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Brandenburg „Umbau der Kiefernwälder ist Mammutaufgabe“
Brandenburg „Umbau der Kiefernwälder ist Mammutaufgabe“
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18:57 28.08.2018
Im Mittelalter verdrängte die Kiefer in Brandenburg andere Bäume. Jetzt wird die Monokultur zum Problem. Quelle: Ralf Hirschberger/dpa
Potsdam

Trockene Kiefernbäume brennen fast wie Zunder – doch in Brandenburg wird die Baumart noch Jahrzehnte den Bestand in den Wäldern dominieren. „Der Umbau des Waldes ist eine Aufgabe für Generationen“, sagte Carsten Leßner, Leiter der obersten Forstbehörde Brandenburgs, am Dienstag auf Anfrage. Monokulturen begünstigten nicht nur die Ausbreitung von Forstschädlingen. Stabile Mischwälder verhinderten auch die Waldbrandgefahr, sagte er. Wegen der Trockenheit ist diese in diesem Jahr besonders hoch. Es gab bereits Hunderte Brände – darunter die größten an der A9 bei Fichtenwalde und erst kürzlich bei Treuenbrietzen.

Wegen der Trockenheit wird sich der Beginn der Herbstaufforstung in diesem Jahr jedoch bis in den Oktober hinein ziehen. Üblicherweise kommen die jungen Bäume ab Anfang September bis zum ersten Frost in den Boden.

Seit der letzten Eiszeit vor 14 000 Jahren sind in der Region die anspruchslosen und schnell wachsenden Kiefern heimisch. Im Mittelalter verdrängten sie Eichen und Buchen. In den 1990er Jahren startete die Wiederaufforstung und der Umbau des Waldes. Angesichts von 1,1 Millionen Hektar Wald sei das eine Mammutaufgabe, sagte Leßner. Derzeit dominiere noch die Kiefer, die 70 Prozent der Bäume ausmache.

„Wald muss stabil und robust werden“

„Wir brauchen eine vernünftige Durchmischung der Wälder“, sagte Peter Spathelf, Dekan im Bereich Wald und Umwelt der Hochschule für nachhaltige Entwicklung in Eberswalde. Heimische Arten müssen durch Exemplare angereichert werden, die aus anderen Regionen Europas stammen – wie bulgarische Buchen, die besser mit Trockenheit zurecht kommen. Aber auch nichtheimische Bäume sind gefragt, wenn es um den Waldumbau geht: Douglasien oder Rotbuchen aus Südamerika. „Es gibt auch Arten aus Asien wie die Japanlärche, die im märkischen Wald eine neue Heimat finden kann“, sagte Spathelf. „Die Aufgabe ist: Unser Wald muss stabil und robust gegenüber Umwelteinflüssen werden.“

Der Waldbrand bei Treuenbrietzen gilt als der größte der vergangenen Jahre in Brandenburg. Luftbilder zeigen, wie groß das Ausmaß der Zerstörung ist.

Bislang seien 84 000 Hektar Brandenburger Wald aktiv von der Forstwirtschaft umgebaut worden, sagte Leßner. An vielen Stellen seien Mischwälder bereits zu entdecken. Insgesamt 503 Millionen Euro von EU, Bund und Land wurden dafür eingesetzt.

Neue Bäume werden gepflanzt

Nach Angaben des Agrarministeriums fließen pro Jahr 5 Millionen Euro in den Landeswald und 7 Millionen Euro in Privat- und Kommunalwald für diese Aufgabe. „Aber: auch wenn die Summe weiter aufgestockt wird, der Waldumbau ist nicht sofort zu realisieren“, sagte Leßner. „Man könne nicht einfach alles abholzen und neu pflanzen“, sagte auch Forstwissenschaftler Spathelf.

Im Schutz alter Kiefern werden in den Forsten neue Bäume gepflanzt. Meist sind es Buchen, Eichen und Linden. Auf nährstoffarmen Flächen finden auch Birken ihren Platz und können heranwachsen.

25 Millionen Setzlinge im Herbst

Auf Versuchsflächen, die vom Landeskompetenzzentrum Wald betreut werden, stehen Setzlinge der Zerr- und Flaumeiche, die aus Südosteuropa stammen. „Ehe diese Arten aber ins Aufforstungsprogramm aufgenommen werden, müssen wir sicher sein, dass sie in märkischen Gefilden überleben können“, sagte er. Das dauere in der Regel 20 bis 30 Jahre.

Bei der Herbstaufforstung werden wieder rund 25 Millionen etwa 30 Zentimeter hohe Setzlinge per Hand in den Boden gebracht. Auf einer Fläche von etwa einem Hektar finden etwa 5000 der zwei bis drei Jahre alten Setzlinge Platz. Nach Angaben von Forstwissenschaftler Spathelf machen bislang Douglasien ein Prozent des Baumbestandes in märkischen Wäldern aus.

Von Gudrun Janicke