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Brandenburg Von Anabolika bis Viagra: Deutschlands größtes Drogenlabor
Brandenburg Von Anabolika bis Viagra: Deutschlands größtes Drogenlabor
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19:26 27.11.2017
Das Zollfahndungsamt Berlin-Brandenburg präsentierte am Montag der Öffentlichkeit den deutschlandweit wohl größten Fund illegaler Arznei- und Dopingmittel. Quelle: Ulrich Wangemann
Berlin

Das Zollfahndungsamt Berlin-Brandenburg hat der Öffentlichkeit den deutschlandweit wohl größten Fund illegaler Arznei- und Dopingmittel präsentiert. Es handelt sich um 700.000 Tabletten und 600.000 Ampullen verbotener Anabolika, Potenz- und anderer Präparate, die im Kraftsport verwendet werden.

Aufgeflogen war die sechsköpfige Bande durch Ermittlungen bayrischer Behörden. Verfahren und Zugriff stammen schon aus dem Jahr 2016, allerdings wurde der Fall erst jetzt bekannt, als in der vergangenen Woche ein Gericht in Augsburg die Haupttäter zu sechs, vier und fast drei Jahren Haft verurteilte. Die Behörden in Bayern hatten ermittelt, weil dort eine Großkundin der Bande lebt Und es in München eine auf Doping spezialisierte Staatsanwaltschaft gibt. Eigentlicher Schauplatz des Krimis ist allerdings Berlin und das Brandenburger Umland.

Blümchen-Schmuck gegen neugierige Nachbarn

Das Labor befand sich in der Treuenbrietzener Straße im Märkischen Viertel im Norden Berlins, einem sozialen Brennpunkt. Wie der Leiter der Ermittlungen, Henner Grote, schilderte, hatte die deutsch-polnische Tätergruppe eine mehr als 100 m² große Wohnung im neunten Stockwerk angemietet und in ein hoch professionelles Labor verwandelt. Mit Blümchen und Kinderschmuck tarnten die Täter die Fenster, sie betätigten regelmäßig die Klospülung und täuschten ein reguläres Leben in dem Drogenlabor vor. Die Anonymität in dem Hochhaus erleichterte ihnen offenbar das Geschäft.

Einzelne Präparate enthielten eine um bis zu 500.000-mal erhöhte Wirkstoffkonzentration Quelle: Ulrich Wangemann

Als Dutzende von Ermittlern am 10. Mai 2016 die Produktionsstätte aushoben, standen die Bewohner der anderen Mieteinheiten staunend vor dem siebeneinhalb Tonnen schweren Lastwagen, den die Zollfahnder wegen der großen Mengen der Asservate hatten anmieten müssen. Die Beamten fanden professionelle Pressen für Pillen, spezielle Zangen zum Verschließen von Ampullen, Kolben und Rührgeräte. Das Labor war mit einem Notstromaggregat ausgestattet, um die Kühlkette auch bei Stromausfall aufrecht zu erhalten. Nach Einschätzung der Ermittler hätte die Bande einen Gewinn von etwa vier Millionen Euro allein mit denen in der Wohnung zum Zeitpunkt des Zugriffs gefundenen Medikamenten erzielen können. Wie viel Geld in den Jahren zuvor durch den Handel in die Kasse der Chemiefabrikanten floss, ist unklar. Insbesondere der Hauptangeklagte - er besaß durch eine abgebrochene Berufsausbildung Kenntnisse in chemischer Produktion - hat vor Gericht ein umfassendes Geständnis abgelegt.

Von Anabolika bis Viagara

Die Bande stellte nicht nur selbst Anabolika her, sie handelte auch mit Medikamenten, die gegen Nebenwirkungen der muskelfördernden Hormonpräparate eingesetzt werden. Viagra gegen Impotenz gehörte zu dem Warenportfolio, außerdem hatte die Bande Mittel gegen Akne, Haarausfall und Nierenschäden im Angebot. Nach Angaben der Ermittler enthielten einzelnen Präparate eine um bis zu 500.000-mal erhöhte Wirkstoffkonzentration. Der Einsatz von Anabolika im Kraftsport gilt als schwer gesundheitsgefährdend. Leber- und Nierenschäden sind eben so geläufig wie krankhaft vergrößerte Organe - etwa das Herz.

Begonnen hatte die Bande ihre Produktion in einer Hütte im Wald der märkischen Gemeinde Mühlenbeck (Oberhavel). Dieses Domizil wurde bald zu klein, man zog in den Schuppen eines der Bandenmitglieder, ebenfalls in Mühlenbeck, um. Als auch diese Immobilie nicht mehr den Ansprüchen einer immer professioneller werdenden Produktion entsprach, mieteten die Männer die Wohnung im Märkischen Viertel. Einer der Männer kommt aus Mühlenbeck, ein anderer ist gebürtig aus Rüdersdorf (Märkisch-Oderland).

Was den Ermittlern die Arbeit erschwerte, war das extrem konspirative Vorgehen der Gruppe. Um auffällige Kapitalflüsse zu vermeiden, hatte die Bande in China ein Konto mit einem finanziellen Grundstock von 50.000 Euro eröffnet. Wer Anabolika kaufen wollte, musste auf dieses zunächst unauffällige Konto Geld einzahlen, die Lieferanten der Grundstoffe, die in China saßen, hatten ebenfalls Zugriff auf das Konto. Gemischt wurden die Chemikalien mit Nuss- und Traubenkernöl Verkauft wurden die Produkte im Internet, ganz offen, also nicht im Darknet. Teilweise lief der Vertrieb auch über Bodybuilding-Shops.

Das Urteil des Landgerichts Augsburg gegen die Täter ist noch nicht rechtskräftig. Weitere Ermittlungen, die sich teils aus den Geständnissen ergaben, laufen. Strafbar ist die Herstellung von Dopingmitteln, weil sie lizensiert sein muss. Eine solche Erlaubnis besaßen die Männer nicht. Außerdem unterliegt auch der Handel strengen Auflagen, die im aktuellen Fall ebenfalls nicht vorlagen. Der Marktvorteil solcher illegaler Produzenten liegt in den viel günstigeren Preisen, zu denen sie die Wirkstoffe im Handel anbieten können.

Von Ulrich Wangemann

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