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Brandenburg So oft und so lange reden Brandenburgs Politiker im Bundestag
Brandenburg So oft und so lange reden Brandenburgs Politiker im Bundestag
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00:26 23.11.2018
Linda Teuteberg (FDP) redet am häufigsten unter den Brandenburger Abgeordneten. Quelle: Bernd von Jutrczenka/dpa
Potsdam

Das Parlament ist ein Ort des demokratischen Austauschs, von Rede und Gegenrede. Wer als Abgeordneter in den Bundestag gewählt wird, muss in der Lage sein, seine Argumente vor dem Hohen Haus vorzutragen. Doch nicht alle Abgeordneten stehen gleich oft am Pult, es gibt große Unterschiede, die mit der jeweiligen Rolle in der Fraktion, aber durchaus auch mit den Fähigkeiten als Redner zu tun haben.

Im Vergleich aller Brandenburger Bundestagsabgeordneten steht die FDP-Politikerin Linda Teuteberg (FDP) am häufigsten vor dem Plenum. 18 Reden hat die 37-Jährige seit Beginn der Legislaturperiode gehalten. Das ergibt sich aus der Parlamentsdokumentation des Bundestags. Schwerpunkt der Redebeiträge der Potsdamer Anwältin ist dabei die Asylpolitik – vom Verhältnis zum Islam („nicht jede Islamkritik ist schon islamophob“) bis zum Umgang mit der AfD („Ihre Sprache entlarvt Sie!“) äußert sich Teuteberg zu vielen Aspekten des politisch heiklen Themenbereichs – das ist auch ihr Job als migrationspolitische Sprecherin ihrer Fraktion.

Wer spricht wie viel im Deutschen Bundestag? Und vor allem wer? Wir haben eine kleine Galerie zusammengestellt.

AfD-Chef Gauland redet am längsten

Als Fraktionsvorsitzender hat AfD-Mann Alexander Gauland mit 14 Reden den zweithöchsten Wert unter den Märkern im Bundestag vorzuweisen. Dabei redet er gern doppelt so lang wie Teuteberg - auch gern zum Thema Asylbewerber. Mit knapp 13 Minuten hielt der 77-Jährige am 12. September die längste Rede aller Brandenburger Parlamentarier („Es hat in Chemnitz keine Menschenjagden gegeben!“). Zwischenfragen ließ er nicht zu („Ich möchte geschlossen vortragen“). Gaulands Look war in allen 14 Debatten gleich: Tweed und Hundekrawatte.

An dritter Stelle liegt mit zehn Wortmeldungen Klaus-Peter Schulze (CDU), der die Ausbreitung des Wolfs und andere Naturschutzthemen anspricht: („In meinem Wahlkreis gibt es noch zwei Reliktvorkommen der osteuropäischen Smaragdeidechse“). Der ehemalige Bürgermeister von Spremberg hat angesichts der hitzigen Debatte um die Braunkohle derzeit ein besonderes Mitteilungsbedürfnis.

Mitglieder der AfD-Fraktion haben einen hohen Redebedarf (Steffen Kotré und Norbert Kleinwächter: je 9 Reden), Roman Reusch und René Springer kommen auf 8 Beiträge – ebenso die sendungsbewusste Digital-Spezialistin der Linksfraktion Anke Domscheit-Berg sowie ihr Fraktionskollege Norbert Müller (beide 8 Reden).

Einige Brandenburger Bundestagsabgeordneten sind fast gar nicht zu Wort gekommen. So hat der Linken-Abgeordnete Thomas Nord, bis Juni 2018 Bundesschatzmeister seiner Partei, in der laufenden Legislaturperiode noch kein einziges Mal gesprochen. Nord war allerdings lange Zeit krank und auch in der Klinik. „Daher hat er häufig in Sitzungswochen und auch bei namentlichen Abstimmungen gefehlt. Für alle Fehltage liegen dem Bundestagspräsidenten ordentliche Entschuldigungen vor“, teilt sein Büro auf Anfrage mit.

Frau Tiemann will es leiser

Die CDU-Parlamentarier Hans-Georg von der Marwitz („Digitalisierung in der Landwirtschaft“) und Dietlind Tiemann kommen auf genau einen angemeldeten Redebeitrag, ebenso ihre SPD-Kollegen Dagmar Ziegler und Ulrich Freese. Tiemann äußerte in ihrer ersten und bislang einzigen Ansprache am 22. März im Bundestag, es sei „etwas ganz Besonderes“, dort zu sprechen. Sie hätte es als Oberbürgermeisterin von Brandenburg/Havel bislang eher mit Landräten und Stadtverordneten zu tun gehabt. Dennoch ihr Rat als Novizin ans Plenum: „Nicht ganz so laut wäre angenehmer!“

Andere Mitglieder des hohen Hauses meldeten sich nur im Rahmen von Fragestunden zu Wort, so etwa Stefan Zierke (SPD), der parlamentarischer Staatssekretär im Familienministerium ist. Manja Schüle von der SPD, die 2017 für ihre Partei in Potsdam das einzige Direktmandat in einem ostdeutschen Flächenland holte, sprach fünfmal.

Auffallend ist die stark gesunkene Rednertätigkeit der Potsdamer Abgeordneten Annalena Baerbock, die vor ihrer Wahl in die Bundesspitze der Grünen zu den fleißigsten Rednerinnen des Parlaments gehörte. Nun spricht sie fast jeden Tag irgendwo – erst am Sonntag bei „Anne Will“ – aber eben nicht mehr so oft im Bundestag. Zuletzt kritisierte Baerbock am 18. Oktober das Gute-Kita-Gesetz der Bundesregierung („Es ist ein schlechtes Gesetz, Frau Ministerin!“).

„Mitmachen heißt in der Opposition vor allem mitreden“, sagt Linda Teuteberg. Der Bundestag müsse „wieder zum zentralen Ort der Auseinandersetzung über wesentliche Fragen unseres Landes werden. Das habe ich mir vorgenommen.“ Dennoch sei das Ergebnis der Statistik nur „eine Momentaufnahme“. Viel Arbeit der Parlamentarier stecke in der Ausschussarbeit. Die sei, wie in ihrem Fall im Innenausschuss, nicht öffentlich, so Teuteberg.

Hans-Georg von der Marwitz erläutert, er wolle „nur in den Themenfeldern reden, in denen ich zu Hause bin.“ Das seien der ökologische Landbau, Bodenfragen und dergleichen. Die seien in der bislang doch recht kurzen Sitzungszeit noch nicht über die Maßen gefragt gewesen. Außerdem, sagte von der Marwitz, sei er „nicht jemand, der mit Macht ans Rednerpult dränge, nur um des Redens Willen – ich bin Landwirt, ein Praktiker“. Er sehe es im Übrigen als wichtig an, in Ausschüssen zu wirken, im Kreistag und im Gemeinderat seiner Heimat, deren Interessen er im Bundestag zu vertreten versuche. Objektiv stimme es wohl, dass er deutschlandweit nicht sehr bekannt sei. „In meiner Region aber kennen mich alle“, so der CDU-Mann aus Friedersdorf (Märkisch-Oderland), der einem der ältesten Brandenburger Adelsgeschlechter angehört.

Von Ulrich Wangemann

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