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Warum die Aussage von Maik Schneider so irritierend ist

Prozess gegen Nauener Neonazis Warum die Aussage von Maik Schneider so irritierend ist

Fast zwei Stunden sagte der angeklagte NPD-Politiker Maik Schneider am Donnerstag vor Gericht aus. Und bot ein irritierendes Bild. Das hat weniger mit dem Inhalt seiner Aussage zu tun, vielmehr mit der Form. Ob er sich mit seiner Einlassung einen Gefallen getan hat, ist mehr als zweifelhaft.

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Maik Schneider brachte einige Unterlagen in den Gerichtssaal, darunter auch seine handgeschriebene Aussage.

Quelle: Julian Stähle

Potsdam. Vorweg: Ob Maik Schneider schuldig im Sinne der Anklage ist und den Brand einer Nauener Turnhalle geplant und gelegt hat, muss erst im Gerichtsprozess erwiesen und bewiesen werden. Mit seiner Aussage am Donnerstag dürfte er die Richter aber nicht unbedingt überzeugt haben, seiner Version vom Tathergang zu glauben.

Weniger der Inhalt von Schneiders Aussage irritiert, vielmehr die Form

Schneider bestreitet, der Kopf einer kriminellen Vereinigung zu sein und den Brandanschlag auf die Turnhalle, in der Flüchtlinge untergebracht werden sollten, geplant und ausgeführt zu haben. In seiner Aussage schilderte er vielmehr eine spontane Idee, die aus Frust über eine geplatzte Reise entstanden sei. Bei der Ausführung sei dann einiges schief gegangen, so dass es zum verheerenden Brand kam.

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Es ist weniger der Inhalt von Schneiders Aussage, der so irritiert. Es ist vielmehr die Form. Man kann den Eindruck gewinnen, dass der Angeklagte das Gericht und den Ablauf eines Prozesses nicht ernst nimmt. In seiner Aussage widmete er sich zwar ausführlich dem Geschehen der Tatnacht. Jedoch schweifte er immer wieder ab, schob persönliche Anmerkungen ein, wie etwa Entschuldigungen bei einigen Mitangeklagten oder Ausführungen darüber, dass Aussagen, die auf Erinnerungen beruhen, schwer zu beurteilen seien, weil Erinnerungen manipulierbar seien. Das gipfelte darin, dass er am Ende den Richtern Buchtipps gab. Fast zwei Stunden dauerte Schneiders Aussage. Am Ende bot sich wegen dieser Exkurse dem Gericht kein klares Bild darüber, wie die Tatnacht aus Schneiders Sicht abgelaufen ist.

Der Angeklagte kam oft flapsig und lapidar daher

Hätte er, wie zu Beginn seiner Aussage angekündigt, wirklich Interesse daran, eine möglichst geringe Haftstrafe zu bekommen, wäre er doch auf Nachfragen des Richters eingegangen. Denn der forderte Schneider immer wieder auf, sich auf das Geschehen rund um den Brand zu konzentrieren.

Schneider forderte in seiner Aussage immer wieder bestimmte Beweise zu erheben, die seine Aussage untermauern. Das tat er aber nicht dringlich und ernsthaft, sondern kam eher lapidar und flapsig daher. Am Ende verlor man den Überblick, welche Beweise den Angeklagten wirklich entlasten könnten. Man müsse in einem Whatsapp-Chatverlauf nachschauen, es gebe doch bestimmt Videoaufnahmen von ihm, die ihn an bestimmten Orten zeigen, nannte Schneider zwei Beispiele. Ein Angeklagter, dem es wirklich ernst wäre, sich zu entlasten, hätte hier sicherlich ernsthafter argumentiert. Auch die Rücksprache mit seinem Anwalt suchte Schneider nicht.

Es wurde am Donnerstag offensichtlich, dass Schneider nicht mit den Abläufen im Gericht vertraut ist. Bei den Aussagen der anderen Mitangeklagten streckte er wie ein Schüler den Finger in die Luft, um direkt auf Aussagen, die er bezweifelt, zu reagieren. Der Vorsitzende Richter erklärte dazu, dass er die Reihenfolge der Vernehmungen bestimme und Schneider die Möglichkeit bekäme, sich zu äußern. Irritierend ist auch Schneiders Verhalten während der Aussagen der anderen Mitangeklagten. Während zum Beispiel Sebastian F. aussagte und ihn schwer belastete, drehte sich Schneider immer wieder zu ihm um und fixierte ihn und flüsterte ihm etwas zu. F. hingegen schaute Schneider nicht einmal an.

Nimmt Schneider die Vorwürfe auf die leichte Schulter?

Die flapsige und sprunghafte Art von Schneiders Aussage ließ das Bild eines Angeklagten entstehen, der die Vorwürfe und den Prozess auf die leichte Schulter nimmt. Zur Erinnerung: Wird Schneider wegen schwerer Brandstiftung verurteilt, droht ihm eine mehrjährige Haftstrafe. Mit seinem flapsigen und verwirrenden Beitrag wird er sich keinen Gefallen getan haben. In den kommenden Prozesstagen werden die Ermittler die Ergebnisse ihrer Arbeit vorstellen. Das wird zeigen, wie glaubhaft die Aussagen von Schneider sind.

Einen unverhofften Gefallen könnte ihm der emotionale Ausbruch eines Schöffen gebracht habe. Dieser raunzte Schneider an, „ob der Quatsch glaube, der er von sich gebe“. Der Vorsitzende Richter reagierte sichtlich irritiert, setzte die Verhandlung fort. Ob die Aussage des Schöffen Folgen auf den Prozessfortgang haben wird, war am Donnerstag noch unklar.

Von Christian Meyer

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