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Brandenburg „Vorsicht, Stufe!“ an der Bahn
Brandenburg „Vorsicht, Stufe!“ an der Bahn
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07:45 25.11.2016
Ab 2022 müssen Verkehrsmittel barrierefrei zugänglich sein. Quelle: Foto: Peter Geisler
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Potsdam

21 Zentimeter machen den Unterschied. Um genau diese Höhe unterscheiden sich die Bahnsteige von Bahnhöfen, die im Zuge des Ausbaus der Strecke Berlin – Dresden erneuert werden. Von den 18 Stationen auf Brandenburger Gebiet werden zehn eine Bahnsteighöhe von 76 Zentimetern aufweisen, acht werden 55 Zentimeter hoch sein. 55 Zentimeter sind für den Regionalverkehr optimal, weil sich der Einstieg in die auf den Strecken stark genutzten Doppelstockwagen auf dieser Höhe befindet. Während es in Baruth und Klasdorf (Teltow-Fläming) 55 Zentimeter sind, werden in Gehren (Dahme-Spreewald) und Doberlug-Kirchhain (Elbe-Elster) 21 Zentimeter mehr aufs Warteplateau gepackt.

CDU-Bahnexperte versteht die Welt nicht mehr

Mit Millionenaufwand werden auf der sogenannten Dresdner Bahn seit Sommer Gleise, Bahnsteige und Bahntechnik erneuert. 20 Bahnübergänge sollen durch Brücken oder Tunnel ersetzt werden. Ab Dezember 2017 soll auf der Trasse Tempo 200 möglich sein, um die Fahrzeit von bislang zwei Stunden von Berlin nach Dresden deutlich zu verkürzen. Die Kosten für das Projekt trägt überwiegend der Bund.

Rainer Genilke, verkehrspolitischer Sprecher der CDU im Landtag, versteht die Welt nicht mehr. „Warum wird hier mit zweierlei Maß gemessen? Das ist eine Fehlplanung mit erheblichen finanziellen Folgen. Die Bahnsteige müssen auf der gesamten Strecke auf 55er-Höhe angepasst werden.“ Genilke will deshalb einen Brief an Bahnchef Rüdiger Grube schreiben. Der CDU-Politiker verweist darauf, dass ab 2022 alle öffentlichen Verkehrsmittel barrierefrei zugänglich sein müssen. „Es ist Unfug, das bei Neubauten von Bahnanlagen, die Jahrzehnte im Betrieb sein werden, unberücksichtigt zu lassen.“

Es gibt eine bundesweit geltende Bahnsteighöhe von 76 Zentimetern

Im Fall der 76 Zentimeter hohen Bahnsteige ist ein problemloser Zugang für Behinderte, ältere Menschen oder Leute mit viel Gepäck und Kinderwagen nicht gewährleistet. Auf diesen Strecken sind Züge mit fahrzeuggebundenen Einstieghilfen erforderlich. „Im Fernverkehr mag das ja gehen. Aber der flexible Einsatz des Wagenparks im Regionalverkehr ist so nicht möglich. Es muss häufig umgeplant werden“, sagt Genilke. Die Kosten dafür blieben beim Land, dem Verkehrsverbund und privaten Anbietern hängen. Brandenburgs Infrastrukturministerin Kathrin Schneider (SPD) hatte sich barrierefreie Bahnsteige mit 55 Zentimetern Höhe gewünscht, war aber in den Verhandlungen mit der Bahn AG und dem Eisenbahnbundesamt gescheitert. Laut Schneider wolle die Bahn die bundesweit geltende Bahnsteighöhe von 76 Zentimetern einhalten. Das Bundesamt könne nur so die auf der Strecke geplanten hohen Geschwindigkeiten erlauben.

Angesichts solcher Erklärungsversuche kann Michael Hasse vom Bahnkundenverband nur mit dem Kopf schütteln. Laut Eisenbahn-Bau- und Betriebsordnung sollen Bahnsteige „in der Regel“ auf eine Höhe von 76 Zentimetern gelegt werden. „Abweichungen sind also erlaubt“, schlussfolgert Hasse. Da acht Bahnhöfe ohnehin auf 55 Zentimeter ausgelegt werden, seien die hohen Geschwindigkeiten der Züge wohl nicht das Problem.

Die unterschiedlichen Höhen sind historisch bedingt

Hasse glaubt, dass hier an Bestimmungen festgehalten werde, die nicht mehr zeitgemäß sind. „Das Regelwerk muss überarbeitet werden. Früher gab es zwei Bahnen – die Bundesbahn und in der DDR die Reichsbahn. Jetzt existieren zusätzlich zur Deutschen Bahn 44 Verkehrsverbünde.“ Vom Eisenbahnbundesamt war dazu am Donnerstag keine Stellungnahme zu erhalten.

Ein Bahnsprecher teilte mit, dass das Unternehmen dafür sei, im Interesse des universellen Einsatzes von Zügen Bahnsteige bundesweit einheitlich hoch zu bauen – und zwar auf 76 Zentimeter. Die meisten Bahnsteige auf der Strecke Berlin – Dresden lagen bisher bei 35 Zentimetern, was einen barrierefreien Einstieg unmöglich machte, so der Sprecher. Brandenburg sei man insofern entgegengekommen, dass alle Bahnhöfe, die dem Regionalverkehr dienen, auf 55 Zentimeter Bahnsteighöhe ausgelegt werden. Alle anderen Bahnhöfe und die Berliner Stationen erhalten 76er-Höhen. Die Unterschiede seien historisch bedingt und es werde angesichts der langen Nutzungsdauer der Anlagen nicht möglich sein, in absehbarer Zeit flächendeckend einheitliche Standards zu erreichen.

„Primäreres Kriterium für die Barrierefreiheit ist in erster Linie die Zugangsmöglichkeit zum Bahnsteig, die im Allgemeinen durch Rampen beziehungsweise Aufzüge oder Blindenleitsystem realisiert wird. Die Bahnsteighöhe ist dabei das nachgeordnete Kriterium“, so der Bahnsprecher.

Von Volkmar Krause

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