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Von Hut bis Stiefel ein sympathischer Preuße

Traditionspflege in Königs Wusterhausen Von Hut bis Stiefel ein sympathischer Preuße

Detlef Wachs aus Königs Wusterhausen trägt die Uniform der Riesengarde des Königs – aber Exerzierschritt oder Pulverdampf sind seine Sache nicht. Der freundliche Mann verbreitet lieber Frohsinn statt Angst.

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Detlef Wachs in Uniform.

Quelle: Foto: Rümmler

Königs Wusterhausen. Man schaut auf: Der „Lange Kerl“ von der Leibgarde des Königs misst immerhin stolze 1,92 Meter. Er ist nicht nur der Hingucker auf märkischen Volksfesten und Partys. Er vertritt Brandenburg auch auf Tourismusmessen im In- und Ausland. Seine Uniform ist überall Blickfang. In der Montur steckt Detlef Wachs, der so seit 1993 in Stadt und Land unterwegs ist. „Ich nenne mich einfach nur Urlaubsbotschafter“, sagt der Familienvater.

Die 1675 gegründete Potsdamer Riesengarde von Friedrich Wilhelm I. exerzierte einst vor Schloss Königs Wusterhausen. Den Schritt hatte Detlef Wachs, selbst Königs Wusterhausener, übrigens nie drauf. „Ich trage zwar Uniform, aber kein Schwarzpulver-Gewehr.“ Besonderer Fan des preußischen Militärs sei er ohnehin nie gewesen. Vielmehr will Wachs Historie mit Augenzwinkern vermitteln: „Mit meinem Programm ,Preußische Geschichte und Brandenburger Gegenwart’ bin ich nicht nur auf großen Veranstaltungen zu sehen.“ Sehr gern tritt der „Lange Kerl“ bei Hochzeitsfeiern oder Jubiläen als Überraschungsgast auf. Seine Mini-Show dauert um die 25 Minuten.

Schlossfest mit zwei Jubiläen


Bei einem Schlossfest feiert Königs Wusterhausen am Samstag ein Doppeljubiläum. Vor 15 Jahren wurde das Schloss Königs Wusterhausen nach Sanierung wieder eröffnet. Und vor 25 Jahren gründete sich der Verein „Potsdamer Riesengarde ‚Lange Kerls‘ e.V.“.

Es gibt ein Biwak der „Langen Kerls“ im Schlossgarten, Wachaufzüge, Exerzierübungen und einen Festumzug.

Aktuelle Geschehnisse aus Sport und Politik baut Detlef Wachs in seine Auftritte ein. Für Geburtstagskinder gibt’s den Brandenburg-Orden. „Die Medaille lag gestern noch im Panzerschrank von Ministerpräsident Woidke“, sagt Wachs dann im Scherz. Seine Auftritte gehen aber nie nach „Schema F“. Am Ende singen wir unsere Hymne „Märkische Heide“, erklärt der sympathische „Kerl“, im richtigen Leben bei der Tourismus Marketing Brandenburg (TMB) tätig.

Schwitzkur neben hübschen Damen

Kuriose Szenen gab es bei Auftritten oft. Beispielsweise, als er in Königs Wusterhausen mal ein Dessous-Geschäft mit eröffnete. „Bei plus 30 Grad steckte ich in Uniform. Neben mir standen zwei hübsche Damen in Dessous. Gefühlt waren das für mich dann plus 50 Grad.“ Die weiteste Tour führte ihn mal bis Mallorca, wo er im Auftrag der TMB für Brandenburg warb. In Malmö, Kopenhagen und Budapest war er als „Langer Kerl“ auch schon – „mal ein bisschen Action machen“, wie ihn seine Chefs baten.

Der gebürtige Miersdorfer (Dahme-Spreewald) trat schon vor hochrangigen Politikern sowie vor Reise-Journalisten auf. Zu seinem Zweit-Job kam Wachs wie die Jungfrau zum Kinde, wie er sagt. Weil der ursprüngliche Darsteller kurz vor einer Messe absagte, musste er einspringen.

Zunächst hatte er dem Tourismus-Chef geantwortet: „Das mach ich nie.“ Kurz darauf stand Detlef Wachs in den Babelsberger Filmstudios, wo man ihm die Uniform eines Grenadiers des Roten Leibbataillons von 1716 auf den Leib schneiderte. Etwa 20 Minuten braucht er, um in die Montur zu schlüpfen und sie zu präparieren. Sie passt noch wie am ersten Tag! Mittlerweile übernimmt der 62-Jährige normale Moderationen – „als Mensch verkleidet“, wie Wachs mit tiefer Stimme erklärt.

Woidke: Ab 1,90 Meter duzen sich alle

Natürlich liefen ihm in den letzten 22 Jahren jede Menge Stars und Sternchen über den Weg. Von Katja Ebstein bis Dagmar Frederic. In Erinnerung sind ihm aber auch die früheren Brandenburger Ministerpräsidenten Manfred Stolpe und Matthias Platzeck, mit denen er gut konnte. Dies gelte auch für den aktuellen Landesvater Dietmar Woidke (alle SPD). Als Wachs den gebürtigen Forster bei einem Auftritt mal siezte, entgegnete Woidke, selbst ein Hüne, dass sich alle Leute ab 1,90 Meter duzen.

Privat brauche er nicht so viel Remmidemmi – das habe er oft genug im Berufsleben oder auf diversen Festbühnen. Mal verschlägt es ihn zu Union oder Hertha BSC, mal zu den Volleyballern von den Netzhoppers Königs Wusterhausen. Sein Brandenburg kenne er mittlerweile wie die eigene Westentasche, sagt Wachs. „Ich glaube, die wichtigen Ecken hab’ ich wirklich alle gesehen.“ Dazu zählen fast jeder Winkel Potsdams, aber auch Spreewald und Uckermark. Da er sich die Fragen für die Quiz-Runden seiner Shows selbst ausdenkt, erweitert sich sein Wissen über Land und Leute ständig. In seiner Heimatstadt ist er bekannt wie ein bunter Hund. Da wird aus einem geplanten zehnminütigen Einkauf in der Bahnhofstraße schnell mal eine Stunde.

 

Info: www.langerkerl-kw.de

Von Jens Rümmler

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