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Viele Brandenburger meiden islamische Länder

Geänderte Urlaubspläne nach Anschlag Viele Brandenburger meiden islamische Länder

Innenminister Thomas de Maizière sieht trotz des Terroranschlags „keinen Grund, von Reisen in die Türkei abzusehen“. Die Brandenburger sind offenbar seiner Meinung. Eine erste Umfrage der MAZ unter Reisebüros in der Region zeigt: Stornierungen von Türkei-Reisen sind die Ausnahme. Aber: Die Märker sind bei ihrer Urlaubsplanung vorsichtiger geworden.

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Reisen in die Türkei werden derzeit generell nicht so stark nachgefragt.

Quelle: AFP

Potsdam. Es scheint fast, als hätten die Brandenburger die Worte von Innenminister Thomas de Maizière beherzigt: „Ich sehe keinen Grund, von Reisen in die Türkei abzusehen“, sagte er am Mittwoch bei seiner Visite in Istanbul. Eine erste Umfrage der MAZ unter Reisebüros in der Region zeigt: Stornierungen von Türkei-Reisen sind die Ausnahme. Aber eines zeigt sich: Die Brandenburger sind bei ihrer Urlaubsplanung vorsichtiger geworden.

Generell hätten in der Jahreszeit nur wenige Kunden Türkei-Reisen gebucht, heißt es bei Intour Reisen in Ludwigsfelde (Teltow-Fläming). Büroleiter Stephan Zellner: „Die meisten wollen im Frühjahr oder Sommer dorthin fliegen. Wir merken aber sehr deutlich, dass das Interesse an diesem Land weniger geworden ist“, sagt er. Seit Anfang des Jahres habe niemand mehr nach Reisen oder Flügen in die Türkei für den kommenden Sommerurlaub gefragt. „Viele meiden auch islamische Länder wie Marokko, Tunesien oder Ägypten.“

Kunden sind ängstlicher geworden

Unter dem Eindruck von Terroranschlägen der vergangenen Zeit seien die Kunden ängstlicher geworden, berichtet auch Annika Urbig, Leiterin der Oranienburger Filiale des Reisebüros Fechtner. „Seit im Herbst die Sommerkataloge raus sind, werden wir nicht selten mit der Frage konfrontiert: Wohin kann ich noch fahren, wo bin ich sicher? Viele entscheiden sich gerade beim Osterurlaub zum Beispiel statt für Ägypten für einen Urlaub in Spanien und Griechenland“, sagt sie.

Nachfragen, erkundigen, abwägen, das tun auch die Kunden des Reisecenters Life GmbH in Velten (Oberhavel). „Wir hatten bislang drei Kunden, die sich bei uns nach dem Stand der Dinge erkundigt haben“, sagt Mitarbeiter Marco Anderscheck.

Kurzfristig umentschieden

Keine Stornierung, aber eine Kundin, die sich kurzfristig umentschieden hat, das ist die Lage beim Reisecenter Rolff in Fürstenberg (Oberhavel): „Bei uns hatte sich eine Kundin vor dem Anschlag nach einer Türkeireise erkundigt, die sie im Oktober machen wollte. Sie hat dann vom Ausflugsziel Türkei Abstand genommen. Buchungen für Istanbul haben wir derzeit nicht und auch Stornierungen hat es bei uns nicht gegeben“, sagt Mitarbeiterin Steffi Lorenz.

„Das ist zu früh“, sagt Sabine Böhnke vom gleichnamigen Reisebüro in Hohen Neuendorf (Oberhavel). Die Kunden müssten sich „erst einmal sammeln und überlegen, was sie tun“. Nach dem Anschlag in Tunesien im Sommer vergangenen Jahres sei die Reaktion allerdings „ganz dramatisch“ ausgefallen. „Da haben die Leute storniert und umgebucht. Da hatten wir ganz viel Arbeit“, sagt die Fachfrau. Das meistgewählte Ausweichziel: Spanien. In Sachen Türkei sei „bis jetzt alles ruhig“. Sabine Böhnke befürchtet allerdings, dass das nicht so bleibt.

Bei Öger-Tours ist noch alles ruhig

„Bei uns werden wenig bis gar keine Reisen direkt nach Istanbul gebucht, allerhöchstens wird die Stadt im Zuge einer Rundreise gestreift. Daher hat sich auch noch keiner unserer Kunden bei uns Informationen geholt, die Touristengebiete an der Küste sind nach wie vor sicher“, sagt Andreas Walde vom Reisebüro Hiller in Falkensee. „Noch liegt keine Reisewarnung vom Auswärtigen Amt vor, sollte das noch kommen, können alle bereits gebuchten Reisen nach Istanbul kostenlos storniert werden.“

Auch beim Spezialist für Türkeireisen, bei Öger Tours, gibt es laut einer Sprecherin bisher nur „verschwindend geringe Auswirkungen auf die Buchungen“.

Keine Stornierung, aber viele Fragen

Es ist noch zu früh, meint auch Bettina Duchow, Inhaberin des Reisebüro Brandenburg-Tourist in Brandenburg/Havel. Viele Kunden würden in den Ferien in die Türkei fahren. Von denen gebe es bisher noch keine Rückmeldungen. „Das passiert in solchen Fällen immer auch erst mit Verzögerung“, erklärt sie. „Die Kunden schauen genau, welche Reaktionen und Reisewarnungen vom Außenamt kommen.“ Von den ersten Reiseveranstaltern würden jetzt kostenlose Stornierungsmöglichkeiten bis zum 22. Januar angeboten. Davon habe aber noch niemand Gebrauch gemacht.

Auch in Potsdam, bei L’Tur, gab es noch keine Stornierungen, wie Christiane Zwicknagl erklärt. Ein Kunde habe aber eine entsprechende Anfrage gestellt. Dabei ging dabei um eine Reise nach Bangkok mit Zwischenlandung in Istanbul. Eine Stornierung sei aufgrund der Reisewarnung in diesem Fall aber nicht möglich gewesen, heißt es. Befürchtungen, dass Stornierungen auf sie zukommen werden hat das Reisebüro allerdings: „Unsere nächsten Buchungen sind für April, zurzeit ist es nicht die ideale Reisezeit für Städtereisen wie Istanbul“, so Christiane Zwicknagl. Zurzeit liegt der Stornofokus eher auf Ägypten. Es gab zuletzt vier Anfragen, allerdings keine Stornierung, da die Kosten von den Kunden selbst getragen würden. Für Ägypten gibt es nur eine Teilreisewarnung des Auswärtigen Amtes.

Von MAZOnline

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