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Brandenburg Angst vor dem Feuer: Waldbesitzer müssen Wache halten
Brandenburg Angst vor dem Feuer: Waldbesitzer müssen Wache halten
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00:19 01.08.2018
Am Wochenende waren die Feuerwehrleute in Fichtenwalde noch mit dem Kampf gegen letzte Glutnester beschäftigt. Quelle: Julian Stähle
Potsdam

Die Leitstelle Nordwest hob die offizielle Bevölkerungswarnung auf. Die Bundeswehr kreise noch mit Hubschraubern über dem 50 Hektar großen Waldstück. „Hierbei kann es zu Lärmbelästigungen kommen“, teilte die Leitstelle mit. Der Rotorenlärm dürfte für die meisten der rund 3000 Einwohner das geringste Problem sein nach den vergangenen vier Tagen. Ihr Hab und Gut stand auf dem Spiel.

Giftiger Rauch in Senftenberg

Fast zeitgleich gab die Lausitzer Leitstelle Entwarnung. In Senftenberg (Oberspreewald-Lausitz) war am Samstagabend ein Reifenlager in Brand geraten. Die Bevölkerung wurde aufgefordert, die Fenster und Türen geschlossen zu halten – wegen des giftigen Rauchs. Rund 100 Feuerwehrleute kämpften gegen den Brand. Wieso das Feuer ausgebrochen war, ist noch unklar.

Und schließlich meldete die Leitstelle einen weiteren Erfolg im Ringen gegen die Flammen, die seit Tagen auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz bei Jüterbog wüteten. Die Lage sei nicht mehr dramatisch, hieß es am Sonntag. Zeitweise standen mehr als 250 Hektar in Flammen, akute Gefahr wegen Munitionsrückständen behinderte die Löscharbeiten. Auch hier war ein Hubschrauber im Einsatz, zudem war Verstärkung durch zusätzliche Tanklöschwagen eingetroffen.

Die Lage in Fichtenwalde war am Samstag noch einmal brenzlig geworden. Der Brand, der am Donnerstagmittag am Rand der A9 ausgebrochen war, war inzwischen zwar unter Kontrolle, das Dorf hatte nicht evakuiert werden müssen. Am Samstagvormittag aber drohte die Lage dann plötzlich zu eskalieren. Bei der Überprüfung einer Gasleitung, die in der Nähe der Autobahn entlangführt, stellten Techniker ausströmendes Gas fest. Sofort sperrte die Polizei wieder die Autobahnen, die in der Nacht auf Samstag erst wieder vollständig freigegeben worden waren. A10 und A9 waren rund um das Dreieck Potsdam völlig dicht – und das mitten im Hauptreiseverkehr.

Die Einsatzkräfte zogen sich aus einem Sicherheitskreis von rund 1000 Metern zurück. Das Technische Hilfswerk bereitete sich darauf vor, die in der Mittagshitze gefangenen Autoinsassen mit Getränken zu versorgen. Unterdessen musste sich ein Teil der Fichtenwalder darauf einstellen, ihre Häuser doch räumen zu müssen.

Wind entfacht Glutnester

Doch dann, um die Mittagszeit, die Entwarnung: Das Leck an der Gasstation konnte schnell abgedichtet werden, die Gefahr war gebannt, teilte der Landkreis mit. Die Evakuierung wurde abgesagt. Anders als zunächst befürchtet, handelte es sich laut der Firma Ontras Gastransport GmbH nicht um eine gebrochene Gasleitung. Vielmehr sei bei einer routinemäßigen Kontrolle wegen des Waldbrandes bei Fichtenwalde eine „Undichtigkeit an einer Armatur festgestellt“ worden. Der Gasstrom sei daraufhin umgeleitet und das verbliebene Restgas „kontrolliert ausgeblasen“ worden.

Am Samstagabend zogen dann Unwetter über die Region. Sie brachten zwar Regen, aber auch viel Wind mit sich, der die Glutnester immer wieder aufflackern ließ. In Fichtenwalde hielt sich der Niederschlag in Grenzen, in anderen Teilen des Landes sorgte er aber dafür, dass die hohen Waldbrandwarnstufen abgesenkt werden konnten.

Während sich die Feuerwehr nach und nach aus Fichtenwalde zurückzog, wurden die Waldbesitzer in die Pflicht genommen. Bei dem Waldstück handele es sich um Privatwald, sagte Kreissprecherin Andrea Metzler. Deswegen seien die Besitzer auch verpflichtet, Brandwache zu halten.

Weiter Hitze und Trockenheit

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) rechnet für die neue Woche wieder mit steigenden Temperaturen. Die Gefahr von Wald- und Feldbränden werde damit auch wieder zunehmen. Nach der kleinen Abkühlung am Wochenende wird es in der letzten Juli-Woche wieder heiß in Berlin und Brandenburg. Für Montag prognostiziert der DWD bis zu 35 Grad. Am Dienstag bewegt sich der Wert weiter nach oben. Bis zu 37 Grad werden dann erwartet, mit viel Sonne und wenig Wolken. Wegen der Hitze steige die Gefahr für Wald- und Feldbrände wieder, teilte der DWD auf seiner Internetseite mit.

Ruf nach Löschflugzeugen

CDU und Grüne forderten, dass die Bundesländer gemeinsam Löschflugzeuge anschaffen. Das Brandenburger Innenministerium sieht die Feuerwehr dagegen gut ausgerüstet. Dagegen kritisierte der Waldbrandexperte Johan Georg Goldammer, dass es kein Bundesland für nötig erachte, ein eigenes Löschflugzeug anzuschaffen. „Man könnte Ausrüstung gemeinsam kaufen und Kompetenzen bündeln“, sagte er der „Mitteldeutschen Zeitung“. „Die freiwilligen Feuerwehren sind nur beschränkt zum Löschen größerer Brände im Wald selbst ausgebildet und vorbereitet“, sagte Goldammer, der Professor für Feuerökologie an der Uni Freiburg ist. Es gebe zwar Hubschrauber mit Außenwasserbehältern, die Feuer löschen könnten. Das aber habe mit modernem Waldbrandmanagement nichts zu tun.

Von Torsten Gellner

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