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Vogelpest auch bei Menschen denkbar

Geflügelpest in Brandenburg Vogelpest auch bei Menschen denkbar

In Brandenburg wurde am Freitag der erste Fall von Vogelgrippe bestätigt. Für die Möglichkeit einer Infektion des Menschen durch rohe Eier oder Rohwursterzeugnisse mit Geflügelfleisch von infizierten Tieren gibt es bisher keine Belege. Dennoch sollten einige Hygieneregeln bei der Zubereitung von Geflügelfleisch und grundsätzlich geachtet werden.

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Quelle: Matthias Bein

Potsdam. Die Geflügelpest ist in Brandenburg angekommen. Bei einer toten Möwe ist der H5N8-Erreger nachgewiesen worden, wie das Verbraucherschutzministerium am Freitag mitteilte.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung schreibt, dass eine Übertragung des Erregers (H5N8) über infizierte Lebensmittel „theoretisch denkbar, aber unwahrscheinlich“ sei.

Was ist Geflügelpest?

Als Geflügelpest bezeichnen Experten jene Varianten der aviären Influenza oder auch Vogelgrippe, die sich als aggressiv entpuppen und daher für Vögel hochgradig tödlich sind. Der derzeit in Deutschland und Europa kursierende Typ H5N8 gehört zu den hochpathogenen Varianten. Er befiel schon 2014 und 2015 Geflügelbetriebe in der EU.

Ist das Virus für Menschen gefährlich?

Es gibt durchaus Erregerstämme, die für den Menschen eine Gefahr darstellen, etwa der berüchtigte Subtyp H5N1 oder zu einem geringeren Grad der Subtyp H7N9. H5N8 gehört den bisher vorliegenden Informationen aber nicht dazu. Den Gesundheitsbehörden sind keine Fälle bekannt, in denen dieser Stamm bei Menschen Erkrankungen ausgelöst hätte.

Es gibt lediglich eine gewisse Restunsicherheit. Diese besteht laut dem für Tiergesundheit zuständigen Friedrich-Löffler-Institut darin, dass sich Erreger verändern können. Das passiert bei allen Grippeviren, deshalb gibt es jedes Jahr für Menschen auch eine neue Schutzimpfung. Nicht ganz ausgeschlossen werden kann deshalb, dass ein mutierender Subtyp H5N8 gegebenenfalls auch Menschen befällt.

Wie könnte das Virus auf Menschen übertragen werden?

Geflügelpest wird durch Kot infizierter Vögel sowie deren Nasen- und Speichelsekret weitergeben. Für eine Übertragung ist daher sehr enger Kontakt zu Geflügel notwendig.

Tatsächlich traten praktisch alle bisher bekannten Infektionen mit Geflügelpesterregern wie H5N1 oder H7N9 bei Menschen auf, die direkt mit lebenden oder toten Vögeln zu tun hatten. Für die Bevölkerung außerhalb von Tierhaltungen oder Verarbeitungsbetrieben ist die Gefahr nach allgemeiner Einschätzung der Gesundheitsbehörden dementsprechend sehr gering.

Übertragungen von Mensch zu Mensch gab es dem Robert-Koch-Institut zufolge so gut wie nie. Offenbar können sich die Erreger zumindest bisher nur schlecht an menschliche Zellen ankoppeln. Es gab weltweit bislang nur wenige Fälle, bei denen sich die Subtypen H5N1 oder H7N9 mutmaßlich durch engsten Kontakt von Kranken weiter auf Angehörige verbreitete. In ganz vereinzelten Fällen ist der genaue Weg der Infektion auch nicht geklärt. Hinweise auf ein gravierendes Pandemie-Risiko gibt es bisher allerdings nicht.

Sind Frühstückseier oder Festtagsbraten gefährlich?

Die Behörden sehen bei der Einhaltung gewisser grundlegender Zubereitungs- und Hygieneregeln, wie sie etwa auch aus Sorge vor Salmonellen in aller Regel ohnehin üblich sind, kein Problem.

Dabei gelten folgende allgemeine Hygienevorschriften:

- rohe Geflügelprodukte und andere Lebensmittel getrennt lagern und zubereiten, insbesondere wenn Letztere nicht noch einmal erhitzt werden

- Gerätschaften und Oberflächen, die mit rohen Geflügelprodukten in Berührung geraten sind, sollte man gründlich mit warmem Wasser und Spülmittelzusatz reinigen

- Verpackungsmaterialien, Auftauwasser u.ä. sofort entsorgen

- Hände mit warmem Wasser und Seife waschen

- Geflügelspeisen gründlich durchgaren. Das bedeutet, dass für mindestens 2 Minuten eine Kerntemperatur von 70 °C erreicht werden muss.

- Eier sollten vor dem Verzehr gekocht werden, bis Eiweiß und Eigelb fest sind, d.h. je nach Größe für mindestens 6 Minuten.

» Weiterführende Informationen des BfR sind hier veröffentlicht

Hochgefährliche Vogelgrippe breitet sich aus

Ein hochpathogenes Grippevirus H5N8 wurden Anfang 2014 in Südkorea bei Geflügel und Wildvögeln entdeckt. Nachweise des Erregers gab es etwa auch in Japan und im Grenzgebiet von China zu Südkorea. Es breitete sich dann nach Nordamerika und Europa aus. Eine Chronologie bedeutender Ereignisse:

November 2014 : In einem Putenbestand in Mecklenburg-Vorpommern wird dieser Vogelgrippe-Erreger erstmals in Europa nachgewiesen, ebenso erstmals in einem Wildvogel. Von der Epidemie betroffen sind auch die Niederlande und England.

Dezember 2014: Der Erreger wird in Niedersachsen - einer Hochburg der deutschen Geflügelzucht - registriert. Auch Italien meldet einen Fall. In Sachsen-Anhalt wird ein infizierter Wildvogel entdeckt.

Januar 2015: Das gefährliche Virus wird bei Vögeln in Sachsen-Anhalt, in Mecklenburg-Vorpommern unter anderem im Rostocker Zoo und in Thüringen entdeckt.

Februar 2015: Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern geben Entwarnung. Ungarn berichtet über einen Ausbruch.

Sommer 2016: Hochpathogene H5N8-Viren werden in Wildvögeln im Süden Sibiriens und Ende Oktober auch in Europa nachgewiesen. Sie unterscheiden sich genetisch etwas von den Viren 2014/15.

November 2016: Die gefährliche Variante der Vogelgrippe breitet sich in Deutschland aus. Der Erreger wird bis zum 25. November in zwölf Bundesländern nachgewiesen, in vier davon - Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein, Sachsen-Anhalt und Niedersachsen - sind auch Nutzgeflügelbestände betroffen. Auch aus anderen europäischen Ländern werden mit H5N8 infizierte tote Wildvögel oder Ausbrüche auf Geflügelfarmen gemeldet.

Nach Angaben des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) befällt der veränderte Erreger im Vergleich zu 2014 mehr Vogelarten und führt zu einer höheren Sterblichkeit bei Wildvögeln. Der Erreger sei mutiert, es sei jedoch kein völlig neuer. Eine Gefahr für Menschen sehen Experten nicht.

Von MAZonline

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