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Brandenburg Waffen-Vernichter gibt Standort auf
Brandenburg Waffen-Vernichter gibt Standort auf
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15:02 28.05.2018
Ausgediente Raketen bei Namme in Pinnow (Uckermark). Quelle: Johann Müller
Potsdam

Das Munitionsentsorgungsunternehmen Nammo zieht sich zum Jahresende aus dem Standort Pinnow in der Uckermark zurück. Das gab das Unternehmen am Montagmittag bekannt. Der Standort Storkow (Oder-Spree) werde aber gehalten. Insgesamt werde die Zahl der Beschäftigten von 31 auf zehn zurück gefahren. Auf einer Belegschaftsversammlung am Montag habe man die Mitarbeiter informiert.

Die Kündigungen würden in diesen Tagen erfolgen. „Die meisten Kollegen sind schon sehr lange bei uns und haben daher entsprechend lange Kündigungsfristen. Um die Jobsuche zu erleichtern, stellen wir jeden, der eine neue Stelle findet, sofort frei“, kündigt der Geschäftsführer Christoph Rüssel an.

Der Haupteingang der Nammo Buck GmbH in Pinnow (Uckermark). Quelle: dpa

Mangelnde Aufträge nennt das Unternehmen als Grund für die Standortschließung. „In Europa werden kaum mehr Raketen und Streumunition entsorgt, wir müssen unser Personal daher auf einen Kernbestand reduzieren“, so Geschäftsführer Christoph Rüssel. Zehn Jahre nach einer internationalen Vereinbarung zur Ächtung von Streubomben – beteiligt waren 107 Staaten – seien die europäischen Bestände dieser Waffen verschwunden, sagt Rüssel.

„Tausende von Flugzeugbomben und Artilleriegeschossen wurden in einer der größten Abrüstungsinitiativen der Geschichte vernichtet. Heute sind Europas Munitionslager aus dem kalten Krieg nahezu leer – mit entsprechenden Auswirkungen auf die Auftragslage der Industrie, die mithalf, die Abkommen Realität werden zu lassen“, heißt es in der Mitteilung des Unternehmens. Zuletzt habe Nammo rund 200 000 Geschosse des Schweizer Militärs beseitigt, davon der größte Teil 155-Millimeter-Geschosse sowie 120-Millimeter-Mörsergranaten. Zudem entsorgte Nammo die Streumunitionsbestände der Bundeswehr, insgesamt 50 000 Tonnen.

Hüllen entschärfter Mini-Bomben aus einer Rakete. Quelle: dpa-Zentralbild

Nammo ist ein internationales Unternehmen der Luftfahrt und Verteidigungsindustrie mit Hauptsitz in Norwegen. Mit 2300 Beschäftigten an 30 Standorten in 14 Ländern ist Nammo einer der weltweit führenden Hersteller von Spezialmunition und Raketenmotoren für zivile und militärische Zwecke. In Deutschland ist Nammo mit Standorten in Pinnow, Storkow, Schönebeck und Schwerte vertreten.

Am Standort Pinnow, 100 Kilometer nördlich von Berlin, stand früher eine Munitionsfabrik – gegründet vor 70 Jahren. Sowjetische Raketen wurden dort gewartet. Das Gelände umfasst 20 Hektar. Seit 1991 werden dort Raketen, Raketenmunition, Minen, Handgranaten, Zünder und pyrotechnische Materialien demontiert, entgiftet und vernichtet oder recycled. Unter hohen Temperaturen wird der Sprengstoff verbrannt.

Bereits vor einem Jahr hatte die Firma 20 ihrer damals 51 Mitarbeiter entlassen. Damals sagte Geschäftsführer Rüssel, die nachlassende Bereitschaft vieler Staaten, Waffen zu verschrotten, habe auch mit der angespannten Sicherheitslage weltweit zu tun. „Die Kunden sind vorsichtig geworden und halten Waffensysteme und Munition zurück, die eigentlich auf der Entsorgungsliste gelandet wären – oder sie verkaufen sie weiter“, so Rüssel im Juni 2017 in der MAZ. „Unsere Umsatzzahlen sind nicht nur ein Konjunkturbarometer des Munitionsentsorgers Nammo, sondern auch ein Krisenseismograph der weltweiten Konfliktherde.“

Im April 2004 war bei einer Explosion in einem Angermünder Betriebsteil der Firma ein 51-jähriger Mitarbeiter ums Leben gekommen. 2015 kam es in dem Werk erneut zu einem schweren Zwischenfall, bei dem mehrere Menschen zum Teil schwer verletzt wurden.

Von Ulrich Wangemann

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