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Verteidigung: Mario K. nicht der Maskenmann

Urteil am Freitag erwartet Verteidigung: Mario K. nicht der Maskenmann

Am Freitag wird in einem spektakulärsten Fälle der Brandenburger Kriminalgeschichte das Urteil erwartet: Dem mutmaßlichen Maskenmann Mario K. droht lebenslange Haft. Die Verteidigung sieht das anders und fordert einen Freispruch aus Mangel an Beweisen. Die MAZ erklärt, was gegen den Angeklagten als Täter spricht.

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Mario K. im Gerichtssaal

Quelle: dpa-Zentralbild

Frankfurt (Oder).  Im seit über einem Jahr andauernden Prozess gegen den mutmaßlichen Maskenmann soll voraussichtlich am Freitag das Urteil fallen. Das kündigte der Vorsitzende Richter des Landgerichts Frankfurt (Oder), Matthias Fuchs, am Montag nach dem Plädoyer der Verteidigung an. Die Anwälte fordern Freispruch für den 47-jährigen Mario K., dem zwei Überfälle auf eine Unternehmerfamilie und die Entführung eines Bankers in Ostbrandenburg zur Last gelegt werden. Mario K.s Anwalt Christian Lödden griff die Staatsanwaltschaft scharf an, die lebenslange Haft für den Dachdecker verlangt. „Sie versuchen mit aller Staatsmacht, den Falschen zu hängen“, warf er Ankläger Jochen Westphal vor. „Sie schummeln beim Indizienpuzzle.“ Westphal hatte trotz der Zweifel mehrerer Polizisten angewiesen, die Ermittlungen einseitig auf den Angeklagten Mario K. zu konzentrieren. Nach der Festnahme des Berliners im Herbst 2013 wurden über die Medien zudem unverpixelte Bilder des Verdächtigen verbreitet, um weitere Zeugen zu finden. „Da wurde eine Sau durchs Dorf getrieben“, sagte Lödden. Aus Sicht der Verteidigung sprechen folgende Punkte gegen Mario K. als Täter:

Die Entführungsgeschichte:

Die Verteidigung glaubt wie mehrere Polizeiermittler nicht, dass die Entführung im Oktober 2012 so abgelaufen sein kann, wie das Opfer Stefan T. sie schilderte. Der Kidnapper soll den Banker aus seinem Haus verschleppt und mittels Kajak und Luftmatratze auf eine Insel im Sumpf gebracht haben, wo er sich selbst befreien konnte. Die Verteidigung hat den Luftmatratzentransport und auch die Fesselung nachgestellt und kam zu dem Schluss, dass die Tat vorgetäuscht sein müsse. Wenn es gar keine Entführung gibt, könne Mario K. auch nicht der Kidnapper sein.

Die Tatortspuren:

Nach den beiden Überfällen auf Familie P. in Bad Saarow (Oder-Spree) 2011, die ebenfalls auf das Konto des Maskenmanns gehen, kamen Mantrailer-Hunde zum Einsatz. Die Hunde verfolgten Spuren des mutmaßlichen Täters nach Reichenwalde, zu einem Campingplatz am Kolpiner See sowie zur Arbeitsagentur Fürstenwalde. K. hat sich laut Verteidigung nie an einem dieser Orte aufgehalten.

Die Täterbeschreibung:

Nach Beschreibung der Opfer war der Täter 1,70 bis 1,75 Zentimeter groß. Mario K. misst 1,85 Zentimeter. Die überfallene Unternehmergattin will unter der Maske rötliche Barthaare gesehen haben. Mario K. hat dunkle Haare.

Die Tatwaffe:

Bei dem zweiten Überfall auf die Millionärsfamilie sowie bei der Entführung des Bankers 2012 benutzte der Maskenmann eine Waffe vom Typ Ceska oder ein baugleiches Modell. Mario K. hatte 1997 im Streit auf Jugendliche geschossen: mit einer Ceska. Für die Staatsanwaltschaft ein Indiz , dass K. der Täter ist. Aber: Laut Verteidigung wurde bei den Maskenmann-Taten nachweislich nicht mit der Waffe von 1997 geschossen. Zudem besitze Mario K. längst keine Waffe mehr. Gefunden wurde die Tatwaffe nie.

Die Munition:

Laut Staatsanwaltschaft wurde an den Tatorten dieselbe Munition gefunden, die Mario K. in einem Schützenverein benutzt habe. Das ist laut Prozessakten nicht korrekt: An den Tatorten befanden sich Hülsen mit grüner Lackierung aus den Jahren 2009 und 2011 sowie eine rot markierte Hülse von 2009. Im Verein benutze Mario K. rot lackierte Munition von 2011 und grüne von 2012.

Die Verletzung:

Mario K. hat eine alte Knieverletzung. Die Verteidigung beruft sich auf einen Gutachter der bezweifelt, dass K. mit dieser Verletzung in der Lage gewesen sei, zügig durch den Sumpf zu gehen.

Das Kajak:

Beim Entführerversteck fand die Polizei ein rot-gelbes Kajak. Weil K. schon früher bei Straftaten ein Kajak benutzt habe, spricht das laut Staatsanwaltschaft gegen ihn. „Blödsinn“, sagt Verteidiger Lödden. Mario K. zündete 2004 Yachten in Köpenick an. Um den Tatort auszuspähen und dabei nicht gesehen zu werden, benutzte er ein schwarzes Kajak. Warum er nun ein so auffälliges Boot benutzt haben soll, erschließe sich nicht.

Die Spurenvermeidung:

Mario K., der zuletzt im Wald zeltete, wurde monatelang von der Polizei observiert. Er habe in der Zeit sein Fahrrad geputzt und den Müll weggebracht. Laut Anklage ein spurenvermeidendes Verhalten, das ihn verdächtig mache. Auf der Schilfinsel wurden eine Decke und Müllsäcke gefunden. Für einen Spurenvermeider nicht logisch, sagt die Verteidigung. „Man könnte fast denken, die Sachen wurden dort platziert“, so Lödden.

Urteil am Freitag

Seit 5. Mai 2014 muss sich der Berliner Mario K. vor dem Landgericht Frankfurt (Oder) unter anderem wegen versuchten Mordes und erpresserischen Menschenraubs verantworten. Er soll 2011 zwei Überfälle auf eine Unternehmerfamilie begangen und 2012 einen Banker entführt haben. Ihm droht eine lebenslange Haftstrafe. Am Freitag soll nun das Urteil fallen.

Die Anwälte des Angeklagten beteuern dessen Unschuld. Mario K. selbst schwieg den Prozess über. Auch vom Recht auf das letzte Wort machte er gestern keinen Gebrauch.

Im Prozess mit fast 200 Zeugen kamen bereits zu Beginn Zweifel an der Version des Entführungsopfers auf. Beamte der Soko „Imker“ sagten vor Gericht aus, dass sie von der Polizeiführung gezwungen wurden, Widersprüche zu ignorieren. Alle vier Kritiker sind inzwischen krankgeschrieben.

Ein anfangs verdächtiger
Ex-Polizist war vor zwei Wochen noch einmal in den Fokus gerückt. Das Gericht nahm kurzzeitig die Beweisaufnahme wieder auf, schloss den Mann aber nach DNA-Tests als Täter aus.

Von Marion Kaufmann

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