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Was bedeutet der Vattenfall-Deal?

Neuer Investor in der Lausitz Was bedeutet der Vattenfall-Deal?

Nach monatelangen Spekulationen ist endlich klar: Die Kraftwerke und Tagebaue in der Lausitz werden von Vattenfall an den tschechischen Energiekonzern EPH und den Finanzinvestor PPF Investment verkauft. Wer steckt eigentlich dahinter, und was bedeutet das für die Region? Die Hintergründe in Fragen und Antworten.

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Vattenfall verlässt die Lausitz.

Quelle: dpa

Potsdam. Nach monatelangen Spekulationen über die Zukunft seiner deutschen Braunkohlesparte verkauft der schwedische Energieriese Vattenfall seine Kraftwerke und Tagebaue an den tschechischen Energiekonzern EPH und den Finanzinvestor PPF Investment. Einige Hintergründe in Fragen und Antworten:

Kann man mit Braunkohle überhaupt noch Geld verdienen?

Die einen sagen so, die anderen so: In der Tat haben niedrige Strompreise, die Energiewende, eine drohende Strafabgabe für schmutzige Kraftwerke den Verkauf in die länge gezogen und sicher auch den Preis gedrückt. Der Investor EPH geht davon aus, dass die erneuerbaren Energien Atom, Gas und Kohle noch lange nicht ersetzen können. Tschechische Journalisten sprechen von einer „Wette darauf, dass die Energiepolitik einiger europäischer Staaten undurchdacht ist“ – dass also die Energiewende nicht reibungslos verläuft und zur Versorgung weiter Kohle nötig sein wird.

Wie schnell geht der Eigentümerwechsel über die Bühne?

Am Montag wurde die Verkaufsvereinbarung unterzeichnet. Jetzt ist die schwedische Regierung am Zug, da Vattenfall ein Staatskonzern ist. Aus Stockholm hieß es, man werde erst in einigen Monat Stellung nehmen. Vattenfall selbst hofft auf einen Abschluss im August 2016.

Wie viel hat EPH für die Gruben und Kraftwerke gezahlt?

Die Beteiligten lassen sich nicht in die Karten schauen. Es gäbe so viele Zahlen in dieser komplexen Vereinbarung, dass die Nennung eines Verkaufspreises „irreführend“ wäre, sagte Vattenfalls Finanzchefin Ingrid Bonde. EPH übernimmt Anlagen mit einem Buchwert von 3,4 Milliarden Euro und erhält dazu Barmittel von rund 1,7 Milliarden Euro. Was EPH an Vattenfall überweist, bleibt unklar. Vattenfall erwartet, dass sich der Deal mit einem Verlust von 2,4 bis 2,9 Milliarden Euro in der nächsten Quartalsbilanz niederschlagen wird. Ohne Verkauf wäre der Verlust noch größer, betonte Bonde. Wegen der niedrigen Preise an den Strombörsen ist Kohle derzeit also ein Verlustgeschäft.

Wer steht hinter EPH?

Einer der reichsten Tschechen

Einer der reichsten Tschechen: Daniel Kretinsky

Quelle: EPA FILE

Der Kopf hinter dem Unternehmen heißt Daniel Kretinsky. Er ist erst 40 Jahre alt - und doch schon einer der reichsten Tschechen. Nach dem Jura-Studium in Brünn (Brno) legte er eine Blitzkarriere beim slowakischen Finanzinvestor J&T hin. Gemeinsam mit dem Finanzmogul und J&T-Mitgründer Patrik Tkac startete Kretinsky 2009 die EPH-Gruppe, die innerhalb kürzester Zeit zu einem der wichtigsten Akteure in der mittelosteuropäischen Energiebranche avancierte.

Schultert EPH den Kauf der Vattenfall-Braunkohle allein?

Nein. EPH hat sich mit einem zahlungskräftigen Partner zusammengetan, der PPF-Gruppe des Multimilliardärs Petr Kellner. Nach einer Schätzung der Zeitschrift „Forbes“ ist Kellner der reichste Tscheche. Er soll Berichten zufolge mit einer privaten Boeing 737 durch die Welt jetten. EPH und PPF haben zum Kauf der Vattenfall-Standorte ein Konsortium gegründet, das sie jeweils zu 50 Prozent tragen.

Gibt es auch Kritik an EPH?

Finanzanalysten weisen auf den hohen Schuldenstand hin. Bei einem Umsatz von knapp 3,7 Milliarden Euro 2014 lag der Gewinn vor Steuern und Abschreibungen bei fast 1,4 Milliarden Euro - die Schulden nach einer Schätzung der Zeitschrift „Ekonom“ aber zugleich bei über 5 Milliarden Euro. Ein teilweiser Börsengang ist in Planung, um Geld in die Kassen zu spülen. Andere halten Kretinsky für ein „weißes Pferd“ – im Tschechischen ein Begriff für Stellvertreter, hinter denen sich anonyme Besitzer verstecken. Sein Name taucht auch im Zusammenhang mit den „Panama Papers“ auf. Dass ihm die Firma „Wonderful Yacht Holdings“ auf den Britischen Jungferninseln gehört, bestreitet sein Sprecher nicht: „Ihr einziger Zweck ist der Besitz eines Katamarans.“

Wer kommt für die Rekultivierung der Bergbaulandschaft auf?

Die Verpflichtung zur Beseitigung der Bergbauschäden geht an den neuen Eigentümer über. EPH erhält hierfür von Vattenfall Rückstellungen in Höhe von 1,96 Milliarden Euro. EPH musste bestätigen, dass Vattenfall seine diesbezüglichen Verpflichtungen erfüllt hat. Umweltverbände und die Grünen befürchten jedoch, dass dies nicht ausreicht. Mit Kohle lasse sich kaum mehr Geld verdienen, sagte Brandenburgs Grünenfraktionschef Axel Vogel. „Daher ist zu befürchten, dass Verluste den Käufer EPH finanziell aufzehren und am Ende die Steuerzahler für die Rekultivierung aufkommen müssen.“

Was wird aus den Jobs?

7500 Menschen arbeiten laut Vattenfall direkt in der Lausitzer Braunkohlesparte und damit die Hälfte der deutschen Vattenfall-Beschäftigten insgesamt. EPH übernimmt sie und hat laut Betriebsart eine Beschäftigungsgarantie bis 2020 abgegeben. Außerdem werde der derzeit laufende Tarifvertrag akzeptiert. Perspektivisch wird jedoch mit einem Arbeitsplatz-Abbau gerechnet. Der könnte jedoch über Altersabgänge erfolgen, hoffen die Gewerkschaften.

Wird es neue Tagebaue und weitere Umsiedlungen geben?

Über die Konzernstrategie von EPH ist noch nichts bekannt. Wirtschaftsminister Albrecht Gerber (SPD) widersprach Berichten, wonach er nicht mehr von neuen Tagebauen ausgehe. EPH-Vorstand Jan Springl betonte, man wolle die Kohle langfristig nutzen, was auf die Erschließung neuer Gruben hindeutet.

Was wird aus Vattenfalls Deutschland-Geschäft?

„Wir verlassen Deutschland nicht“, betonte Unternehmenschef Magnus Hall. „Deutschland bleibt ein wichtiger Markt für Vattenfall.“ Man wolle Teil der Energiewende sein, sagte er und verwies auf Windkraftanlagen und das Fernwärmegeschäft. Sein Unternehmen wird mit dem Verkauf der Braunkohlesparte deutlich „grüner“: „Der Verkauf bedeutet, dass mehr als 75 Prozent unserer Erzeugung klimaneutral sein wird im Vergleich zu den 50 Prozent heutzutage“, erklärte Hall.

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Von Torsten Gellner und Michael Heitmann

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