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Brandenburg Von der hohen See auf die Havel
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18:46 21.04.2017
Kapitän Ulrich Wolff im Steuerhaus der MS Belvedere. Quelle: Katinka Reiner
Potsdam

„Noch ein bisschen mehr Steuerbord!“ Ulrich Wolff (62), Kapitän auf der MS Belvedere, gibt seinem Kollegen am Steuer Anweisungen. Langsam und behäbig dreht sich das lange Passagierschiff aus dem Potsdamer Hafen heraus. Im Steuerhaus auf der Belvedere ist es eng. Rechts befinden sich unzählige bunte Knöpfe. Geradeaus ein Lenkrad, Hebel und ein kleiner Bildschirm. Kühle Luft zieht in den Raum. Die Sonnenterrasse ist menschenleer.

Ulrich Wolff ist schon seit 2006 Schiffsführer auf der Belvedere. Seit das moderne Schiff gebaut wurde. Früher ist er zur See gefahren. Hat auf Frachtschiffen die ganze Welt gesehen. Dann war er Binnenschifffahrer. Irgendwann waren es ihm dann zu viele Reisen. Wochenlang nicht zu Hause. Seit 17 Jahren arbeitet er jetzt für das Unternehmen Schifffahrt in Potsdam, das Ausflugsfahrten für Touristen anbietet. „Auf Passagierschiffen muss man natürlich auch viel am Wochenende arbeiten. Da muss man sich dann ein bisschen umorganisieren.“ Zumindest ist er jetzt abends zu Hause.

Zwei Stunden vor dem Ablegen beginnt die Schicht

Der Arbeitsalltag folgt einer klaren Struktur. Zwei Stunden vor der ersten Fahrt beginnt seine Schicht. Streng nach der Seefahrer-Weisheit: „Zehn Minuten vor der Zeit, ist des Seemanns Pünktlichkeit.“ Gemeinsam mit seinem Bootsmann bereitet Wolff dann das Schiff vor. „Wir kümmern uns hier um alles selbst. Sauber machen, die Technik überprüfen, tanken.“, erklärt der Kapitän. Bei unserem Besuch ist die Schlösserrundfahrt dran. Schloss Babelsberg, Sacrower Heilandskirche, Schloss Cecilienhof und wieder zurück in neunzig Minuten. Dreimal hintereinander. Langweilig findet Wolff das nicht. „Es gibt so viel zu sehen hier. Ständig ändert sich was“, erklärt er, als das Schiff gerade unter der Glienicker Brücke durchschippert. Außerdem kann er selbst Routen vorschlagen, die die Belvedere fährt. Einmal im Jahr steuert er sein Schiff, das 2006 gebaut wurde, zum Beispiel nach Magdeburg. An einem Tag hin, am nächsten Tag wieder zurück. „So komme ich ab und zu mal raus“. Er lacht.

Die Besatzung des Schiffs besteht normalerweise aus Wolff selbst, einem Bootsmann und dem Gastronomiepersonal. Heute arbeitet der Chef noch einen weiteren Kollegen am Steuer ein. Im Innenraum des Schiffs haben die Kellner viel zu tun. Fast alle Tische sind besetzt. Gruppen von Rentnern, Paare und Familien unterhalten sich lautstark. Kaffeetassen klirren. Eine Lautsprecherstimme klärt die Reisenden über die Geschichte des Schlosses Cecilienhof auf. Auf längeren Fahrten übernimmt der Kapitän das Entertainment persönlich.

Der Kapitän sorgt auch für die Wikipedia-Eintragungen

Wolff, der in Werder geboren ist, kennt die Gegend wie seine Westentasche und interessiert sich für die geschichtlichen Hintergründe. Nach Feierabend schreibt er gerne Artikel in Wikipedia. „Das macht Spaß nach einem langen Arbeitstag“, erzählt er. Den Wikipedia-Eintrag zu seinem Schiff, der MS Belvedere, hat er selbst verfasst.

Nach exakt 90 Minuten ist die Belvedere dann wieder im Hafen Potsdam. Wolff dirigiert seinen jungen Kollegen wieder zurück in die Anlegestelle. „Ja, nicht ganz so schnell. Gut so.“ Bevor die Tour dann wieder von vorne beginnt.

www.schifffahrt-in-potsdam.de

Fahrgastschifffahrt in Potsdam

1888 wurde eine Schifffahrtsgesellschaft in Berlin gegründet, die auch über die Potsdamer Seen fuhr.

Zu DDR-Zeiten konnten die Fahrgastschiffe nur havelabwärts Richtung Werder fahren. 1990 legte ein Potsdamer Schiff erstmals wieder in Wannsee an.

Zur heutigen Flotte gehören acht Schiffe in Potsdam.

Am Sonntag, 15 Uhr, wird die Hauptsaison mit der 59. Potsdamer Flottenparade und dem Hafenfest an der Langen Brücke eröffnet.

Von Katinka Reiner

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