große Tupolew 134 der ehemals sowjetischen Fluggesellschaft Aeroflot.

Der neue Star im Flugplatzmuseum Cottbus

Nach langem erfolglosen Kampf mit dem Gewerbeamt hat sich der Rentner nach 26 Jahren entschlossen, sich von dem 29 Tonnen schweren Koloss zu trennen. Davon profitiert das Flugplatzmuseum Cottbus, wie Projektleiter Enrico Peiler sagte. Die Tupolew soll der Star des Museums in Cottbus werden. Nach der Sicherung der Innenausstattung begann am Montag die Demontage der tonnenschweren Hülle mit Leit- und Triebwerken.

Quelle: dpa

Ein halbes Jahr lang Sisyphusarbeit

Mehr als ein halbes Jahr Zeit haben sich die Männer um Peiler für die Sisyphusarbeit mit Schwertransporten vorgenommen, denn fliegen kann die Tupolew nicht mehr. Sie wird in Einzelteile zerlegt und auf mehreren Schwertransportern über die Straße nach Süden rollen. „Wir liegen im Soll. Am 17. Oktober soll der Transport der einzelnen Baugruppen aus Vorpommern nach Cottbus erfolgen“, sagt Peiler.

Quelle: dpa

Von der Stasi-Kaserne in Baumanns Garten

Doch wie kam die fast 30 Meter lange und 37 Meter an den Flügeln breite Maschine mit bewegter Historie eigentlich in Baumans Garten? Sie stand bis um Ende der DDR ganz geheim in einer Stasi-Kaserne südlich von Grünz an der polnischen Grenze. „In der TU hat eine Antiterroreinheit des MfS ab 1984 die Beendigung von Flugzeugentführungen trainiert“, sagt Peiler. Davor hatten die Terrorbekämpfer in einer Holzröhre geübt.

An die ausrangierte TU kam die Einheit über Sowjet-Militärs. „Sie waren vom Können der Truppe beeindruckt, lachten sich aber schief über die Holzröhre und besorgten in Moskau von der Aeroflot dann die alte Maschine. Damit durften aber nur russische Piloten fliegen“, sagt Baumann.

Mit neun Traktoren nach Grünz geschleppt

Nach der friedlichen Revolution wurden Kaserne, Staatssicherheit und auch das Flugzeug nicht mehr gebraucht. Baumann kaufte die Maschine. „Wir haben sie 1991 im Sommer nach der Ernte im Ganzen mit neun Traktoren vier Kilometer über die abgeernteten Felder geschleppt“, erzählt der Grünzer, der damals Bürgermeister war. Einmal sei die Maschine bis zum Rumpf in einer Wiese eingesackt, aber das wurde behoben. Nach zwei Tagen war es geschafft. Hunderte Schaulustige kamen, nur das mit dem Café klappte gar nicht. „Nun bin ich alt und will meinen Nachkommen nicht soviel Schrott hinterlassen“, sagt Baumann.

Quelle: dpa

Schwerlasttransport über die A11

Rund 10 000 Euro haben die Cottbusser als Schrottpreis gezahlt. „Dazu kommt für Abtransport und Zerlegung der TU 134 das Dreieinhalbfache des Kaufpreises“, sagt Peiler. Der Verein hat schon eine extra Straße bis zum Garten mit Kohlrabibeet und Gewächshaus legen lassen, muss vier Schwerlaster und einen Schwerlastkran anmieten und die Autobahn 11 nachts sperren lassen. „Das hat nun mal seinen Preis“, sagt Peiler. Finanziert wird die Aktion aus Eintrittsgeldern und Rücklagen des Museums.

Bislang verfügt der Verein über 40 Flugzeuge und Hubschrauber aus russischen und Nato-Beständen. „Die TU soll unser größtes Ausstellungsstück werden“, sagt Peiler. Nach der Rekonstruktion soll im Heck der Passagierkabine eine kleine Ausstellung zur Stasi-Geschichte der Maschine installiert werden. „In Deutschland gibt es nur sieben Tupolews 134. Es ist aber die einzige Aeroflot-Maschine dieser Bauart“, sagt Peiler.

Allerdings haben Bekannte des Grünzer Gastwirtes die Sowjetembleme am Heck der Maschine im Übereifer bereits unkenntlich gemacht. „Irgendwann haben sie, als ich nicht da war, die Deutschlandfarben darüber angemalt“, sagt Baumann. Das habe ihn nicht gefreut. Aber mit der Zeit sei das schon wieder fast vollkommen verblasst.

Von Georg-Stefan Russew und Winfried Wagner

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