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Wann Wölfe erschossen werden dürfen

Wolfsverordnung in Brandenburg Wann Wölfe erschossen werden dürfen

Lange waren Wölfe in Deutschland ausgerottet. Ihre Rückkehr stößt nicht überall auf Zustimmung. Die Klagen über Risse von Schafen und Kälbern häufen sich. Das Land hilft, die Schäden zu begrenzen. Jetzt legte Agrarminister Jörg Vogelsänger (SPD) einen Entwurf zur ersten Wolfsverordnung vor. Darin ist auch der Abschuss der Tiere geregelt.

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Der Wolf lässt sich immer häufiger blicken in Brandenburg.

Quelle: dpa

Potsdam. Die Vertreibung oder als letztes Mittel der Abschuss von sogenannten Problemwölfen soll in Brandenburg künftig einfacher und klarer geregelt werden. In der ersten Wolfsverordnung, die nun im Entwurf vorliegt, ist etwa beschrieben, wie verhaltensauffällige Tiere mit Warnschüssen in die Luft, mit Gummigeschossen oder Lichtsignalen aus Ortschaften vertrieben werden sollen. Hilft das alles nichts, darf das Raubtier mit einem Narkosegewehr betäubt werden.

Abschuss als letzte Eskalationsstufe

Der Abschuss der Tiere ist geregelt – als letzte Eskalationsstufe. Mit der Flinte dürfen die Problemtiere erlegt werden, wenn von vorneherein klar ist, dass eine Vergrämung keinen Erfolg haben wird. Das ist laut Umweltministerium etwa dann der Fall, wenn sich das „problematische Verhalten“ der Tiere eingeschliffen hat und davon auszugehen ist, dass er bei der nächsten Gelegenheit wieder für Ärger sorgt. Als problematisch gelten Wölfe, die sich „unprovoziert aggressiv gegenüber Menschen verhalten“, sich wiederholt auf weniger als 30 Metern annähern, oder wiederholt Schutzvorrichtungen wie Weidezäune überwinden und Tiere reißen.

Verbände haben noch viele Detailfragen

Gregor Beyer, Geschäftsführer des Forums Natur Brandenburg, ist mit dem Papier zufrieden und lobt Umweltminister Jörg Vogelsänger (SPD) für die zügige Vorlage des Entwurfs. Er sieht jedoch noch in vielen Detailfragen Klärungsbedarf. „Es gibt aus praktischer Sicht noch einiges zu machen“, sagte er. „Es dürfte in der Praxis für einen Landwirt schwierig werden, nachzuweisen, dass ein und derselbe Wolf seine Herde angegriffen hat“, meinte er. Das Forum Natur vertritt Jäger, Waldbesitzer, Landwirte, Schäfer und Fischer.

Auch Landesbauernpräsident Henrik Wendorff sieht noch Diskussionsbedarf. „Wichtig ist, dass die Verordnung auch lebensnah ist und sich in der täglichen Praxis unkompliziert umsetzen lässt. Darüber werden wir noch Diskussionen zu führen haben.“

Grüne fordern strenge Maßstäbe

Auch die Grünen äußerten sich zufrieden mit der Vorlage. „Eine Wolfsverordnung kann hilfreich sein, klare Regelungen zum Umgang mit dem Wolf zu treffen“, sagte der Agrarexperte Benjamin Raschke. Das mehrstufige Verfahren solle nur in Ausnahmefällen zum Abschuss eines Wolfes führen. Dafür sei ein strenger Prüfmaßstab nötig, so Raschke.

Wolfsschutzhilfen stark nachgefragt

Die finanziellen Hilfen zum Schutz von Weidetieren vor Wolfsangriffen sind stark gefragt. Wie das Umweltministerium auf eine CDU-Anfrage mitteilte, wurden zwischen Ende Februar und Ende April bereits rund 55 000 Euro Fördergelder bewilligt. Insgesamt stehen für dieses Jahr 350 000 Euro zur Verfügung. Die Gelder gibt es für den Bau von wolfssicheren Zäunen und die Anschaffung von Schutzhunden. Allerdings wurden erst sechs der 19 eingegangenen Anträge bearbeitet. Sollten sich aus den restlichen 13 Anträgen ähnlich hohe Zuwendungen ergeben, wären die Mittel schon fast zur Hälfte vergeben.

Wendorff, nannte die Hilfen zur Prävention von Wolfsattacken unzureichend. „Allein können Schäfer und Landwirte die Schutzmaßnahmen nicht stemmen“, sagte er. Der CDU-Abgeordnete Dieter Dombrowski kritisierte die langen Bearbeitungszeiten der Anträge. „Bei einem so hochsensiblen und politischen Thema müssen solche Anträge in drei Wochen bearbeitet sein“, sagte er. „Die Gemeinschaft hat ein Interesse daran, dass sich der Wolf wohl fühlt. Dann haben die Landwirte auch einen moralischen Anspruch, dass über die Anträge sehr kurzfristig entschieden wird.“

Von Manfred Rey und Torsten Gellner

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