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Brandenburg Verändern die Gewalttaten unsere Gesellschaft?
Brandenburg Verändern die Gewalttaten unsere Gesellschaft?
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19:37 28.07.2016
Isabella Heuser, Direktorin der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie an der Berliner Charite. Quelle: Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie an der Charité
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Berlin

Verändert die bundesweite Serie von Gewalttaten unsere Gesellschaft? Reizt das Nachahmungstäter? Isabella Heuser (61), Direktorin der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie an der Berliner Charité, gibt im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur Antworten.

Kann eine Serie von Gewalttaten, wie sie Deutschland zur Zeit erlebt, einer ganzen Gesellschaft Angst machen?

Isabella Heuser: Nein, das glaube ich nicht. Das verändert unsere Gesellschaft nicht. Ich denke aber, dass sich die Diskussionen um den ganzen Komplex Flüchtlinge und Asylbewerber verändern werden. Die werden jetzt intensiver geführt, auch politisch. Da wird sich eine realistischere Einschätzung einstellen. Dass hier eben nicht nur gut ausgebildete, edle oder traumatisierte Menschen kommen. Sondern eben auch Kriminelle und Menschen, die ihren Hang zur Gewalt nicht in den Griff bekommen. Genauso wie es sie in der einheimischen Bevölkerung auch gibt. Es wird nicht mehr nur darum gehen, dass politische Gruppen ideologisch argumentieren - in welche Richtung aus immer.

Ist es ein berechtigte Sorge, dass die Anschläge in Serie Nachahmungstäter ermuntern?

Heuser: Ja. Ich glaube nicht, dass jemand, der noch nie daran gedacht hat, jetzt plötzlich im Darknet nachschaut, wie man eine Bombe bastelt. Aber Leute, die sich ohnehin mit dem Gedankengut befasst haben, die könnten jetzt früher handeln. Da sinkt eine Hemmschwelle. Und dabei können sich Motive vermischen. Eigener Ärger, Wut, Hass. Und dann wird das manchmal vielleicht noch ideologisch islamistisch verbrämt, weil es gerade in die Zeit passt.

Hängen das Wahrnehmen und die Reaktionen auf die jüngsten Gewalttaten auch mit dem Lebensalter zusammen?

Heuser: Ja, das hat sicher auch mit einer anderen Mediennutzung zu tun. Die jüngere Generation ist viel medienaffiner. Junge Leute schauen sich auch verwackelte Handy-Fotos aus sozialen Netzwerken an, auf denen man nur erahnen kann, was passiert. Unser Gehirn ist aber ein aktives Organ, das diese Bilder ergänzt. Und es macht die Geschichte dann rund, wie sie vielleicht nie passiert ist.

Junge Menschen sind viel empfänglicher dafür, sich mit so etwas lange zu beschäftigen. Ältere gucken Fernsehen oder lesen Zeitung. Wenn sie den Zweiten Weltkrieg überlebten, haben sie noch ganz andere Erfahrungen und Vergleiche. Sie wissen, was man alles aushalten und ertragen kann. Junge Menschen reagieren heute emotionaler, nicht so mit Abstand.

Führen Ängste zu Verhaltensänderungen?

Heuser: Fahren jetzt weniger Menschen in den Urlaub, nehmen sie seltener den Zug oder gehen nicht mehr zu Open Air Konzerten? Ich habe bisher nicht den Eindruck. Terroranschläge wollen Angst und Schrecken in eine Gesellschaft bringen, um sie zu spalten und kaputt zu machen. Die Mehrheit der Deutschen zuckt aber gerade eher mit den Achseln und sagt: Vor so etwas kann ich mich nicht wirklich schützen, jetzt lebe ich halt. Das ist eine gesunde Reaktion.

Bei Suiziden gibt es einen Medienkodex, um Nachahmungstäter nicht zu ermuntern. Und bei Anschlägen?

Heuser: Das geht ja gar nicht. Da müssen wir sagen: Ok, das ist der Preis der Informationsgesellschaft. So etwas muss man auch wissen. Wir leben in der Welt, in der wir leben. Und das hat ja auch viele, viele Vorteile.

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