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Video: So können sich Senioren wehren

Selbstverteidigung Video: So können sich Senioren wehren

Ältere gelten für viele als schwach und gebrechlich. Doch es gibt Möglichkeiten, den Täter zu überraschen, sagt die Selbstverteidigungs-Expertin Sandra Banse. Im MAZ-Video erklärt die Brandenburgerin, was Senioren tun können, wenn sie angegriffen oder bedroht werden und warum in der Selbstverteidigung das Prinzip „David gegen Goliath“ gilt.

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Sandra Banse demonstriert zwei Frauen, dass es im Ernstfall ratsam ist, sich mit offenen Händen zu wehren. Das signalisiert: „Ich bin das Opfer!“

Quelle: Julian Stähle

Großziethen. Sandra Banse leitet das WingTsun-Kampfkunst- und Bewegungszentrum Großziethen (Dahme-Spreewald). Im Interview erzählt sie, was ältere Menschen tun können, wenn sie angepöbelt oder bedroht werden.

Ältere gelten für viele als schwach und gebrechlich. Sind Senioren tatsächlich so leichte Opfer?

Sandra Banse: Ältere Menschen sind oft höflich und hilfsbereit, was von Straftätern gern ausgenutzt wird. Weil sie wegen ihres Alters körperlich eingeschränkt sind, gelten sie als „leichtere Beute“. Viele Senioren sind nicht vertraut mit dem elektronischen Zahlungsverkehr. Sie vertrauen lieber dem Bargeld und dem persönlichen Kontakt. Das wissen viele Straftäter.

Können sich ältere Menschen genauso gut wehren wie Jüngere?

Körperlich gesehen eher nicht, denn Senioren können sich altersbedingt nicht so wehren wie Jüngere mit Schlägen und Tritten. Die Verletzungsgefahr ist für sie einfach zu groß. Allerdings spielt im Ernstfall die Psychologie und das Überraschungsmoment eine weitaus größere Rolle. In der Selbstverteidigung gewinnt oft der Vorbereitete gegen den vermeintlich Stärkeren. Es gilt das Prinzip: David gegen Goliath.

Brenzlige Situationen gar nicht erst entstehen lassen

Ist die Angst, Opfer eines Verbrechens zu werden, im Alter größer?

Senioren spüren, dass sie im Alter körperlich nachlassen, was an ihrem Selbstwertgefühl kratzt. Hinzu kommt die Flut der medialen Bilder in unserer Zeit: Ältere sind nicht mehr so viel draußen unterwegs, sehen aber im TV Sendungen über Raubüberfälle und Schießereien, die ihnen suggerieren wie gefährlich die Welt sei. Das schürt bei Älteren Ängste.

In Ihrer Selbstverteidigungsschule gab es bislang Kurse für Kinder und Frauen. Warum wollen Sie demnächst speziell Kurse für Senioren anbieten?

Durch den demografischen Wandel gibt es mehr ältere Menschen. Wir stellen fest, dass ihre Bedürfnisse nach einem gesunden und sicheren Leben wachsen. Die Nachfrage nach solchen Kursen ist groß.

Wie können Ältere lernen, brenzlige Situationen gar nicht erst entstehen zu lassen?

Eine ältere Dame, die auf dem Bürgersteig läuft, sollte zum Beispiel nicht nah am Radweg entlanggehen. So vermeidet sie, dass ihr ein Vorbeifahrender die Tasche entreißt. Auch muss eine Rentnerin nicht spätabends am Automaten Geld abheben. Bankgeschäfte kann sie am Tag erledigen. Wer trotzdem allein unterwegs ist, sollte auf sein Bauchgefühl hören und einmal mehr die Straßenseite wechseln, wenn man sich nicht wohlfühlt.

„Die Handtasche niemals am Rollator baumeln lassen“

Wie können Ältere signalisieren: „Versuch’ es gar nicht erst bei mir!“

Ein selbstbewusster und aufmerksamer Mensch wird selten Opfer von Gewalt. Deshalb rate ich: Aufrechter Gang, Schultern zurück und Blick nach vorne! Selbst wer einen Rollator als Gehilfe nutzt, kann es trainieren, nicht ständig auf den Boden zu schauen. Denn ein offener Blick suggeriert einem möglichen Angreifer: „Ich habe keine Angst vor Dir!“

Wie kann man sich Angreifer vom Leib halten?

Es geht in erster Linie darum, gar nicht erst in eine solche Situation zu kommen. Man muss lernen, für Täter uninteressant zu sein. Also, zum Beispiel, die Tasche niemals am Rollator oder hinter dem Rücken baumeln lassen, sondern sie schräg über der Schulter tragen, die Hand darauf. Ich rate Älteren ohnehin, die wichtigen Sachen wie Geld, Personalausweis und EC-Karte immer im Brustbeutel am Körper zu tragen.

„Für den Täter unvorhersehbar sein“

Was können Senioren tun, wenn sie angegriffen oder bedroht werden?

Sollte es zu einem Angriff kommen, empfehle ich, das Portemonnaie oder die Tasche loszulassen. Alles Materielle ist wiederbeschaffbar, die eigene Gesundheit aber nicht. Bei einem Angriff ist es umso wichtiger, für den Täter unvorhersehbar zu sein und so zu handeln.

Wie können Senioren lernen, den Täter zu „überraschen“?

Ein Täter meidet die öffentliche Bloßstellung. Wir zeigen Älteren in unseren Kursen, dass sie mit ihrer Stimme auf sich aufmerksam machen und mit Gesten Distanz schaffen können, wenn Ihnen jemand zu nah kommt. Sie lernen bei uns auch wie sie andere Hilfsmittel, wie etwa ihren Stock oder ihre Tasche einsetzen können, um sich zu wehren.

Senioren als Opfer von Gewalt

In Brandenburg sind im Jahr 2016 317 Senioren ab 60 Jahren Opfer einer Gewalttat geworden. Darunter waren unter anderem 216 Fälle von gefährlicher oder schwerer Körperverletzung, 34 Fälle von sonstigen Raubüberfällen auf Straßen, Wegen oder Plätzen und 17 Fälle von Handtaschenraub. Insgesamt wurden 4 767 Delikte der Gewaltkriminalität im Jahr 2016 festgestellt. Im Jahr 2015 wurden 353 Senioren Opfer einer Gewalttat.

Ältere Menschen sind laut Brandenburger Polizei „nicht öfter von Straftaten betroffen als andere Altersgruppen“. Trotzdem setzt die Polizei auf Prävention, berät bei Seniorenveranstaltungen und arbeitet eng mit den Kommunen in Sicherheitspartnerschaften zusammen.

Wer Opfer einer Straftat geworden ist, sollte sofort den polizeilichen Notruf unter 110 anrufen. Die Brandenburger Polizei arbeitet eng mit Opferhilfeeinrichtungen zusammen und gibt Tipps, an wen sich ältere Menschen wenden können.

Der Opferhilfe-Verein „Weißer Ring“ bietet Hilfe an und unterstützt betroffene Menschen auf ihrem Weg. Kriminalitätsopfer erreichen das Opfer-Telefon des Vereins anonym und kostenfrei täglich von 7 bis 22 Uhr unter 116 006.

Von Diana Bade

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