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Brandenburg „Warum hat man uns absaufen lassen?“
Brandenburg „Warum hat man uns absaufen lassen?“
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14:51 06.09.2017
Björn Synakewicz (r.)und Hannes Deter müssen ihre Tiere über den Winter bringen. Quelle: Volkmar Krause
Fehrbellin/Potsdam

„Warum hat man uns absaufen lassen? Da hat einer die Verantwortung zum anderen geschoben.“ Björn Synakewicz steht am Rand der überfluteten Wiesen in Brunne und macht seinem Ärger Luft. Das Dörfchen Brunne gehört zur Gemeinde Fehrbellin (Ostprignitz-Ruppin). Der Dauerregen im Sommer hat den Landwirten im Rhin- und Havel-Luch schwer zugesetzt. Innerhalb von vier Wochen gingen bis zu 300 Liter pro Quadratmeter nieder. Koppeln und Felder wurden zu Seen. „Das Heu ist hin.“ Dutzende Ballen vergammeln auf den durchnässten Flächen.

„Zwei Drittel sind vernichtet“

Synakewicz hat einen gemischten Betrieb – 30 Pferde, die Hälfte versorgt er als Pensionstiere, mit den anderen betreibt er Reit- und Fahrtouristik. Zweites Standbein ist die Rinderzucht. Der 50-Jährige bewirtschaftet 80 Hektar, hauptsächlich Grünland. „Zwei Drittel sind vernichtet.“ Er muss Heu zukaufen, 100 Tonnen, um bis zum nächsten Juni zu kommen. „Wir fühlen uns in der Katastrophe alleingelassen. Das ist wie feuchte Enteignung“, sagt der baumlange Mann mit dem Pferdeschwanz bitter.

Ernte wird 2018 mager ausfallen

Wie Synakewicz geht es vielen Bauern im Luch. Sie beklagen teils Totalausfälle bei Raps, Weizen und Mais. „Auch wir müssen Futter zukaufen“, sagt Hennes Deter von der Agrargenossenschaft „Ländchen Bellin“ im Nachbarort Lentzke. 600 Milchkühe stehen dort in den Ställen. Und die Katastrophe hat Folgen, denn die Ernte 2018 wird mager ausfallen, weil jetzt kaum ausgesät werden kann. Nach Schätzungen betragen die Verluste insgesamt rund eine Million Euro.

Kanäle und Gräben

Das Havelländische Luch wurde auf Betreiben von König Friedrich Wilhelm I. für die landwirtschaftliche Nutzung trockengelegt.

Bis 1725 wurden der 73 Kilometer lange Große Havelländische Hauptkanal (für Schifffahrt und Bewässerung nutzbar), der Kleine Hauptkanal (35 Kilometer), Gräben, Stauvorrichtungen, Wege und Brücken angelegt.

Das gesamte Kanal- und Grabensystem misst 520 Kilometer Länge.

Einen Verantwortlichen für die Misere hat Björn Synakewicz ausgemacht: „Das Land hat zu spät reagiert.“ Das Wasser hätte bereits nach dem ersten Starkregen abgeleitet werden müssen. Aber viele Wehre an den Entwässerungskanälen seien nicht geöffnet worden.

Abteilungsleiter weist Vorwürfe zurück

Kurt Augustin, Abteilungsleiter Boden und Wasser im Potsdamer Agrar- und Umweltministerium, weist den Vorwurf zurück. „Die Verantwortung für Gewässer zweiter Ordnung – und darum geht es hier – tragen die regionalen Wasser- und Bodenverbände. Tatsächlich wurden viele Wehre nicht gezogen, weil die Unterlieger das nicht wollten.“ Augustin nennt ein Problem, das Jens Winter seit Langem beklagt. Anlieger am Unterlauf der Kanäle fürchten um die eigenen Felder, wenn auf ihrem Gebiet Wehre gezogen oder Pumpen in Gang gesetzt werden, sagt der Vorsteher des Wasser- und Bodenverbandes Rhin-/Havelluch. Der Nachbarverband könne nur aber handeln, wenn seine Mitglieder – Bauern, Grundbesitzer und Kommunen – es erlauben. Instandhaltung und Betrieb der Anlagen verursachen zudem Kosten.

Mögliche „Task Force“ aus Landesumweltamt und Regionalbehörden

„Wir brauchen endlich ein vernünftiges Krisenmanagement. Das Land muss auch finanziell helfen.“ Winter hofft auf ein für diesen Freitag vom Ministerium anberaumtes Treffen mit Kreis- und Verbandsvertretern. Kurt Augustin kann sich eine „Task Force“ aus Landesumweltamt und Regionalbehörden vorstellen. „Wie ein Hochwasserkrisenstab beobachtet die Truppe im Falle drohender Unwetter das Gesamtgebiet und bestimmt, wann Wehre gezogen werden oder Schöpfwerke arbeiten.“

Viele Anlagen seien verwahrlost

Krisenmanagement sei das eine, der Zustand von Kanälen und Stauanlagen das andere, so Augustin. In der DDR sei Melioration Sache der Produktionsgenossenschaften gewesen. Nach der Wende wurden die Grundbesitzer plötzlich auch Besitzer von Schöpfwerken. „Aber keiner wollte für Entwässerung zahlen.“ Viele Anlagen seien verwahrlost. Das neue Wassergesetz, das Ende des Jahres vom Landtag beschlossen werden soll, regelt, dass Schöpfwerke den Wasser- und Bodenverbänden zugeordnet und über Beiträge der Mitglieder finanziert werden. „Allen muss klar sein, dass das Geld kostet, selbst wenn es Beihilfen des Landes gibt. Wasser macht nun mal nicht an Verbandsgrenzen halt“, sagt Augustin.

EU-Gewässerrichtlinie schreibt naturnahe Gestaltung vor

Sorgenkind im Luch ist der Kleine Havelländische Hauptkanal. 35 Kilometer lang und vor 300 Jahren angelegt, ist er zur Entwässerung nur noch bedingt tauglich. Eigentlich soll er neun Kubikmeter Wasser pro Sekunde abtransportieren, in den Unwettertagen schaffte er nur die Hälfte. Der Kanal ist versandet, hat an Gefälle verloren. Erschwerend kommt hinzu, dass die EU-Gewässerrichtlinie eine naturnahe Gestaltung vorschreibt. Das heißt, Böschungen dürfen nur zwei Mal im Jahr gemäht werden. Bei Hochwasser ist das verhängnisvoll. Die Fluten stauen sich oder reißen Pflanzen und Gräser mit, die dann die Wehre verstopfen.

Von Volkmar Krause

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