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Brandenburg Vom Glück und der Last, eine Hebamme zu sein
Brandenburg Vom Glück und der Last, eine Hebamme zu sein
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00:18 10.01.2018
Franziska Reininghaus (55) untersucht den Neugeborenen Nils Bathmann aus Falkensee. Quelle: Josefine Kühnel
Potsdam

Behutsam hält sie den drei Wochen jungen Säugling im Arm und begutachtet ihn fachmännisch: Ist die Nabelschnur noch dran? Ist sie auch nicht entzündet? Gibt es Auffälligkeiten auf der Haut oder im Verhalten des Kindes? Das sind nur einige Fragen, die sich Hebamme Franziska Reininghaus (55) aus Falkensee (Havelland) in der Wochenbettbetreuung stellen muss.

Die Wochenbettbetreuung startet nach der Geburt und läuft bis zur 12. Lebenswoche eines Kindes. Dabei besucht Franziska Reininghaus in den ersten zwei Wochen täglich, anschließend mehrmals die Woche die Mütter und versorgt sie mit allen Informationen, die sie für ihr eigenes Wohlergehen und das der Kinder gebrauchen können. Darunter zählen etwa die Brustpflege, eine Stillberatung oder auch Hilfe bei der Rückbildung der Gebärmutter. Franziska Reininghaus ist seit 1987 Hebamme. Sie weiß genau, was Erstlingsmütter beschäftigt: „Die meisten fragen sich, ob ihr Kind genug trinkt und ob es überhaupt satt wird nur von der Muttermilch.“

Die junge Mutter mit dem Neugeborenen Nils. Quelle: Josefine Kühnel

Der Säugling, den die Hebamme auf dem Arm hält, heißt Nils Bathmann. Er ist Franziska Bathmanns drittes Kind. „Deshalb bin ich auch schon firm in den Abläufen während und nach der Schwangerschaft. Ich frage mich jetzt eher, wie ich es schaffen kann, dass sich alle Kinder gut miteinander verstehen und sich keines vernachlässigt fühlt“, sagt die junge Mutter.

Um diese Fragen beantworten zu können und den Müttern das Gefühl von Sicherheit zu geben, braucht es Hebammen. Doch die sind im ganzen Land knapp. Auf rund 21 000 Geburten im Jahr 2016 kamen rund 373 aktive Mitgliedsfrauen im Hebammenverband Brandenburg. Laut brandenburgischem Gesundheitsministeriums waren Ende 2015 in den 25 Krankenhäusern mit Geburtsstationen 207 angestellte sowie 43 sogenannte freie Beleg-Hebammen beschäftig. Etwa 400 Hebammen arbeiten laut Ministerium in eigenen Praxen.

Schlechte Bezahlung, Überstunden und hohe Versicherungsbeiträge

Franziska Reininghaus kennt die Gründe, warum sich viele Frauen gegen diesen Beruf entscheiden: „Die schlechte Bezahlung, Überstunden und in der Selbstständigkeit ein sehr hoher Versicherungssatz machen vielen zu schaffen“, sagt sie. „Vor allem der Bürokram nimmt uns Zeit, die wir sonst für die Frauen nutzen könnten“, sagt Reininghaus.

Obwohl der Hebammenverband selbst vom „schönsten Beruf der Welt“ spricht, sehen sich die Geburtshelferinnen in einer schwierigen Situation. Der Verband hat vor drei Jahren eine „Landkarte der Unterversorgung“ im Internet veröffentlicht, wo Schwangere seither fehlende Hebammen melden können. Für Brandenburg gingen seither mehr als 200 Fehlmeldungen ein – überwiegend mangelt es demnach an der Wochenbettbetreuung.

Neue Hebammenschule in Eberswalde

Um dem Mangel entgegenzuwirken, wird die Hebammenausbildung in Brandenburg nicht mehr nur in Cottbus, sondern auch in Eberswalde angeboten. Im November 2017 startete der Schulbetrieb mit 15 Auszubildenden. In diesem und im nächsten Jahr sollen nochmals je 15 Azubis anfangen. Ihnen bietet der Beruf viele Wege: Hebammen können entweder angestellt oder selbstständig arbeiten. Beleghebammen, die freiberuflich sind, haben einen Vertrag mit den Geburtskliniken. Deswegen begleiten sie nicht nur die werdenden Mütter in der Schwangerschaft, sondern sind auch in der Klinik während der Geburt die verantwortliche Hebamme. „Das ist für die Mütter natürlich der absolute Luxus. Das gibt ihnen Sicherheit“, sagt Reininghaus.

Die 55-Jährige hat sich zur Familienhebamme weiterbilden lassen. So kann sie die ganze Familie über einen längeren Zeitraum begleiten. Gebraucht wird sie zum Beispiel, wenn psychische Erkrankungen der Eltern oder häusliche Gewalt zur Vernachlässigung des Kindes führen. Auch Überforderung, etwa bei jugendlichen Schwangeren, könne ihre Hilfe erfordern. „Dadurch habe ich mehr Möglichkeiten, Schwierigkeiten zu erkennen und frühzeitig zu helfen, das ist sehr viel wert“, sagt Reininghaus. Ob sie sich wieder für diesen Beruf entscheiden würde, wenn sie noch einmal wählen könnte, weiß sie nicht genau. „Vor allem wegen des nervigen Papierkrams“, sagt sie. Doch am Ende ist es immer der gleiche Grund, der sie weitermachen lässt: „Wenn ich dann so ein Baby auf dem Arm habe, vergesse ich alles andere um mich herum. Das ist einfach ein schönes Gefühl.“

Von Josefine Kühnel

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