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Brandenburg Dutzende Pferde von Gnadenhof verschwunden
Brandenburg Dutzende Pferde von Gnadenhof verschwunden
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00:20 03.02.2018
Pferd "Calando" ist verschwunden. Foto: Leonie Beneker  Quelle: Picasa
Potsdam

Calando, ein rotbrauner Wallach, war erst elf Jahre alt, als seine Karriere als Sportpferd endete. Eine Verletzung am Huf war schuld. „Er stolperte bei Belastung – ich bin mit ihm hingefallen“, sagt Besitzerin Franziska Pade. Im Mai 2016 trennte sich die 24 Jahre alte Lehramtsstudentin aus Wustermark (Havelland) schweren Herzens von jenem Tier, dem sie so viele Kunststückchen beigebracht hatte. „Er konnte sitzen, Küsschen geben und auf Befehl wiehern“, sagt die junge Reitlehrerin.

Die Hofbetreiberin gab sich mitfühlend

Tränen hatte die Brandenburgerin in den Augen, als sie sich auf dem Gnadenhof im niedersächsischen Grasberg (bei Bremen) von ihrem Gefährten verabschiedete. Hofbetreiberin Wiebke M. habe sie in den Arm genommen, erzählt Franziska Pade. Calando solle es gut haben bei ihr – und seine lange Pferderente genießen können. Knapp zwei Jahre sind seither vergangen. Von Calando fehlt jede Spur und die angeblich so fürsorgliche Pferdepflegemutter ist abgetaucht.

Auf Anrufe reagiert sie nicht. Bei der Polizei sind mehr als 20 Anzeigen eingegangen wegen des Verschwindens von Pferden – zwei der Geschädigten kommen aus Brandenburg. Nach Einschätzung von Franziska Pade beläuft sich die Zahl der Geschädigten schon auf 36.

Halterin Franziska mit "Calando" – jetzt sucht sie ihr Ex-Pferd.  Quelle: Leonie Beneker

Die Staatsanwaltschaft in Verden (Niedersachsen) bestätigte der MAZ, dass Ermittlungsverfahren wegen Betruges gegen die Hofbetreiberin liefen, wollte sich aber nicht zum Inhalt äußern. Auch die Gnadenhof-Besitzerin schweigt zu den Vorwürfen.

Gnadenbrot ist eine uralte Tradition – betagte Nutztiere entkommen so seit Menschengedenken dem Schlachter. Irgendeine gütige Seele stellt die Pferde im Stall unter, gibt ihnen Heu und Wasser. Warum aber sollte jemand diese Einrichtung missbrauchen?

„Calando konnte auf Kommando wiehern“, sagt Reiterin Franziska Pade. Sie musste das Pferd wegen einer Verletzung abgeben.  Quelle: Leonie Beneker

Die Geschädigten, die sich über Facebook vernetzt haben, vermuten ein kühles Rechenmodell hinter der freundlichen Fassade der Tierliebe: Die Tiere wechseln für einen symbolischen Euro den Besitzer – beim Abdecker gibt es selbst für ein altes Ross noch 400 Euro. Sind die Pferde noch fitter, könnten sie erneut als Freizeitpferde verkauft werden.

Fit gespritzt für einen Weiterverkauf?

Verletzungen, so berichtet Reitlehrerin Pade, könnten mit Medikamenten wie Hyaluronsäure für eine gewisse Zeit „weggespritzt“ werden. Die Chemikalie wird sonst in der Schönheitschirurgie eingesetzt. Man kann damit beim Menschen runde Pobacken oder geschwungene Lippen modellieren.

In der Tat fanden zwei der Betroffenen im Internet ihre Tiere wieder – für 8000 Euro. „Eine Frau hat ihr Pferd für einen mittleren vierstelligen Betrag wieder zurückgekauft, sagt Franziska Pade. Auf einem Vorkaufsrecht hatten beide Brandenburger Halterinnen bestanden.

Den Halterinnen erzählte die Käuferin immer die gleiche Geschichte

Es geht um große Emotionen. „Racoon war mein Herzenspferd, wie man unter uns Reitern sagt“, erzählt Kerstin G. aus Dallgow (Havelland). Die 37-Jährige musste ihren Wallach abgeben, weil die laufenden Kosten für das an Verletzungen laborierende Tier ihr über den Kopf wuchsen. Knieprobleme, ein Kreuzbandriss – auf Wiebke M.’s Hof in Niedersachsen sollte es das 17 Jahre alte Tier mit der schmalen hellen Blässe gut haben.

Die Gnadenhof-Unternehmerin tischte der Dallgowerin die gleiche Geschichte auf wie der Studentin aus Wustermark: Sie selbst habe eine Stute, die nicht mehr ganz frisch sei. Für die suche sie Gesellschaft; von einem „Beistellpferd“ spricht man in der Reiterszene, denn die Tiere sind sehr gesellig. Am Tag des großen Abschieds fuhr ein Auto mit Hänger vor. „Darin stand schon ein Pferd – an dem Punkt hätte ich wach werden müssen“, sagt Kerstin G.

„Nie wieder würde ich ein Pferd so weggeben“

Am Abend tauschten die alte und die neue Besitzerin noch einmal übers Handy Nachrichten aus. „Wiebke schrieb, sie habe die Pferde bettfertig gemacht“, sagt Kerstin G. Zwei Wochen später antwortete die Gnadenhofchefin schon nicht mehr. „Ich fühle mich betrogen, nie wieder würde ich ein Pferd so weggeben“, sagt die Dallgowerin.

Einige Pferde sollen bereits tot sein. Auffällig ist dabei die immer gleiche Todesursache: Aortaabriss oder Kolik – also Verstopfung. Allerdings sind die Tiere nicht bei den Reiterverbänden, wo sie registriert waren, abgemeldet worden. Denn Pferde haben eine Art Personalausweis, der im Todesfall vom Schlachter an den Verein zurückgeschickt werden muss, in dem das Tier registriert ist. Studentin Franziska Pade will sich nicht abfinden mit dieser vermutlich systematischen Mauschelei auf dem Rücken der Tiere. Als sie auf Facebook eine Offensive startete, habe der Lebensgefährte der Gnadenhofbetreiberin sie bedroht. Pade hat den Mann angezeigt.

Von Ulrich Wangemann, P. Hellering und T. Petersen

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