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Flüchtling attackiert - Wachleute sehen zu

Messerattacke in Ludwigsfelde Flüchtling attackiert - Wachleute sehen zu

Debatte um die Sicherheit in Asyl-Unterkünften: Jetzt sind neue Details zu einer brutalen Messerattacke im März in Ludwigsfelde bekannt geworden. Während ein Flüchtling fast getötet wurde, verriegelten die Sicherheitsleute aus eigenem Schutz die Türen hinter sich und riefen die Polizei. Anschließend entlud sich die Wut der Heimbewohner an ihnen.

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Björn Lakenmacher, Landtagsabgeordneter der CDU.

Quelle: dpa

Ludwigsfelde. Reichen die Sicherheitsvorkehrungen in Asylunterkünften? Damit befasst sich am heutigen Donnerstag der Innenausschuss des Landtags. Ein Fall aus Ludwigsfelde vom März 2015 zeigt das Dilemma, in dem sich das Sicherheitspersonal befindet: Es soll für Ordnung sorgen – wenn aber Blut fließt, sind die schlecht bezahlten Wachschützer überfordert.

20. März, 23.20 Uhr, Übergangswohnheim Ludwigsfelde: Zwei Wachleute haben soeben die Nachtschicht angetreten und Kaffee getrunken. Da knallt jemand gegen die Tür des Dienst-Kabuffs. Durch die teilverglaste Tür sehen die Nachtwächter einen blutenden Mann, verfolgt von einem anderen, der ein Messer in der Hand hält. Die Wachleute verriegeln die Tür, deren Klinke der Hilfesuchende bereits in der Hand hat, und setzen einen Notruf an die Polizei ab. Vor ihren Augen sticht und schlägt der Verfolger auf den am Boden Knienden ein, minutenlang. Sie hätten an „Eigensicherung“ gedacht, sagen die Sicherheitsleute später in einer Vernehmung. Nur ein Heimbewohner greift ein: Ein einarmiger Tschetschene. Er trägt eine Stichverletzung davon.

Wachleute: „Keine Chance dazwischenzugehen“

Als endlich Polizisten ins Treppenhaus stürmen und den Messerstecher festnehmen, entlädt sich die Wut der Umstehenden. Beide Wachleute werden von Heimbewohnern angegangen – wegen ihres Rückzugs. Ihm sei schlecht gewesen vor Aufregung, gibt einer der Sicherheitsbediensteten an. Und: „Wir hatten keine Chance dazwischenzugehen.“ Das Opfer überlebte mit schweren Verletzungen. Vor dem Landgericht Potsdam läuft der Prozess gegen den mutmaßlichen Angreifer.

Privater Wachschutz in der Zwickmühle

Asylbewerberheime werden von privaten Sicherheitsdiensten bewacht. Deren Mitarbeiter haben oft nur eine 40-stündige Schnellbeschulung erhalten, sind nicht auf die Situation vorbereitet, Häuser mit Hunderten zu Teil traumatisierter Flüchtlinge zu hüten.

Der Bundesverband der Sicherheitswirtschaft kritisiert die Ausbildung, denn er ist an die Gewerbeordnung gebunden. Die behindere eine fachgerechte Ausbildung – etwa in Sachen Konfliktbeilegung und Kommunikation mit Menschen aus anderen Kulturkreisen. So wie die Ausbildung jetzt gestrickt sei, so Wollmann, seien die Wachschützer „zwar dazu geeignet, nachts Bagger zu bewachen, nicht aber Flüchtlingsheime.“

Die Staatsanwaltschaft Potsdam wird nicht gegen die Wachleute vorgehen. Sie hätten sich ihren Dienstvorschriften entsprechend verhalten, sofort die Polizei gerufen und nicht die Helden gespielt, sagt Sprecher Christoph Lange. Wachschützer müssen ihr Leben nicht riskieren, sagt Silke Wollmann vom Bundesverband der Sicherheitswirtschaft. Sie seien generell unbewaffnet.

Gewalt in Flüchtlingsunterkünften nimmt zu

Eine im Auftrag des Innenministeriums erstellte Studie konstatiert eine „spürbare Zunahme“ von Gewalt in Gemeinschaftsunterkünften. Von Oktober 2014 bis Januar 2015 ereigneten sich mindestens 20 schwere tätliche Auseinandersetzungen. In der Studie warnt ein Heimleiter: „Wir leben auf einem Pulverfass.“ Nach Ansicht von CDU-Innenexperte Björn Lakenmacher stellt der Bericht allerdings „nicht den Status quo dar, sondern die Vergangenheit“. Die schwersten Gewalttaten seien gar nicht erfasst. Tatsächlich endet der Beobachtungszeitraum Anfang 2015 – also vor der ganz großen Flüchtlingswelle.

Björn Lakenmacher ist Landtagsabgeordneter der CDU

Björn Lakenmacher ist Landtagsabgeordneter der CDU.

Quelle: Sonstige

Ein 18-jähriger Kenianer wurde Anfang Oktober in einem Flüchtlingsheim in Brandenburg/Havel durch Messerstiche schwer verletzt. Vor dem Potsdamer Landgericht muss sich seit Anfang November ein Somalier verantworten, weil er im Teltower Heim einen Mitbewohner erstochen haben soll.

Siehe auch:
Gewalt in Flüchtlingsheimen nimmt zu

Von Ulrich Wangemann

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