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Von Holzbrillen und Mooslampen

Designtage in Potsdam Von Holzbrillen und Mooslampen

Die Brandenburger Kreativszene zeigt sich bei den Designtagen in Potsdam vom 13. bis zum 15. Oktober von seiner besten Seite mit Schwerpunkten auf den Themen Nachhaltigkeit und Digitalisierung.

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Die Designer der Pewen-Brillen auf den Designtagen: Rodolfo Pinto (links) und Sergio Duarte

Potsdam. Brillengestelle aus Holz, Lampen aus Birkenrinde und ein digitaler Museumsguide: Das sind nur einige der vielen innovativen Produkte der Designer, die ab heute bei den Brandenburger Designtagen in der Schiffbauergasse in Potsdam zu sehen sind. Die Schwerpunkte liegen auf den Themen Nachhaltigkeit und Digitalisierung. Die vom Wirtschaftsministerium initiierte Veranstaltung dient als jährlicher Treffpunkt der Designszene und soll das große Potenzial der brandenburgischen Kultur- und Kreativwirtschaft widerspiegeln und sie ankurbeln. Die neuesten digitalen Entwicklungen eröffnen Designern völlig neue Gestaltungsmöglichkeiten. Diese wachsenden Anwendungsbereiche zeigen sich auch im Umsatz der Designwirtschaft. Der ist laut Wirtschaftsministerium zwischen 2010 und 2015 um 32 Prozent auf 145 Millionen Euro gestiegen.

Doch ein Blick hinter die Fassade fördert andere Erkenntnisse zutage. So gewährte Volker von Kardorff, Professor für Lichtdesign an der Fachhochschule Potsdam, im Vorfeld der Ausstellung einen Einblick in das Leben als selbstständiger Designer. Er beschrieb die prekäre finanzielle Situation, in der sie sich befinden, da Unternehmen häufig nicht die besten, sondern die günstigsten Designer für sich arbeiten ließen. Deshalb unterbreitete er den bei der Verleihung des Brandenburger Designpreises anwesenden Unternehmen und dem Wirtschaftsministerium folgenden Vorschlag: „Mit dem Brandenburgischen Designpreis wurden die besten Designer des Landes ausgezeichnet. Deshalb rate ich Ihnen, nutzen Sie die Besten, erteilen Sie Aufträge an die Sieger und lassen Sie sie für angemessenes Geld bei sich arbeiten“. Daraufhin erntete er heftigen Applaus aus dem Publikum.

Nachhaltiger Durchblick

Pewen-Frames sind aus 100 Prozent natürlichen Rohstoffen

Pewen-Frames sind aus 100 Prozent natürlichen Rohstoffen.

Quelle: Pewen Frames

Ein Produkt, das so simpel wie genial ist, sind die Pewen Frames. Die handgefertigten Holzbrillengestelle bestehen zu 100 Prozent aus natürlichen Rohstoffen, die aus heimischen Wäldern gewonnen werden. Eine Beschichtung aus Bienenwachs schützt sie vor Nässe. Der gebürtige Chilene Sergio Duarte fertigte das erste Modell im eigenen Keller, nachdem er keine passende Sonnenbrille für sich fand. Mittlerweile stellen er und sein Partner Rodolfo Pinto die Gestelle im Rechenzentrum in Potsdam her. Für eine Brille brauchen sie 16 Tage. Ein Teil des Erlöses jeder verkauften Brille geht an eine Organisation, die in Patagonien Bäume pflanzt.

Handwerk aus Sibirien

Anastasiya Koshcheeva brachte das sibirische Handwerk im Rahmen ihrer Masterarbeit an der Fachhochschule Potsdam nach Brandenburg

Anastasiya Koshcheeva brachte das sibirische Handwerk im Rahmen ihrer Masterarbeit an der Fachhochschule Potsdam nach Brandenburg: Sie fertig Produkte aus Birkenrinde.

Quelle: Josefine Kühnel

Schon lange werden in Sibirien Produkte aus Birkenrinde hergestellt. Die 29-jährige Anastasiya Koshcheeva aus Russland brachte dieses Handwerk im Rahmen ihrer Masterarbeit an der FH Potsdam nach Brandenburg: Sie designt Lampen aus Birkenrinde. Der lederartige Rohstoff sei flexibel, schnell erneuerbar, isolierend, antiseptisch und wasserabweisend. „Jede Birkenrindenlampe ist ein Unikat. Mit so einer Lampe hat man ein Stück Natur im Wohnzimmer“, sagt Koshcheeva. Neben Lampen gestaltet sie auch Hocker und Aufbewahrungsbehälter mit Zedernholzdeckeln. Ihre Prototypen werden mittlerweile in einer Werkstatt in Sibirien umgesetzt.

Für ein gutes Arbeitsklima

Die „akustisch wirksame Moosleuchte“ verbessert das Raumklima und dämmt Geräusche am Arbeitsplatz

Die „akustisch wirksame Moosleuchte“ verbessert das Raumklima und dämmt Geräusche am Arbeitsplatz.

Quelle: Easy Lights

Die in Dallgow-Döberitz im Havelland ansässige Firma easyLights entwickelt intelligente und ausgefallene Bürobeleuchtungssysteme. Im Zuge dessen entwarfen die Designer Alexander Schölzel und Uwe Kirsch die „akustisch wirksame Moosleuchte“ unter Berücksichtigung des ergonomischen Arbeitsplatzes. Das echte Naturmoos verbessert das Raumklima. „Gleichzeitig dämmt es den Umgebungslärm. Das ist gerade in Großraumbüros enorm wichtig für ein gutes Arbeitsklima“, erklärt Schölzel.

Dem Himmel so nah

So schnell wird aus einem beklemmenden Bunker ein angenehmer Arbeitsplatz

So schnell wird aus einem beklemmenden Bunker ein angenehmer Arbeitsplatz: Mit einer LED-Deckenbeleuchtung, die das Wetter rund um die Uhr simuliert.

Quelle: Josefine Kühnel

Beeindruckend ist das Lichtkonzept, das die Firma Lichtvision Design gemeinsam mit dem Fraunhofer Institut entwickelte: Die Ölraffinerie „PCK“ in Schwedt hat ihre Messwarte modernisiert und dafür einen etwa 1000 Quadratmeter großen fensterlosen Bunker erstellen lassen, der die Mitarbeiter vor Feuer und Explosionen schützt. Für eine angenehme Arbeitsatmosphäre im fensterlosen Raum entwickelten die Designer eine LED-Deckenbeleuchtung, die das aktuelle Wetter simulieren kann. „Dadurch haben die Schichtarbeiter das Gefühl, durch ein Fenster nach draußen schauen zu können“, sagt Raoul Hesse von der Lichtplanung. Zusätzlich können die Mitarbeiter das Licht an jedem Arbeitsplatz individuell einstellen. Hesse war die Integration der Beleuchtung in die Architektur besonders wichtig: „Wenn niemand über die Beleuchtung redet, sondern über schöne Räume, haben wir alles richtig gemacht. Das ist uns hier gelungen.“

Moderne Heimatkunde

Eine Art modernes Heimatlexikon ist das „Brandenbuch“

Eine Art modernes Heimatlexikon ist das „Brandenbuch“

Quelle: Josefine Kühnel

Das Brandenbuch ist eine Art modernes Heimatlexikon. Auf 272 Seiten in warmweißem Naturpapier finden Leser 65 Artikel von 45 Autorinnen und Autoren im Stile eines Lexikons. Aufgewertet werden sie durch zahlreiche Illustrationen und aufwendige Infografiken sowie Karten, die die unterschiedlichen Facetten des Landes beleuchten. Anja Gollor und Henry Hajdu von der Firma Retalic erarbeiteten das Werk gemeinsam mit der Illus­tratorin Anne Baier aus der Landeshauptstadt.

Züge für Skandinavien

In Hennigsdorf werden 96 Züge für die Stockholmer Metro designt und montiert

In Hennigsdorf werden 96 Züge für die Stockholmer Metro designt und montiert. 2019 beginnt der Probebetrieb.

Quelle: Bombardier

Schwedisches Lebensgefühl dürfte derzeit in Hennigsdorf einkehren. Dort entwickelten die Designer der Bombardier Transportation, Michael Sohn und Mattias Jansson, ein komfortables und optisch ansprechendes Konzept für neue Züge der Stockholmer Metro. So greifen etwa die Sitzpolster der Rückenlehnen das dreieckige Muster von Sergels torg auf, einem zentralen Platz in Stockholm. Diesen überraschenden „Twist“ wünschte sich der schwedische Kunde. Die ersten der 96 Züge sind bereits in der Montage, 2019 startet der Probebetrieb.

Digitaler Guide

Mit der Barberini-App können Museumsbesucher die Ausstellungen schon vor dem eigentlichen Rundgang in einer virtuellen 360 Grad-Tour bestaunen

Mit der Barberini-App können Museumsbesucher die Ausstellungen schon vor dem eigentlichen Rundgang in einer virtuellen 360 Grad-Tour bestaunen.

Quelle: Screenshot MAZ

Der Designer Niels Rumpf entwickelte zur Eröffnung des Barberini-Museums in Potsdam einen digitalen Museumsführer: Die Barberini App. Um sich zu orientieren, können Besucher vorab das Museum in 360°-Panoramen erkunden. Dank neuester Technologie, sogenannten eBeacons, können die Besucher im Museum verortet werden. So werden den Nutzern etwa mit dem Entdecker-Modus der App bestimmte Kunstwerke in den jeweiligen Räumen vorgeschlagen. Lieblingsexponate können in der App gesammelt werden.

Die Produkte und Konzepte sind vom 13. bis zum 15. Oktober im Erlebnisquartier der Schiffbauergasse in Potsdam zu sehen.

Von Josefine Kühnel

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