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Was Finowfurt mit Burkina Faso verbindet

Ungewöhnliche Städtepartnerschaft Was Finowfurt mit Burkina Faso verbindet

Seit 18 Jahren unterstützt ein Förderkreis aus Finowfurt (Barnim) ein Dorf in Burkina Faso. Dem Engagement der Brandenburger ist es zu verdanken, dass Dorossiamasso eine nennenswerte Infrastruktur hat, um die Menschen mit Wasser, Medizin und Bildung zu versorgen. Für die Partnerschaft musste einige Überzeugungsarbeit geleistet werden.

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Freude in Dorossiamasso über die Ankunft der Gäste aus Finowfurt.

Quelle: privat

Potsdam. Es ist die vielleicht ungewöhnlichste Städtepartnerschaft Brandenburgs. Auf der einen Seite die 4500-Seelen-Gemeinde Finowfurt, am Rande des Biosphärenreservats Schorfheide-Chorin gelegen, zugleich nur 45 Autominuten vom Regierungsviertel der Wirtschaftsmacht Deutschland entfernt. Auf der anderen Seite Dorossiamasso, 7000 Einwohner, ein Dorf im Westen Burkina Fasos, so abgelegen, dass der Routenplaner Google Maps nicht einmal die Strecke in die vierzig Kilometer entfernte Stadt Bobo-Dioulasso berechnen kann. Dass Dorossiamasso im Laufe der letzten 18 Jahre eine nennenswerte Infrastruktur erhalten hat, um die Menschen mit Wasser, Medizin und Bildung zu versorgen, ist ein Verdienst dieser ungewöhnlichen Freundschaft.

Begonnen hat die Erfolgsgeschichte mit einer Reise von Marco Grensing. Grensing tourte 1991 im Alter von gerade einmal 19 Jahren mit einem Schulfreund durch Ostafrika. „Als Kind der DDR habe ich oft von Internationaler Solidarität gehört“, erinnert sich Grensing. „Damals habe ich zum ersten Mal erlebt, was Internationale Solidarität auch bedeuten kann.“ Grensing war unter anderem in Burkina Faso unterwegs und kehrte tief beeindruckt von der Situation in dem bettelarmen Entwicklungsland zurück. „Ich habe damals Jugendarbeit in der evangelischen Kirche gemacht und gedacht ’Wir müssen irgendetwas tun’“, erzählt Grensing. Er wandte sich an die Deutsche Welthungerhilfe, die zu jener Zeit ein Waisenhaus in der Hauptstadt Ouagadougou betreute. „Wir haben in vielen Aktionen Spenden gesammelt“, erinnert sich Grensing. Am Rande eines Benefizkonzertes lernte er den Studenten Maré Millogo kennen – und der erzählte von der schwierigen Situation in Dorossiamasso im Westen des Landes. Kinder starben an einfachen Krankheiten, weil keine Medikamente und kein Arzt zur Verfügung standen.

Aus dem persönlichen Kontakt entwickelten sich engere Beziehungen und schließlich eine kommunale Partnerschaft zwischen Finowfurt und Dorossiamasso. „Die Abgeordneten taten sich anfangs schwer“, sagt Grensing, der zusammen mit dem damaligen Bürgermeister Wilfried Bender und dem Gemeindepfarrer Überzeugungsarbeit leistete, „am Ende haben wir es aber geschafft. Am 25. Juni 1997 gab es einen einstimmigen Beschluss der Gemeindevertretung.“ Man habe sich bewusst gegen eine offizielle Städtepartnerschaft und für einen Freundschaftsvertrag entschieden. „Wir wollten keinen zahnlosen Papiertiger“, sagt Grensing. Mit viel Enthusiasmus und Kreativität sei man gestartet – und mit der Idee, ein Gesundheitszentrum in Dorossiamasso zu bauen. „Wir wussten gar nicht, was alles auf uns zukommt.“

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Städtepartnerschaften gehören für größere Gemeinden mittlerweile zum guten Ton. Einige brandenburgische Kommunen haben besonders ausgefallene Freundschaften geschlossen. Wir zeigen die zehn exotischsten Städtepartnerschaften.

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Knapp 20 Jahre später hat der Förderkreis Burkina Faso, dem aktuell 51 Mitglieder angehören, eine stolze Bilanz vorzuweisen: Nicht nur das Gesundheitszentrum samt Apotheke und Entbindungsstation ist entstanden, weitere Projekte wie ein Wasserrückhaltebecken und eine Hirsemühle wurden realisiert. 357 300 Euro sind bis heute nach Dorossiamasso geflossen. Neben öffentlichen Geldern haben die ehrenamtlichen Mitglieder des Vereins durch Konzerte, Ausstellungen und verschiedene Aktionen fast 100 000 Euro an Spenden eingesammelt. Dabei sei ein richtiges Wir-Gefühl entstanden, so Grensing. Der 43-Jährige erzählt: „Das letzte Mal, als ich aus Burkina Faso zurückkam, wurde ich beim Bäcker gefragt ’Na, wie läuft’s im Dorf?’ Damit war Dorossiamasso gemeint. Was gibt es Schöneres?“

Wichtig ist Grensing, der für seinen Einsatz bereits mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wurde, dass die Projekte nachhaltig wirken. „Es werden lokale Materialien und lokales Know-How eingesetzt“, so Grensing. Getreu dem Motto „Hilfe zur Selbsthilfe“ hat beispielsweise die Hirsemühle den dort arbeitenden Frauen die Möglichkeit eröffnet, kleine Überschüsse zu erzielen. Diese nutzen sie, um Abendkurse beim örtlichen Schuldirektor zu finanzieren. Er bringt ihnen das Lesen und Schreiben bei – den Strom für die Beleuchtung liefert eine Solaranlage auf dem Dach der Gesundheitsstation.

Die nächste Reise für die Finowfurter steht 2016 an. Dann wird ein weiteres Projekt übergeben: eine Sekundarschule. „Bildung ist der Schlüssel zum Leben“, sagt Grensing und ist sich sicher: „Es lohnt sich, an die Zukunft dieser Menschen zu glauben.“

Von Mischa Karth

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