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Videokamera zeichnete Bluttat in Asylunterkunft auf

Messerattacke in Nauen Videokamera zeichnete Bluttat in Asylunterkunft auf

Ein 29 Jahre alter Somalier ist am Sonnabend von einem Landsmann (26) erstochen worden – die Bluttat wurde offenbar von einer fest installierten Videokamera aufgezeichnet. Sicherheitsexperten machen sich seit einiger Zeit Sorge wegen zunehmender Spannungen innerhalb der Asylbewerberheime in Brandenburg

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Festnahme des Tatverdächtigen.

Quelle: Julian Stähle

Nauen. Bei einem Streit in einer Flüchtlingsunterkunft in Nauen (Havelland) ist ein 29-jähriger Somalier erstochen worden. Der Asylbewerber sei am Samstagmittag mit einem 26-jährigen Landsmann in Streit geraten, sagte ein Polizeisprecher. Daraufhin habe der Jüngere mit einem Messer zugestochen. Nach Zeugenaussagen spielte sich der Zusammenstoß im Umfeld der Gemeinschaftsküche ab. Der Angreifer soll dem Opfer zweimal in den Hals gestochen haben, berichten Zeugen. Die Szene soll von einer Videokamera aufgezeichnet worden sein.

Der 26-jährige mutmaßliche Täter wurde von alarmierten Polizeibeamten in der Flüchtlingsunterkunft festgenommen und zur Vernehmung in die Polizeiinspektion Havelland gebracht. Über die Hintergründe des Streits war zunächst nichts bekannt. Mittlerweile befindet sich der Festgenommene in einer Justizvollzugsanstalt.

Die Polizei wollte am Sonntag keine weiteren Einzelheiten zu dem Fall bekannt geben und verwies auf die Staatsanwaltschaft.

Der Fundort des Toten liegt nach MAZ-Informationen im Treppenhaus der Unterkunft. Demnach brach der tödlich Verletzte nach einem lautstarken Wortgefecht auf Höhe der dritten Etage zusammen. Kriminalisten waren ab dem Mittag mit Spurensicherung am Tatort beschäftigt. Ein Bestattungsunternehmen nahm den leblosen Körper des Somaliers gegen 17 Uhr mit.

Die Asylunterkunft ist nagelneu

Erst im Juni 2016 wurde der Komplex im Nauener Waldemardamm in Betrieb genommen. Sie bietet Platz für 250 Migranten. Sie sind in Zwei- und Dreibett-Zimmern untergebracht. Rund 4,5 Millionen Euro investierte der Landkreis Havelland. Weil die Unterkunft auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise noch nicht fertig war, sollte eine Sporthalle in der Nähe übergangsweise als Schlafstätte für Flüchtlinge genutzt werden. Rechtsradikale um den NPD-Lokalpolitiker Maik Schneider zündeten nach Auffassung des Potsdamer Landgerichts die Halle an.

„Ich habe von dem Vorfall Samstagabend gelesen. Was die Willkommensinitiative jetzt in diesem Fall unternimmt, ist bislang nicht klar“, sagte Anke Bienwald, Mitglied der Nauener Willkommensinitiative. Weder der Sprecher der Initiative und Vorstand des Humanistischen Freidenkerbundes im Havelland, Volker Mueller, noch Nauens Bürgermeister, Detlef Fleischmann (SPD), waren am Sonntag für eine Stellungnahme zu erreichen.

Experten haben Sorge

Sicherheitsexperten machen sich seit einiger Zeit Sorge wegen zunehmender Spannungen innerhalb der Asylbewerberheime in Brandenburg.

Tödliche Zwischenfälle gab es bereits: Ein 18 Jahre alter afghanischer Flüchtling erlag Anfang Oktober auf offener Straße in Ludwigsfelde (Teltow-Fläming) 2016 seinen Stichverletzungen, die ihm mutmaßlich ein 17 Jahre alter Flüchtling aus Gambia beigebracht hatte.

Im Mai 2015 erstach ein Somalier in einem Teltower (Potsdam-Mittelmark) Heim einen anderen Asylbewerber. Der Täter hatte schon wegen Piraterie vor Gericht gestanden und im Ausland im Gefängnis gesessen. Er war mit mehreren Identitäten unterwegs.

Bei einem bewaffneten Überfall im Januar 2017 wurden in Lehnitz bei Oranienburg (Oberhavel) drei Heimbewohner verletzt. 16 Männer – vor allem Syrer, Türken und Iraker – hatten die Unterkunft überfallen. Schwer bewaffnete Polizisten konnten die Lage wieder in den Griff bekommen.

Laut Polizeipräsident Hans-Jürgen Mörke ist ein deutlicher Anstieg von Gewalt in den Unterkünften festzustellen. Die Übergriffe richteten sich fast ausschließlich gegen andere Bewohner der Einrichtungen. In der gerade veröffentlichten Polizeistatistik ist bei den Körperverletzungen ein „sehr hoher Anstieg nichtdeutscher Tatverdächtiger“ zu verzeichnen – von 1277 im Jahr 2015 auf 2305 im Jahr 2016. Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) hatte vor rund einer Woche seiner Hoffnung Ausdruck verliehen, die Situation in den Heimen werde sich durch die niedrigere Belegung entspannen.

Von Ulrich Wangemann und Laura Sander

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