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Brandenburg Ungesundes Schulessen: Fleisch ist ihr Gemüse
Brandenburg Ungesundes Schulessen: Fleisch ist ihr Gemüse
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19:13 25.11.2014
Das Schulessen in Deutschland soll besser werden. Quelle: dpa
Berlin

Eine aktuelle Studie schlägt Ernährungsexperten auf den Magen: Kinder bekommen in Schulkantinen oft ungesunde Kost vorgesetzt. Das Essen ist nicht frisch und zu fett, zeigt die deutschlandweite Umfrage im Auftrag des Bundesernährungsministeriums. An die Regel "täglich Gemüse" der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) halten sich demnach nur etwa 57 Prozent der Schulküchen. Der Empfehlung, innerhalb von zehn Tagen maximal viermal Fleisch anzubieten, folgen nur knapp 18 Prozent. Fisch kommt hingegen zu selten auf den Tisch. Nur ein Viertel der Schulen bietet eine Salatbar. Meist werde das vitaminarme Essen in Warmhalteboxen angeliefert.

Brandenburg versuche, über die 2009 eingerichtete Vernetzungsstelle Schulverpflegung für ausgewogene Ernährung zu sensibilisieren, sagt der Sprecher des Bildungsministeriums, Florian Engels. Für die Schulverpflegung seien aber die Schulträger, meist die Kommunen, zuständig. "Die Landesregierung hat keine rechtliche Handhabe, Forderungen hinsichtlich der Qualität der Schulspeisung durchzusetzen."

"Das Schulessen ist in Brandenburg sehr unterschiedlich, sowohl von der Qualität als auch von der Auswahl und den Preisen her", sagt Landesschülersprecherin Pauline Reinicke. Die Stadt Neuruppin etwa will für alle Kita- und Schulessen ab August kommenden Jahres die DGE-Standards einführen. In Potsdam fordert die Linke, ein Modellprojekt mit örtlichen Obst- und Gemüsebauern ins Leben zu rufen, das landesweit Schule machen sollte. Die rot-rote Landesregierung hat bisher eine Beteiligung am EU-Schulobstprogramm abgelehnt, bei dem Schulen mit frischen Früchten beliefert werden. "Was in anderen Bundesländern realisierbar ist, sollte auch in einem Obst- und Gemüseanbauland wie Brandenburg möglich sein", sagt Linke-Kreis chef Sascha Krämer.

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Laut einer Studie im Auftrag des Bundesernährungsministeriums vom November 2014 ist das Essen an deutschen Schulen nicht gesund genug. Es gebe zu viel Fleisch, aber zu wenig Obst, Gemüse und Rohkost, bemängelt die Studie.

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Eine Qualitätskontrolle durch die Kommunen findet der Studie zufolge außer in Berlin bislang in keinem Land statt. Nach dem Sodexo-Skandal 2012 um verkeimtes Schulessen, von dem auch märkische Kinder betroffen waren, kümmern sich die Schulen selbst mehr um Sauberkeit: 62 Prozent haben ein Hygienekonzept. In Brandenburg sind es 40 Prozent. Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU) fordert die Einführung eines "Ernährungs-TÜV" für Schulkantinen, bei dem verbindliche Standards überprüft werden.

Bei Brandenburger Eltern findet der Vorstoß Zustimmung: "Mehr Transparenz und Kontrolle beim Schulessen wäre wünschenswert", sagt Landeselternsprecher Wolfgang Seelbach. Die Probe-Essen der Anbieter seien meist gut. "Nach zwei, drei Monaten lässt dann oft die Qualität nach." Auch die Essenskultur müsse verbessert werden, fordert Seelbach. "Die Kantinen sind oft zu laut und hektisch." Der Studie zufolge dauern die Mittagspausen nur an 39 Prozent der Schulen länger als eine Dreiviertelstunde. Oft müssen die Kinder ihr Essen in 20 Minuten hinunterschlingen.

Hygiene bei Kita- und Schulessen in Brandenburg

Um die Hygiene in Brandenburgs Kita- und Schulküchen ist es gut bestellt: Nach 762 Sonderkontrollen im vergangenen Jahr in fast jeder dritten Schul- und Kitaküche haben 88,3 Prozent der Einrichtungen die Noten "sehr gut" oder "gut" erhalten. Nur in jeder zehnten Küche waren die Kontrolleure weniger zufrieden. mehr >

Laut der Studie dauert die Mittagspause nur in 39 Prozent der Schulen länger als 45 Minuten, wie es Ernährungsexperten empfehlen. Angesichts vielfach langer Transport- und Warmhaltezeiten seien zu viele ungeeignete Gemüsesorten im Angebot enthalten. Für die Analyse befragte die Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg rund 1500 Schulleitungen, 212 Schulträger und mehr als 12.000 Schüler. Ausgewertet wurden zudem Speisepläne.

Von Marion Kaufmann

Kommentar: Fleisch ist ihr Gemüse

Marion Kaufmann über die Studie zum Schulessen

Pommes, Pizza, Pasta. Wenn es nach den Schülern ginge, stünden die drei Ps ständig auf dem Speiseplan der Schulkantine. Eine Studie im Auftrag des Bundesernährungsministeriums offenbart dabei nicht nur die ungesunden Wünsche vieler Kinder, sondern macht auch deutlich, dass in der Schule tatsächlich reichlich fette Kost auf den Teller kommt: Zu viel Fleisch und deutlich zu wenig Gemüse wird in Schulkantinen angeboten.

Der Knackpunkt: Frisches Essen hat seinen Preis. Vier Euro pro warmer Mahlzeit veranschlagt die Bertelsmann-Stiftung für eine gute Schulmahlzeit. In Brandenburg kostet das Kantinenessen im Schnitt nur 2,30 Euro. Hier sind auch die Eltern gefordert. Die Ernährung ihrer Kinder sollte ihnen etwas wert sein. In Prenzlau haben Eltern aber gerade erfolgreich dagegen geklagt, dass sie in der Kita mehr als 1,70 Euro zahlen sollten. Man mag einwenden, dass – gerade in Regionen mit hoher Arbeitslosigkeit wie der Uckermark – viele Eltern sich ein teures Essen nicht leisten können. Aber: Über das Teilhabepaket des Bundes können Kinder aus armen Familien einen Zuschuss zur Schulspeisung bekommen.

Aber, auch das zeigt die Studie: Viele Berechtigte nutzen diese Möglichkeit nicht. Die Antragsbürokratie zu erleichtern und für den Zuschuss in den Schulen mehr zu werben, könnte deshalb helfen, die Schul kost für alle schmackhafter zu machen.

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