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Vision einer nachhaltigen Weltgesellschaft

Forschung in Potsdam Vision einer nachhaltigen Weltgesellschaft

Es sind hehre Ziele, die das Potsdamer Institut für Nachhaltigkeitsforschung (IASS) sich gestellt hat: Die Wissenschaftler wollen nicht nur den Begriff der Nachhaltigkeit genauer entwickeln, sie erforschen auch Wege zu einem nachhaltigen Leben und wollen damit nicht zuletzt auch die politische Agenda beeinflussen. Dafür stellt der Bund dem IASS viel Geld zur Verfügung.

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Mark Lawrence, einer von jetzt drei IASS-Direktoren

Quelle: IASS

Potsdam. Wie sieht eine wirklich nachhaltige Gesellschaft aus, welches Wissen brauchen wir, um eine solche Gesellschaft zu schaffen und welche Wege müssen wir gehen, um das anspruchsvolle Ziel nachhaltigen Lebens und Wirtschaftens zu erreichen? Das ist der Forschungsplan, den sich das Potsdamer Institut für Nachhaltigkeitsforschung (IASS) für die nächsten viereinhalb Jahre gegeben hat. Die drei Direktoren Mark Lawrence, Patrizia Nanz und Ortwin Renn haben ihr anspruchsvolles Vorhaben Anfang der Woche präsentiert.

Ein Institut mit einer Mission

„Unser Institut hat eine Vision und eine Mission“, sagt der US-amerikanische Atmosphären- und Klimawissenschaftler Lawrence. Es gehe darum, ein naturwissenschaftlich begründetes Verständnis von Nachhaltigkeit zu entwickeln und dieses Verständnis und Wissen ins tagespolitische Geschehen einzubringen. Zugespitzt formuliert könnte man sagen: Um nichts weniger als um die Rettung einer durch Klimawandel und Ressourcenverschwendung, aber auch durch soziale Konflikte bedrohte Welt geht es den rund 160 Wissenschaftlern und Mitarbeitern aus aller Welt im ehemaligen Gebäude der Bundesbank.

Dafür stehen dem Haus 2017 insgesamt 13,5 Millionen Euro zur Verfügung. 9,3 Millionen Euro sind Grundförderung. Das meiste Geld stellt hier der Bund bereit, aber vom Land Brandenburg kommen immerhin 15 Prozent des Grundbudgets. Hinzu kommen 4,2 Millionen Euro Drittmittel, also Extra-Förderungen zum Beispiel von Bundesforschungsministerium oder von der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ). Mit dem Gesamtbudget werden unter anderem 20 neue Forschungsprojekte finanziert. Trotz aller inhaltlichen Unterschieden gibt es eine Gemeinsamkeit. Am Ende wollen die Wissenschaftler bei Themen wie Klima, Digitalisierung oder dem Umgang mit den Ozeanen immer auch auf Gesellschaft und Politik einwirken.

Beratung von Politik und Gesellschaft

Dass die „systematische Interaktion“ zwischen Wissenschaft und Politik gelingen kann, versucht die erst im April dieses Jahres hinzugestoßene Direktorin Patrizia Nanz deutlich zu machen. Als Mitarbeiterin des Kulturwissenschaftlichen Instituts (KWI) Essen hatte Nanz am Forschungsprojekt „Demoenergie“ teilgenommen. Sie hatte mit Kollegen untersucht, wie die Beteiligung von Bürgern bei der Verlegung der Stromtrasse im Ostbayernring funktioniert. „Das Verfahren war erfolgreich“, sagt Nanz. Inzwischen seien die Erkenntnisse aus dem Projekt in die künftigen Planfeststellungsverfahren integriert.

Den Erfolg der Einrichtung will der Soziologe Ortwin Renn dennoch nicht an der Zahl der vom IASS neu angeregten Gesetze messen. Wichtig sei, dass Themen in die öffentliche Debatte kämen. Das IASS will das zum Beispiel auch beim Thema Boden geschafft haben. Schon 2012 nahmen Mitglieder des UN-Ausschusses für Welternährungssicherheit auch vom IASS mit angeregte Richtlinien zur nachhaltigen Bewirtschaftung von Böden auf. Inzwischen spreche jeder Politiker auch vom Bodenschutz, betont Direktor Lawrence. Die Anregungen hätten gute Chancen, in die UN-Ziele für eine nachhaltiger Entwicklung (SDG) aufgenommen zu werden.

Korrekturen durch den Wissenschaftsrat

Der aktuelle Ehrgeiz des IASS kommt nicht von ungefähr. Im Oktober 2014 hatte der Wissenschaftsrat das 2009 vom ehemaligen Umweltminister Klaus Töpfer (CDU) gegründete Institut bewertet. Im Ausscheiden der beiden erstberufenen Direktoren Töpfer und Carlo Rubbia sah der Rat eine Chance für das Institut, „um notwendige Kurskorrekturen und Profilschärfungen rasch und mit Nachdruck vorzunehmen“. Aus Sicht des Wissenschaftsrates könnte das IASS Scharnier zwischen Wissenschaft und Gesellschaft und ein Modell für einen neuen Forschungsansatz sein. Wissenschaft und Praxis sollen in Einrichtungen wie dem IASS Hand in Hand gehen.

Viele Dinge habe man beherzigt. Interdisziplinarität stelle man her, indem Projekte immer paarweise von zwei Direktoren begleitet würden. Betont werden – zum Beispiel durch den neuen Direktor Ortwin Renn – auch sozialwissenschaftliche Ansätze, ohne freilich technische Aspekte zu vernachlässigen. Beispielhaft sind dafür zwei der neueren Projekte. Zum Beispiel will das IASS untersuchen, wie Politikberatung im Alltag funktioniert und welche Wirkung sie erzielen kann. Ein anderes Projekt untersucht, wie tief verwurzelte Einstellungen und Überzeugungen unser Verhalten bestimmen. Dabei wollen die Forscher bis tief in neuronale Prozesse vordringen und prüfen, inwieweit Menschen in ihrem Verhalten beeinflussbar sind.

So idealistisch der Ansatz des IASS auch sein mag, so realistisch sind die dort ansässigen Forscher. Mark Lawrence zum Beispiel glaubt nicht, dass das Zwei-Grad-Ziel des Klimaschutzes noch zu halten ist. Dennoch hört er nicht auf, am Institut zum „Climate Engineering“ zu forschen und selbst wo immer möglich die Bahn zu benutzen und auf Fernflüge zu verzichten. Selbst wenn es keinen Nutzen habe: „Man muss das als Richtig Erkannte tun“, sagt Lawrence.

Von Rüdiger Braun

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