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Brandenburg Wie der Geburtenrückgang zustande kommt
Brandenburg Wie der Geburtenrückgang zustande kommt
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11:16 06.11.2018
Auch in den kommenden Jahren zeichnet sich ein Geburtenrückgang in Brandenburg ab. Quelle: Waltraut Grubitzsch/dpa
Potsdam

Der Geburtenrückgang in Deutschland im Jahr 2017 hat auch vor dem Land Brandenburg nicht Halt gemacht: Hier kamen vergangenes Jahr rund 20 300 Menschen zur Welt – rund 600 weniger als im Vorjahr. Doch warum überhaupt? Ist im Land etwas passiert, sodass sich Frauen bewusst gegen ein Kind entschieden haben?

Für Susanne Dähner vom Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung hängt der leichte Geburtenrückgang vor allem mit der geringeren Zahl an geflüchteten Frauen zusammen, die im Vergleich zu 2016 Mütter wurden. Sie sorgten 2016 bundesweit dafür, dass die absolute Zahl der Geburten mit ca. 792000 Kindern auf einen Höchstwert stieg, der zuletzt 1998 übertroffen wurde.

Nun, wo die Zahl der zugewanderten Frauen nicht nur in Deutschland, sondern auch in Brandenburg abgenommen hat, kommen auch wieder weniger Kinder zur Welt. „In den letzten Jahren haben wir ein demografisches Zwischenhoch gesehen, dass nun langsam abflauen könnte“, sagt Dähner.

Wendejahre beeinflussen Geburtenzahlen der nächsten Jahre

Gut möglich, dass Brandenburgerinnen in den kommenden Jahren weniger Kinder zur Welt bringen als 2017. Diese Prognose macht die Mitarbeiterin des Berlin-Instituts, da langsam die Frauen Mütter werden, die um die Wendejahre geboren sind. Diese sind zahlenmäßig viel weniger als die bisherigen Generationen.

„Mauerfall und Wiedervereinigung hatten viele Frauen verunsichert und dafür gesorgt, dass sie sich ihr Mutterglück für sicherere Zeiten aufgehoben haben“, so Dähner. Das verdeutlichen die Geburtenzahlen in Brandenburg aus den Jahren nach der Wiedervereinigung: Von 1991 bis 1993 ist die Zahl der Neugeborenen um rund 29 Prozent gesunken. Erst 1998, also fünf Jahre später, hatte sich die Zahl der Geburten erholt und das Niveau von 1991 erreicht.

Landesregierung sieht sich in Familienpolitik bestätigt

Gerlinde Krahnert, stellvertretende Regierungssprecherin des Landes Brandenburg, ist sich keiner Schuld am Geburtenrückgang im Jahr 2017 bewusst. „Mir ist nicht bekannt, dass die Landespolitik besondere Maßnahmen unternommen hätte, um die Geburtenzahl zu drücken“.

Viel eher zeigte sie sich von der Geburtenziffer überrascht. Die Zahl gibt an, wie viele Kinder Frauen durchschnittlich zur Welt bringen. Mit 1,64 Kindern je Frau ist das Land Brandenburg bundesweiter Spitzenreiter, während Nachbar Berlin den niedrigsten Wert mit 1,48 Kindern je Frau verzeichnet.

„Das freut uns natürlich, auch wenn wir diese Zahl noch nicht erklären können“, sagt Krahnert. Sie sieht die Ziffer aber als Bestätigung der Familienpolitik im Land Brandenburg. Ihrer Meinung nach habe die Landespolitik mit Schüler-BAföG, der Initiative Runder Tisch gegen Kinderarmut oder dem Netzwerk Gesunde Kinder dazu beigetragen, dass sich Familien bewusst entschieden haben, in Brandenburg ein Kind zu bekommen.

Brandenburg möchte Spitzenplatz halten

Während Berlinerinnen eher die eigene Ausbildung und Karriere im Blick haben und ihren Kinderwunsch aufschieben, fühlen sich Brandenburgerinnen im selben Alter für Karriere und Familie zugleich besser gewappnet.

„Wir werden die Hintergründe der Geburtenziffer untersuchen und versuchen, dafür zu sorgen, dass Brandenburg bei der Geburtenziffer seine Position hält. Und sich auch in Zukunft Frauen bewusst dafür entscheiden, hier ein Kind zu bekommen.“

Geburtenrückgang nicht überall

Der Geburtenrückgang im Land Brandenburg hat insgesamt dafür gesorgt, dass Städte weniger Willkommenspakete für Neugeborene an die Eltern ausgehändigt haben. In Ludwigsfelde (Teltow-Fläming), Wildau (Dahme-Spreewald) und Beelitz (Potsdam-Mittelmark) zeichnen sich hier unterschiedliche Bilder ab.

„In 2017 haben wir mit 252 Neugeborenen sogar sieben mehr als im Vorjahr“, sagt Petra Liske vom Bürgerservice in Ludwigsfelde. Die Eltern konnten sich beim Anmelden ihres Nachwuchses im Rathaus über ein Nachtlicht, ein Spucktuch mit einer „I love LU“-Bestickung und Einkaufsgutscheine freuen. „Vielleicht liegt es daran, dass immer mehr junge Menschen das Brunnenpark-Viertel für sich entdecken, das immer weiter wächst“, sagt Liske.

Auch in Wildau deutet sich der landesweite Geburtenrückgang nicht an. Dort wurden 2017 insgesamt 90 Neugeborene und deren Eltern von der Stadt mit einem Strampelanzug und Gutscheinen für Babyschwimmkurse beschenkt. Das waren drei Kinder mehr als in 2016. „Vom Geburtenrückgang haben wir nichts gemerkt. Das liegt wohl auch an der Nähe zu Berlin“, vermutet Isabell Lüth von der Kita-Verwaltung der Stadt Wildau.

In Beelitz macht sich der Geburtenrückgang minimal bemerkbar: Hier wurden im letzten Jahr 95 Neugeborene im Einwohnermeldeamt eingetragen und damit fünf weniger als in 2016. „Das ist eine ganz normale Schwankung“, versichert eine Mitarbeiterin des Einwohnermeldeamts.

„Die Kitas sind dem Rückgang zum Trotz weiterhin voll. Von einem drastischen Rückgang spüren wir nichts“, so die Mitarbeiter des Beelitzer Einwohnermeldeamts. Wie viele Eltern dadurch in 2017 den Willkommensdienst der Stadt genutzt haben, der sie auf Wunsch mit selbst gestrickten Socken und Mützen versorgt und eine kostenlose Elternberatung anbietet, ist nicht bekannt.

Von Fabian Lamster

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