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Wachgewerbe warnt vor „schwarzen Schafen“

Sicherheitsfirmen in Brandenburg Wachgewerbe warnt vor „schwarzen Schafen“

Lohndumping und unzureichende Qualifizierung von Mitarbeitern bringen Sicherheitsdienste, die auch Flüchtlingsheime bewachen, in Verruf. Der Städte- und Gemeindebund ruft dazu auf, dass bei der Vergabe von Aufträgen im Sicherheitsbereich neben wirtschaftlichen auch Qualitätskriterien herangezogen werden sollen.

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Seit der Flüchtlingskrise hat die private Wachschutzbranche einen enormen Aufschwung erlangt.

Quelle: dpa

Potsdam. Die private Sicherheitsbranche in Brandenburg warnt vor „schwarzen Schafen“ in den eigenen Reihen. „Die Flüchtlingskrise hat die ohnehin schon bestehenden Probleme noch verschärft“, sagte Matthias Schulze, Vorsitzender der Landesgruppe Brandenburg beim Bundesverband der Sicherheitswirtschaft (BDSW). So drängten immer mehr Wettbewerber auf den Markt, die sich nicht an gesetzliche Vorgaben hielten, etwa bei Lohn- und Qualifizierungsstandards.

Hintergrund ist der enorme Aufschwung, den die Branche erfahren hat. Im ersten Quartal 2016 verzeichnete sie bundesweit ein Umsatzplus von 39,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Vor allem wegen der zu betreuenden Flüchtlingsunterkünfte stieg die Zahl der Beschäftigten um 17,9 Prozent – viele von ihnen seien unterbezahlt und nicht ausreichend qualifiziert, wie Schulze betonte. „Der Staat muss ordnend eingreifen. Ich erwarte, dass die Leute eine fundierte Ausbildung haben.“

Um als Wachschützer zu arbeiten, genügt die Teilnahme an einem einwöchigen Kurs bei einer Industrie- und Handelskammer (IHK). Für Schulze ist diese Hürde zu gering, da der Erfolg nicht geprüft werde. Zudem sollen sich einige Wettbewerber um die sogenannte Unterrichtung drücken: Im Internet werden gefälschte Teilnahmebestätigungen angeboten. Grund seien lange Wartelisten für die Kurse. Die Nachfrage sei groß, bestätigen auch die Kammern in Potsdam, Cottbus und Frankfurt (Oder). Dass gefälschte Teilnahmebestätigungen im Umlauf sind, ist bekannt, so Potsdams IHK-Sprecher Detlef Gottschling.

In vielen Flüchtlingsheimen werden auch auf legalem Wege Wachschützer beschäftigt, die dafür nicht ausgebildet sind. „Vergeben öffentliche Behörden den Betrieb eines Heimes inklusive der Sicherheit in eine Hand, gibt es keine Mindestanforderung an die Qualifizierung“, so Schulze. „Das ist legal, aber fachlich daneben.“ Außerdem sollen Wettbewerber den tariflich garantierten Stundenlohn von 9,70 Euro unterschreiten, um die Preise zu drücken.

„Es gibt diese Probleme, auch wenn es sich um Einzelfälle handelt“, räumt Karl-Ludwig Böttcher ein, Geschäftsführer des Städte- und Gemeindebundes Brandenburg. Bei der Vergabe von Aufträgen im Sicherheitsbereich seien neben wirtschaftlichen auch Qualitätskriterien heranzuziehen.

Branche mit rasantem Wachstum

8222 Beschäftigte zählte das Sicherheitsgewerbe in Brandenburg zum Jahresanfang 2015. Im Jahr davor waren es noch 7364. Wachstum: 11,7 Prozent.

39,5 Prozent höher lag der Umsatz der Sicherheitsdienste in Deutschland im 1. Quartal 2016 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

15 000 Stellen sind derzeit deutschlandweit nicht besetzt. 2015 wuchs Zahl der Beschäftigten um 15 000 auf 235 000.

Von Bastian Pauly

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