Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Brandenburg Vor 175 Jahren wurde der RE1 geboren
Brandenburg Vor 175 Jahren wurde der RE1 geboren
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:19 02.12.2017
Illustration aus dem "Bericht der Direction der Berlin-Frankfurter Eisenbahn-Gesellschaft" von 1842. Es stellt die zwischen Berlin und Frankfurt verkehrende Lok der amerikanischen William-Norris-Werke mit Personen- und Pferdewagen dar. Quelle: SLUB DRESDEN
Anzeige
Potsdam

Die Kundschaft der Bahn wächst nirgends in Deutschland so stark wie in der Hauptstadtregion. Der Verkehrsverbund VBB verzeichnete im vergangenen Jahr mehr als fünf Prozent Passagierzuwachs, und ein Ende der Entwicklung ist nicht abzusehen. Am Mittwoch traf sich zum ersten Mal der neue Lenkungsausschuss mit Vertretern von Berlin, Brandenburg und der Bahn, um über den Ausbau von Bahnstrecken bis zum Jahr 2030 zu beraten. Konkrete Ergebnisse wurden noch nicht vereinbart; Brandenburg stellt sich auf lange und komplizierte Gespräche ein, schließlich geht es um wichtige Fragen wie die Verlängerung von S-Bahn-Strecken, die Wiederbelebung der Potsdamer Stammbahn und um die Zukunft der wichtigsten Pendlerstrecke, der Linie RE1.

60 Prozent mehr Passagiere bis 2030

Die Planer gehen davon aus, dass sich bis 2030 die Nachfrage um 60 Prozent steigern wird. „Das ist eine wichtige Verbindung auch in Richtung Polen“, sagt Bahn-Sprecher Burkhard Ahlert. Er weiß auch, dass die Bahn mit dem Aufbau der Linie an eine Geschichte anknüpft, die vor 175 Jahren die Mobilität im heutigen Brandenburg revolutionierte.

So sah der Vorläufer des RE1 aus. Quelle: SLUB DRESDEN

Vom „Raum- und Zeiten-Überwinder“ schwärmte am 22. Oktober 1842 der Berliner Hofrat und Dichter Friedrich Christoph Förster in Frankfurt (Oder). Um neun Uhr morgens war vom Frankfurter Bahnhof in Berlin eine Lok gestartet und hatte drei Stunden später eine 81 Kilometer lange Strecke zurückgelegt. Gegen zwölf Uhr kam die von den William-Norris-Werken in Philadelphia gebaute Lokomotive im neuen Bahnhof Frankfurt (Oder) an. Damit war die Eröffnung der Eisenbahnverbindung zwischen dem heutigen Berliner Ostbahnhof und der Stadt Frankfurt gelungen – und Preußen war in ein neues Zeitalter der Mobilität katapultiert worden. Die Reisedauer reduzierte sich von zwölf auf drei Stunden. Heute ist man mit dem RE 1 knapp eine Stunde unterwegs.

Startschuss im Jahre 1835

Vor 175 Jahren fuhr der erste Zug von Berlin nach Frankfurt (Oder). Es war der Startschuss für die wichtigste Bahnstrecke Brandenburgs. Drei Stunden dauerte die Fahrt. Zwei Stunden dauerte die Tour über gut 80 Kilometer Anfang der 90er Jahre. 1994 wurde der RE 1 eingeführt – mit gut einer Stunde Fahrzeit.

Der Ausbau der Strecke mit täglich mehr als 45 000 Passagieren ist Gegenstand der Beratungen zwischen Berlin, Brandenburg und der Bahn, die nun begannen.

Mit der Eröffnung der ersten größeren Verbindung auf damals preußischem Boden durch die Niederschlesische-Märkische Eisenbahngesellschaft hatte das Bürgertum der Messestadt Frankfurt (Oder) erreicht, wofür es jahrelang gestritten hatte. Schon damals ging es, wie heute bei den Verhandlungen zum Landesnahverkehrsplan, für die Oderstadt darum, nicht vergessen zu werden: „Das ,Frankfurter patriotische Wochenblatt’ hat seit 1833 dafür gekämpft, dass Frankfurt nicht abgehängt wird“, sagt Jan Musekamp. Der Historiker, der am Lehrstuhl für Europäische Zeitgeschichte der Europa-Universität Viadrina arbeitet, beschäftigt sich schon seit 2008 mit dem frühen Streckennetz der Eisenbahn auf deutschem Boden. „Eine Handelsstrecke Richtung Breslau über Frankfurt-Oder war nicht selbstverständlich“, sagt Musekamp.

Seit 1994 fährt der Regionalexpress zwischen Berlin und Frankfurt (Oder). Quelle: dpa-Zentralbild

Kürzer wäre die Strecke über Cottbus nach Forst und dann über die Oder gewesen. Aber die eifrige Lobbyarbeit der Berlin-Frankfurter Eisenbahngesellschaft zeitigte Erfolg und bescherte Preußen seine erste längere Eisenbahnstrecke überhaupt. Nur die kurze Verbindung von Potsdam nach Berlin war im Jahr 1838 vier Jahre früher fertig geworden. Finanziert wurde der Bau durch Aktien. Musekamp vergleicht den damaligen Eisenbahnenthusiasmus mit dem T-Aktien-Hype der Telekom 1996.

Der Einsatz der Frankfurter für die Anbindung ihrer Messestadt hatte einen guten Grund. 1839 war die Strecke Leipzig-Dresden als erste deutsche Fernbahnstrecke eröffnet worden und Leipzig wurde allmählich zum wichtigsten Verkehrsknotenpunkt in Mitteldeutschland. Weiter im Südwesten des Deutschen Bundes schickte sich die Freie Stadt Frankfurt am Main an, ihrem nordöstlichen Namensvetter den Rang abzulaufen. Auch Frankfurt am Main war schon 1839 an das neu entstehende Schienennetz angeschlossen worden. Die Verbindung lief von Mainz über Wiesbaden nach Frankfurt.

„Für Frankfurt (Oder) bedeutete die neue Bahnstrecke immerhin, dass es nicht hintenan, sondern auf der Höhe der Zeit blieb“, sagt Forscher Musekamp. So konnte es an der Oderstadt weiterhin einen Austausch des Handels zwischen Ost und West geben. Ab 1862 konnte man auf der Strecke ja immerhin von Berlin bis nach Sankt Petersburg gelangen. Auch manche prominente Reisende profitierten von diesen Verbindungen. Der preußische König nutzte die Strecke, wenn er nach Breslau fuhr, ebenso wie umgekehrt russische Adlige für ihre Reisen zu den deutschen Seebädern in diese Züge stiegen. Auch der zeitweise zwischen Erkner (Oder-Spree) und seinem schlesischen Anwesen pendelnde Schriftsteller Gerhart Hauptmann soll öfter in den Zügen gesessen haben.

Auch wenn es zwischenzeitlich eine Ermüdung gab: Musekamp ist sicher, dass Frankfurt heute wieder von dieser langen Tradition profitiert. Der Historiker erinnert an das 2005 auf der Fläche des ehemaligen Rangierbahnhofs eröffnete Güterverkehrszentrum (GVZ). Das sieht sich selbst als Hauptverkehrsachse für Ost-West-Verbindungen. Wie sich die Strecke in der Vergangenheit und der jüngsten Zeit entwickelte, können Besucher der Frankfurter Viadrina ab Mai 2018 in Wort und Bild sehen. Jan Musekamp und seine Studenten wollen in einer Wanderausstellung den Bogen vom Jahr 1842 bis in unsere bau- und reisewütige Gegenwart spannen und an einzelnen Medienstandorten auch Zeitzeugen zu Wort kommen lassen.

Die Deutsche Bahn bestätigt die Bedeutung der Strecke. „Das ist eine wichtige Verbindung auch in Richtung Polen“, sagt Sprecher Burkhard Ahlert. Deshalb werde sie derzeit auch ausgebaut. Der auf ihr verkehrende RE 1 sei der am stärksten frequentierte Zug der Region. Natürlich habe das heutige Gleisbett nur noch wenig mit dem Schienenstrang anno 1842 zu tun. Immerhin brausen die Züge heute mit Tempo 150 dahin – und nicht mehr wie damals mit gemütlichen 27 Kilometern in der Stunde. Wie sich die Strecke in der Vergangenheit und der jüngsten Zeit entwickelte, können Besucher der Frankfurter Viadrina spätestens ab Mai 2018 in Wort und Bild sehen. In einzelnen Medienpunkten der Ausstellung wollen Jan Musekamp und seinen Studenten auch Zeitzeugen zu Wort kommen lassen, die über den Schienenverkehr vergangener Tage berichten.

Von Rüdiger Braun

Ein Vorstoß aus der Union sorgt für Streit: Vor der Innenministerkonferenz in der kommenden Woche plädieren die Innenminister aus Sachsen und Bayern für Abschiebungen ins Bürgerkriegsland Syrien. Der geltende Abschiebestopp soll nur bis Ende Juni 2018 gelten und nicht, wie vorgesehen, bis Ende 2018. Unterstützung dafür kommt von der Brandenburger CDU.

29.11.2017

Im ganzen Land Brandenburg gibt es in der Vorweihnachtszeit viele Spendenaktionen. Für welche Aktionen Sie spenden können, stellen wir Ihnen hier vor. Unter anderem für ein Kinderheim und für die Einrichtung „Tafel“.

29.11.2017

Die aktuelle Ausstellung „Hinter der Maske. Künstler in der DDR“ im Potsdamer Museum Barberini wirft auch Fragen der politischen Moral auf. Hartwig Ebersbach, Else Gabriel, und Hans-Hendrik Grimmling diskutierten über ihre Selbstbehauptung in der DDR.

02.12.2017
Anzeige