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Brandenburg Verbrannte Haut: Diese Spezialklinik rettet Leben
Brandenburg Verbrannte Haut: Diese Spezialklinik rettet Leben
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00:27 09.03.2018
Bernd Hartmann, Chefarzt des Zentrums für Schwerbrandverletzte am Unfallkrankenhaus Berlin (l.) und Notarzt Konrad von Kottwitz. Quelle: Julian Stähle
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Potsdam

Es ist ein unachtsamer Moment, der dafür sorgt, dass der Tag vor Silvester für Barbara Tietz dramatisch verläuft. Die Brandenburgerin will es sich mit einer Tasse Tee zu Hause gemütlich machen, kocht Wasser auf und trägt eine Glaskaraffe zum Tisch. Plötzlich stolpert sie, das kochend heiße Wasser fließt über ihren rechten Ober- und Unterarm. „Man sah gleich die rohe Haut, was schlimm aussah.“

Ihr Mann fährt sie in das nächstgelegene Krankenhaus in Luckenwalde. Die Ärzte dort versorgen die Wunde, stellen aber eine komplizierte Verbrennung fest. Weil die Verletzung tief unter die Oberhaut geht, muss Barbara Tietz ins Zentrum für Schwerbrandverletzte am Unfallkrankenhaus Berlin (UKB).

Rund 350 akut brandverletzte Menschen werden jährlich am Unfallkrankenhaus Berlin behandelt. Ein Drittel der Patienten kommen aus Brandenburg. Sehen Sie wie eine der modernsten Kliniken Deutschlands arbeitet und wie schwerwiegend Brandverletzungen an der Haut sein können.

Der Notarzt entscheidet, wohin der Brandverletzte kommt

Rund 350 akut Brandverletzte werden jährlich im Klinikum behandelt. Weil die Klinik in Berlin-Marzahn im Nordosten des Landes das einzige ausgewiesene Brandverletztenzentrum ist, kommt ein Drittel der Patienten auch aus Brandenburg. Um die märkischen Patienten im Berliner Speckgürtel noch besser und schneller zu versorgen, stattet das Klinikum seit Jahresbeginn rund um die Uhr ein zweites Notarzteinsatzfahrzeug mit Notärzten aus, das in Neuenhagen (Märkisch-Oderland) stationiert ist.

Doch nicht jeder Brandverletzte wird sofort mit Blaulicht ins Unfallkrankenhaus gebracht. „Am Einsatzort machen wir uns ein Bild über die Verbrennungsgröße und -tiefe und entscheiden, ob es ausreichend ist, den Patienten in einer umliegenden Rettungsstelle vorzustellen oder ob ein Verbrennungszentrum angesteuert werden muss“, erklärt Notarzt Konrad von Kottwitz. Großflächige Verbrennungen, Kinder sowie Patienten mit betroffenen Körperregionen im Genitalbereich, Gesicht sowie an Händen und Füßen sollten die Spezialisten in Berlin ansehen.

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Haut wird von nicht betroffenen Stellen auf die Wunde verpflanzt

Das Brandverletztenzentrum mit plastischer Chirurgie ist auch zuständig, wenn die Haut zu mehr als 20 Prozent verbrannt ist. „Aber auch Patienten mit tieferen Verbrennungen, die mehr als fünf Prozent der Körperoberfläche umfassen, kommen zu uns, weil wir routinierter mit der Behandlung umgehen können“, erklärt Bernd Hartmann, Chefarzt des Zentrums für Schwerbrandverletzte am UKB. Zum Vergleich: Die Handfläche macht etwa ein Prozent aus. „Auch Brandwunden, die nach zwei Wochen nicht abgeheilt sind und bereits von anderen Ärzten oder im Krankenhaus behandelt wurden, sehen wir uns an, damit es keine Komplikationen gibt.“

Nach tiefen Brandwunden, wie es bei Barbara Tietz der Fall war, kann sich die Haut nicht aus eigener Kraft erneuern. Dann hilft nur eine Hauttransplantation. Ein Chirurg schneidet das tote Gewebe ab und ersetzt es durch neues. Auch der Brandenburgerin verpflanzten die Spezialisten Haut vom Oberschenkel auf die verletzte Stelle. Den Eingriff hat sie gut überstanden. „Ich hatte volles Vertrauen in die Ärzte“, sagt Tietz.

Ohne Behandlung: Multiorganversagen

Insgesamt verbrachte sie elf Tage auf der Station. „Durchschnittlich sind Patienten mit kleineren Verbrennungen fünf Tage bis zwei Wochen dort. Bei schwereren Brandverletzungen rechnet man einen Tag Klinikaufenthalt pro Prozent verbrannter Hautfläche“, erklärt Hartmann. Bei einem Patienten, dessen Hautoberfläche also zu 60 Prozent verbrannt ist, sei mit einem Aufenthalt von zwei Monaten in der Spezialklinik zu rechnen.

Brandopfer, die jedoch nicht rechtzeitig behandelt werden, sterben nach wenigen Tagen an Organversagen. „Weil der Körper bei großen Verbrennungen extrem viel Flüssigkeit verliert, muss diese Flüssigkeit ausgeglichen werden. Mit der Umverteilung der im Kreislauf zirkulierenden Flüssigkeiten ist die Organversorgung gestört und Organe fallen aus“, erklärt der Facharzt für Brandverletzungen. Die erste Therapie sei deshalb, den Flüssigkeitsverlust durch Infusionen auszugleichen.

Kleinkinder besonders gefährdet

Laut Hartmann haben sich die Überlebenschancen bei Schwerstbrandverletzten in den vergangenen Jahrzehnten stark verbessert. Heute stirbt die Hälfte der Erwachsenen erst bei über 70 Prozent verbrannter Körperfläche. „Kinder haben sogar noch gute Chancen bei 80 Prozent, weil bei ihnen meist noch keine Nebenerkrankungen hinzukommen“, so Hartmann.

Gerade Kleinkinder sind besonders gefährdet, weil sie auf ihren Entdeckungstouren nach allem greifen, was sie sehen. „Die meisten Kinder verletzten sich beim Herunterziehen von Tee- und Kaffeetassen oder Töpfen mit kochend heißem Wasser am Herd.“

Diese Brandverletzungen sind typisch für Brandenburger

Erwachsene verbrennen sich häufiger mal im Haushalt oder am Arbeitsplatz und kommen deshalb in das berufsgenossenschaftliche Unfallkrankenhaus. Das Arbeiten in Großbetrieben sei laut Hartmann sicherer geworden, doch Unfälle in kleineren Autowerkstätten, in Entsorgungsunternehmen oder in Verbindung mit Elektrizität passierten immer wieder. „Aus dem märkischen Raum kommen viele Brandverletzte zu uns, deren Boot in Brand geraten ist. Auch beim Grillen und im Herbst, wenn Laub verbrannt wird, passiert erstaunlich viel“, erzählt der Chefarzt.

Barbara Tietz aus Luckenwalde ist zwei Monate nach ihrem Unfall sehr dankbar für die Hilfe, die sie von Ärzten und Krankenschwestern im UKB erfahren hat. Ihre Wunde ist inzwischen gut verheilt und die Brandenburgerin hat sich vorgenommen, in Zukunft achtsamer zu sein. „Vor allem beim Kochen bin ich vorsichtiger.“

Von Diana Bade

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