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Von Caspar David Friedrich bis Vincent van Gogh

Ausstellung in Berlin Von Caspar David Friedrich bis Vincent van Gogh

Caspar David Friedrich ist der erste Künstler, der sich von der althergebrachten Darstellung von Landschaften löst und sie stattdessen gemäß den eigenen Vorstellungen abstrahiert. Eine Berliner Ausstellung zeigt Zeichnungen des Pioniers der Moderne bis hin zu denen von Vincent van Gogh.

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Caspar David Friedrich: „Kreuz im Gebirge“ (um 1806)

Quelle: Kupferstichkabinett

Berlin. Die Bilder von Caspar David Friedrich gelten heute als Klassiker. Doch die frühen Arbeiten des Greifswalder Malers (1774–1840) waren für ihre Zeit geradezu revolutionär. Für Experten gilt er gerade mit seinen Landschaftszeichnungen als Pionier der Moderne: Erstmals wagte ein Künstler, sich von althergebrachten Darstellungsformen zu lösen und die Landschaft nicht mehr 1:1 darzustellen, sondern gemäß der eigenen Vorstellungen zu abstrahieren. Er stieß ­damit die Tür auf für eine Entwicklung im 19. Jahrhundert, an deren Ende ein weiteres Genie der Kunstgeschichte stand: Vincent van Gogh (1853–1890). Eine Ausstellung im Berliner Kupferstichkabinett spannt jetzt den Bogen zwischen diesen epochemachenden Künstlern.

Vincent van Gogh

Vincent van Gogh: „Brandung“ (1888)

Quelle: Staatliche Museen zu Berlin

Kuratiert hat die Ausstellung „Romantik und Moderne. Zeichnung als Kunstform von Caspar David Friedrich bis Vincent van Gogh“ der Direktor des Kupferstichkabinetts, Heinrich Schulze Altcappenberg.

„Die Frage, wann die Moderne begann, wird oft gestellt“, sagt Schulze Altcappenberg. Der Anfang des 19. Jahrhunderts sei geprägt von gesellschaftlichen Umbrüchen wie dem Ende der Französischen Revolution sowie von technischen Neuerungen und Indus­trialisierung. „Es war der Beginn der bürgerlichen Epoche. Die Romantiker waren die Ersten, die dieser Epoche ein Bild gegeben haben“, beantwortet er die Frage.

Was an „Kreuz im Gebirge“ modern ist

Den Aufbruch von Caspar David Friedrich in diese neue Epoche beschreibt Schulze Altcappenberg anhand dessen bekannten Bildes „Kreuz im Gebirge“ (um 1806). Furore machte damals vor allem das, was das mit Sepia-Tusche gezeichnete Bild nicht zeigte: „Man sieht keine Menschen, Jesus am Kreuz ist nur an seiner Silhouette zu erahnen. Er wird vom Bildhintergrund her angestrahlt, die Sonne ist nur durch ihren Widerschein angedeutet. Der Gipfel ist kahl, die wenigen Bäume sind angeschnitten“, erklärt Schulze Altcappenberg. Damit breche CDF mit den damals gültigen Regeln der Landschaftsmalerei: „Bis dahin waren Landschaftsbilder durchkomponiert: Nach der klassischen Lehre sollten sie Menschen, Bauwerke, Flüsse, Berge zeigen. Aber Caspar David Friedrich reduziert die Landschaft radikal.“

Der Greifswalder trat damit eine Lawine los, die immer schneller rollte und die althergebrachten Kunstvorstellungen unter sich begrub. „Die Moderne macht jetzt Riesenschritte“, erklärt Schulze Altcappenberg. „Naturbilder werden im Laufe des 19. Jahrhunderts immer abstrakter.“ Die Künstler stellten sich mehr und mehr die Frage: „Wie kann ich die Natur wiedergeben und trotzdem zeigen, dass ich ein konstruiertes Bild schaffe?“

René Magritte: „Das ist keine Pfeife“

Auf die Spitze getrieben wird dieser Gedanke laut Schulze Altcappenberg wesentlich später durch Rene Magritte (1898–1967): Dessen Werk „Der Verrat der Bilder“ (1929) zeigt eine Pfeife, darunter schreibt Magritte aber: „Das ist keine Pfeife.“ Damit sage der Künstler, dass sein Werk eben nur ein Abbild der Realität ist und nicht wirklich real.

Eine Besucherin vor Adolph Menzels „Köpfe zweier alter bärtiger Männer“ (1904)

Eine Besucherin vor Adolph Menzels „Köpfe zweier alter bärtiger Männer“ (1904).

Quelle: dpa

Carl Blechen und seine abstrakten Wolken

Ein weiterer Vertreter dieser neuen Auffassung ist Carl Blechen (1798–1840) mit seinen Wolkenbildern (um 1829). „Seine Darstellung ist schon fast abstrakt“, sagt Schulze Altcappenberg. „Eine Wolkenbank ist nur noch ein Strich auf dem Papier. Der Unterschied zwischen der Wirklichkeit, ihrer Auffassung durch den Künstler und ihrer Darstellung im Bild wird immer größer.“

Rohrfederzeichnungen von Vincent van Gogh

Am Ende der in der Ausstellung aufgezeigten Entwicklung stehen Vincent van Goghs Rohr­federzeichnungen. „Sie bestehen nur noch aus einzelnen Strichen“, erklärt Schulze Altcappenberg. „Was Caspar David Friedrich und die anderen Romantiker erfunden haben, wurde von den Malern der Moderne weitergedacht – und van Gogh ging dabei am weitesten.“

Info: 110 Zeichnungen aus dem 19. Jahrhundert werden insgesamt in der Ausstellung gezeigt, darunter sind vier von Caspar David Friedrich. Der Katalog zur Schau umfasst 130 Arbeiten. Zu sehen ist die Ausstellung noch bis zum 15. Januar 2017 im Kupferstichkabinett am Berliner Kulturforum in der Nähe des Potsdamer Platzes. Der Eintritt für die Ausstellung kostet 8 Euro, ermäßigt 4 Euro. Montags ist das Museum geschlossen.

Von Axel Büssem

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