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Viele erfolglose Beweisanträge der Angeklagten

Prozess gegen Nauener Neonazis Viele erfolglose Beweisanträge der Angeklagten

Weiterhin versucht der Neonazi Maik Schneider, den Prozess gegen ihn am Potsdamer Landgericht in die Länge zu ziehen und seine Verantwortung für den Turnhallen-Brand in Nauen (Havelland) herunterzuspielen. Auch heute haben er und ein Mitangeklagter weitere Beweisanträge gestellt. Eigentlich sollten am Nachmittag die Plädoyers gehalten werden.

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Maik Schneider.

Quelle: imago/Martin Müller

Potsdam. Im Prozess gegen die Nauener Neonazi-Zelle hat das Landgericht Potsdam heute Morgen eine regelrechte Breitseite von Beweisanträgen seitens der Verteidiger des Hauptangeklagten Maik Schneider und seines mutmaßlichen Mittäters Dennis W. abgelehnt.

Ziel der 26 Anträge war es, die Tat als spontan und nicht von langer Hand geplant darzustellen. Womöglich versucht die Verteidigung auch, den Prozess in die Länge zu ziehen.

Außerdem versuchte die Verteidigung die These ihres Mandanten zu stützen, er habe die Sporthalle in der Nacht zum 25. August 2015 gar nicht ganz niederbrennen, sondern nur von außen mit Ruß schwärzen wollen.

Die Kammer machte deutlich, dass sie ihr Urteil hauptsächlich auf die Aussagen der Belastungszeugen gründen wird. Außerdem sprächen die Gutachten der Brandsachverständigen für sich.

Ein Kuriosum am Rande: Einer der Zeugen, den Schneider vorladen lassen wollte, war von den Behörden nicht auffindbar. Er wird seit dem 21. Juli 2016 per Haftbefehl gesucht.

Etliche der Anträge drehten sich um die Frage, ob Schneider tatsächlich als Kopf der Gruppe Anweisungen an einzelne Mitglieder gegeben hat. Diesen Eindruck versucht er zu zerstreuen. Denn Teil der Anklage ist die Annahme, Mitglieder der Zelle hätten Schmiere gestanden oder seien als Kundschafter in der Tatnacht durch die Stadt gefahren.

Ferner möchte Schneider den Eindruck erwecken, der Dauerregen habe ihn annehmen lassen, dass die Fassade der Halle nicht in Flammen aufgehen werde. Allerdings ist erwiesen, dass Holzpaletten, acht Autoreifen, eine Plastikmülltonne, eine Propangas-Flasche und Brandbeschleuniger verwendet wurden, um das Feuer direkt im Eingangsbereich der Sportstätte zu legen. Das Gericht gab außerdem zu bedenken, ein Dachüberhang hätte den Regen von dem brennbaren Material ferngehalten. Das sei auch Schneider bewusst gewesen.

Der Hauptangeklagte will mit seinen Anträgen außerdem belegen, er habe gar keine Zeit für eine detaillierte Planung des Anschlags gehabt, weil er am Tattag seinen Dachboden entrümpelt und außerdem eine Reise an den Bodensee geplant habe.

Dem setzte das Gericht entgegen, eine spontane Ansetzung des Termins für den Anschlag schließe keineswegs aus, dass er von langer Hand geplant gewesen sein. Die Kammer verwies dabei auf Aussagen der Belastungszeugen, es sei schon lange über die Brandstiftung gesprochen worden. Außerdem seien brennbare Materialien für die Brandstiftung bei dem Mitangeklagten Dennis W. eingelagert gewesen.

Immer neue Anträge

Erkennbar versucht der seit einigen Prozesstagen hinzugezogene Wahlverteidiger von Maik Schneider, Ulli Boldt, mit einer aggressiveren Verteidigungsstrategie noch etwas für seinen Mandanten herauszuholen.

Gegen 11:20 Uhr stellte Schneiders Anwalt einen neuen Antrag: Ein Sachverständiger soll bezeugen, dass die aufgestapelten Holzpaletten so weit von der Turnhallenfassade entfernt waren, dass ein Vollbrand des Gebäudes unwahrscheinlich erscheinen musste. Auch ein Mitangeklagter stellte weitere Anträge.

Die Verhandlung verzögerte sich daher und wurde gegen 15 Uhr fortgesetzt.

Nahezu alle Anträge wurden abgelehnt. Dennoch vernahm das Gericht noch zwei Zeugen, zwei Bekannte von Schneider. Einer von ihnen war bei der Stadtverordnetenversammlung, die durch Schneider gestört wurde, dabei. Er hat damals aber Schneider nicht gesehen. Ein anderer Zeuge, ein Schulfreund von Schneider, sagte ebenfalls aus. Mit ihm war Schneider unter anderem bei einer „Hooligans gegen Salafisten“-Demo in Hannover. Dennoch: Schneider sei kein Rassist, so der Zeuge.

Am späten Nachmittag wird der Staatsanwalt sein Plädoyer halten.

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Von Ulrich Wangemann

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