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Waldbrand in Jüterbog gelöscht

Truppenübungsplatz Waldbrand in Jüterbog gelöscht

Gute Nachrichten aus Jüterbog (Teltow-Fläming). Der Waldbrand auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz ist gelöscht. In der Nacht sind die Flammen weitgehend erloschen. Doch in dem riesigen Waldgebiet schlummern unter der Erde zahlreiche Gefahrenstellen. Eine Reportage.

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In der Nacht zu Mittwoch ist der Waldbrand in Jüterbog erloschen.

Quelle: Julian Stähle

Jüterbog. Der Waldbrand auf dem munitionsverseuchten Gelände in Jüterbog (Teltow-Fläming) ist gelöscht, doch die Waldbrandsaison hat gerade erst begonnen.

Bei dem vermutlich durch explodierende Munition ausgelösten Feuer auf dem Übungsplatz Jüterbog (Teltow-Fläming) sind 13 Hektar Wald und Heide versengt worden – das entspricht der Fläche von 18 Fußballfeldern. Das Feuer, das am Montagnachmittag ausgebrochen war und die Nacht hindurch schwelte, war am Dienstagmittag unter Kontrolle. Zuvor hatte die Einsatzleitung eine Warnung ans Innenministerium geschickt, dass ein Übergreifen auf ein unzugängliches Areal von 500 Hektar drohe – dazu kam es nicht, weil der Brand an einem Sandweg über Nacht weitgehend von selbst erlosch.

Geschosse liegen überall auf dem versengten Boden

Geschosse liegen überall auf dem versengten Boden.

Quelle: Julian Stähle

Zielort für Schießübungen seit dem Kaiserreich

Am Brandort – Zielpunkt für Schießübungen seit dem Kaiserreich – dürfen Feuerwehren aus Sicherheitsgründen nicht direkt löschen. „Es gibt Erfahrungen, wonach Einsatztechnik in früheren Jahren durch Granatsplitter beschädigt wurde“, sagt Jüterbogs Bürgermeister Arne Raue (parteilos). Auch sei bekannt, dass die Flächen mit chemischen Substanzen erheblich verseucht sind“, sagte Raue. Feuerwehrleute berichten, dass beim aktuellen Brand mehrere Detonationen zu hören waren. Die Landesregierung hat laut Bürgermeister einen Mindestabstand von einem Kilometer empfohlen.

Waldbrandstufe abgesenkt

Die Waldbrandstufe, die in den vergangenen Tagen teils die höchste Kategorie 5 (sehr hohe Gefahr) erreichte, lag am Dienstag fast überall bei 4 (hohe Gefahr), in Oder-Spree,/Frankfurt (Oder) und Spree-Neiße/Cottbus nur noch bei 3 (mittlere Gefahr).

„Man merkt, dass die Luftfeuchtigkeit steigt“, sagt Raimund Engel, Waldschutzbeauftragte des Landes.

Allerdings komme die Luftmassengrenze „langsamer voran als prognostiziert“.

Starker, böiger Wind machte den Feuerwehrleuten am Montag beim Brand von sechs Hektar unwegsamen Geländes zwischen Zesch und Baruth/Mark (Teltow-Fläming) zu schaffen. 133 Einsatzkräfte waren bis in die Nacht zu Dienstag hinein im Einsatz. Wegen der Sichtbehinderungen wurde zeitweilig das Tempo für den Bahnverkehr einer nahen Linie gedrosselt.

2500 Quadratmeter Land brannten am Dienstag in der Nähe von Radeland (Teltow-Fläming). Das Feuer konnte bis zum Nachmittag gelöscht werden.

Beim Ortstermin wird klar: auf dem Truppenübungsplatz wird es auch in Zukunft brennen und knallen. Granatsplitter und ganze Geschosskörper ragen alle paar Meter aus dem verkohlten, noch rauchenden Gestrüpp. Wie viele tausend Geschosse noch im Sand stecken, ist unklar. Nur wenige Hauptwege sind überhaupt beräumt. Die Feuerwehr hat Anweisung, einen Sicherheitsabstand zu halten und lediglich die Wege und die angrenzende Vegetation – Kiefern, Birken und Heidekraut – zu benetzen.

Pralle Sonne und Sauerstoff – dann knallt es

Das größte Problem sei die phosphorhaltige Munition aus dem Dritten Reich, so erläutert Jüterbogs Ortswehrführer Lutz Selent. Die Witterung lasse Blindgänger aufplatzen. Im Kontakt mit Sauerstoff und bei hohen Temperaturen entzünde sich die Chemikalie, so Selent. „An heißen Tagen, wenn in der Sonne bis zu 60 Grad herrschen, geht es gegen 13, 14 Uhr los“, sagt der Feuerwehrmann. Das Feuer bringe dann auch andere Geschosse zur Explosion. Eine Komplettberäumung der 9000 Hektar, auf denen auch Wölfe leben, hält Selent für illusorisch: „Damit werden sich noch unsere Nachfahren in zwei, drei Generationen herum schlagen“, so der Ortswehrführer. „Jetzt ist die Wehrmachtsmunition unser Problem, in 20 Jahren die aus sowjetischen Zeiten.“

Überbleibsel aus alten Zeiten sind heute noch immer gefährlich

Überbleibsel aus alten Zeiten sind heute noch immer gefährlich.

Quelle: Julian Stähle

Drei Armeen haben das Gelände umgepflügt

Drei Armeen haben die Wälder umgepflügt und ihren explosiven Schrott zurückgelassen. Schon im Kaiserreich trainierte die Truppe dort. Im Jahr 1860 fanden die ersten Schießübungen statt. 9000 französische Gefangene bauten die Anlage während des deutsch-französischen Krieges 1870 aus. Eines der größten Geschütze des Kaiserreichs, die „Dicke Bertha“, die im Ersten Weltkrieg gepanzerte Forts knackte, wurde in der Nähe von Jüterbog getestet, außerdem Luftminen und Torpedos. Im Dritten Reich avancierte das Gelände zum größten Übungsplatz Deutschlands. Schließlich feuerte die Sowjetarmee aus allen Rohren.

Die Feuerwehr überprüft die Lage auf dem Truppenübungsplatz

Die Feuerwehr überprüft die Lage auf dem Truppenübungsplatz.

Quelle: Julian Stähle

Politiker fordern Unterstützung vom Land

Politisch hat der Brand ebenfalls Zündstoff. Bürgermeister Arne Raue fordert mehr Unterstützung seitens der Landesregierung: „Teilweise erstattet das Land zwar Kosten der Brandbekämpfung, lässt die betroffenen Kommunen jedoch im Wesentlichen damit allein.“ Die Jüterboger Stadtverordnetenversammlung und Landrätin Kornelia Wehlan (Linke) hätten sich ans Land gewandt. „Es gab keine brauchbare Reaktion“, so Raue. Auch die CDU-Landtagsabgeordneten Danny Eichelbaum und Sven Petke fordern, die Landesregierung müsse „endlich ein Kampfmittelbeseitigungskonzept für die betroffenen Landkreise auf den Tisch zu legen“.

Von Ulrich Wangemann

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