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Brandenburg Von Namibia in die Uckermark
Brandenburg Von Namibia in die Uckermark
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08:57 17.06.2014
Neu-Uckermärker: Steffi (41) und Sven Heussen (40) sowie deren Kinder Sören (7, v.l.), Silja (10) und Sebastian (12) unter einem Baum des „Wiesenhofs“. Quelle: Klaus-Dietmar Gabbert
Templin

Sie kamen im Februar vor zwei Jahren bei minus 17 Grad sowie Eis und Schnee in ihre neue Heimat Uckermark. „Das war schon das absolute Kontrastprogramm“, erinnert sich Sven Heussen (40). Zwei Tage zuvor hatten er, seine Frau Steffi (41) und die drei Kinder Sebastian (12), Silja (10) und Sören (7) noch am Strand des Atlantik gesessen. Doch der strenge Winter in Brandenburg schreckte die Familie aus Namibia nicht, denn ihr Entschluss stand da schon längst fest: Wir tauschen unsere afrikanische Heimat gegen ein neues Leben in der Uckermark.

„Sonne, Hitze und Trockenheit hatten wir zur Genüge“, sagt Steffi Heussen, die in der Wüste von Namibia aufgewachsen ist. Üppig grüne Natur, jede Menge Wasser und ein beschauliches Leben auf dem Lande hingegen fanden sie in Templin, wo Familie Heussen die Pension „Wiesenhof“ übernahm. Eigentlich hatten die Namibier deutscher Abstammung nie vorgehabt, auszuwandern. Sven und Steffi führten ein gut gehendes Hotel plus Restaurant in Windhoek. Doch ein Zufall brachte das Fernweh. Herr Heussen-Senior hatte sich zur Ruhe gesetzt und sich einen Bungalow am Lübbesee in Templin zugelegt. „Als wir ihn im Herbst vor vier Jahren erstmals besuchten, wusste ich irgendwie: Hier gehören wir her“, erinnert sich die Sozialwissenschaftlerin Steffi.

Zweiter Zufall ein Jahr später: Gert Heussen suchte ein Ferienobjekt, dass er verpachten wollte. Sohn Sven samt Familie sollte ihm dabei helfen. „Kurz bevor wir wieder abreisten, entdeckten wir den Wiesenhof und bekamen Lust, den selbst zu führen“, erzählt sich der Familienvater, der ebenso wie sein Vater das Potential der etwas heruntergewirtschafteten Pension inklusive des verwilderten 13 000 Quadratmeter großen Grundstücks erkannte. Auf einer Anhöhe gelegen, bietet sich dem Betrachter von der Terrasse aus ein traumhafter Panoramablick über Sumpfwiesen und den Templiner Kanal. „Hier stand damals ein alter Stall“, erzählt Heussen schmunzelnd, denn seit er und seine Familie vor zwei Jahren das Areal übernahmen, haben sie es zum Erfolg geführt. In der Hauptsaison ist der „Wiesenhof“ zumeist ausgebucht.

Allerdings backen sie in der Uckermark weitaus kleinere Brötchen als in der alten Heimat. Aus der 1923 gebauten ehemaligen Villa des Stadtbaumeisters von Templin machten sie fünf großzügig geschnittene und ausgestattete Appartments. Die Familie selbst zog in die frühere Kneipe „Wiesenhof“. Angestellte gibt es nicht, Sven und Steffi machen alle Arbeiten selbst. „Das war erst einmal eine Umstellung, in Windhoek hatten wir viele Mitarbeiter und waren die Manager“, erzählt Steffi Heussen. Dafür mussten sie dort in den vergangenen zwölf Jahren quasi jeden Tag arbeiten.

Da sie nun in der Uckermark ihr Glück gefunden haben, wollen die Heussens das neue Leben auch genießen. „Die Schönheit liegt hier quasi vor der Haustür – wir schätzen, was wir haben“, macht der studierte Betriebspsychologe Sven Heussen deutlich.

Zumal sich die Familie in Templin tatsächlich aufgehoben fühlt. „In Namibia ist man aufgrund der unsicheren politischen Verhältnisse als Weißer nicht mehr wohl gelitten“, deutet Heussen an. In der Uckermark hingegen sei er auf Individualisten getroffen, wie er selbst. „Die haben ihren eigenen Kopf, einen ganz speziellen Charakter. Da passen wir gut rein“, beschreibt der 40-jährige Familienvater. Auch Ehefrau Steffi ist von den neuen Nachbarn angetan. Sie fasziniert vor allem die Offenheit, die Bodenständigkeit und Unkompliziertheit der Uckermärker. Ihre drei Kinder seien bereits echte Brandenburger – inklusive des landesüblichen Dialekts. Neue Freunde zu finden, fiel keinem aus der Familie schwer. „So intensive, von Hilfsbereitschaft und tatsächlichem Interesse geprägte Beziehungen kannten wir aus Afrika nicht“, bekennt Sven Heussen. Die Freunde aus der alten Heimat – anfangs voller Skepsis ob der Auswander-Pläne – waren aber auch schon alle zu Besuch in Templin. „Sie können inzwischen verstehen, dass wir nicht zurück wollen.“

Expansionspläne haben die Heussens trotz des Erfolgs mit dem „Wiesenhof“ nicht. „Alles soll klein und individuell bleiben. Wir wollen uns um jeden Gast persönlich kümmern“, sagt der Hausherr bestimmt. Sie könnten als Familie gut von den fünf Apartments leben, zumal die Lebenshaltungskosten viel niedriger als in Großstädten seien. Die schönsten, verschwiegendsten oder aufregendsten Ecken Templins hat der Hausherr höchstpersönlich mit dem Kanu oder dem Fahrrad erkundet. Nun kann der gebürtige Afrikaner seinen naturinteressieren Gästen die zumindest einen Teil der Uckermark erklären.

DIE UCKERMARK

  • Der größte Teil der Uckermark liegt als Landkreis in Brandenburg , ein kleiner Teil gehört zu Mecklenburg-Vorpommern. Die eiszeitlich geprägte Hügellandschaft ist von der Seenkette des Ober- und Unteruckersees sowie vielen kleineren Seen durchzogen, im Süden überwiegen Buchenwälder.
  • Im Osten der Uckermark liegt der Nationalpark Unteres Odertal, im Süden das Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin. Im Westen befindet sich der Naturpark Uckermärkische Seen. Er ist mit einer Fläche von 897 Quadratkilometern der drittgrößte der elf Brandenburger Naturparks.
  • Wichtige Orte sind neben der Kreisstadt Prenzlau und der größten Stadt Schwedt die beiden ehemaligen Kreisstädte Angermünde und Templin.
  • In der Wirtschaft sind Erdölverarbeitung, Papierherstellung, Tourismus, Landwirtschaft, Windkraft, Herstellung von Solaranlagen und die Nahrungsmittelindustrie zu nennen.

Von Jeanette Bederke

Kontakt zur Pension im Internet unter: www.wiesenhof-templin.de

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