Volltextsuche über das Angebot:

11 ° / 5 ° Regenschauer

Navigation:
Wasserpolizei beobachtet Freizeit-Kapitäne mit Sorge

Hausboote in Brandenburg Wasserpolizei beobachtet Freizeit-Kapitäne mit Sorge

Hausboote und Flöße liegen im Trend – zur Freude der Bootsvermieter, die teilweise schon am Anfang der Saison volle Buchungskalender haben. Der Ansturm auf die gemächlichen Gefährte hat damit zu tun, dass sie ohne Führerschein gesteuert werden können. Das bereitet der Polizei aber Sorgen.

Voriger Artikel
Brunnen-Mord: Neue Details, aber keinen Täter
Nächster Artikel
Mobiles Laden in der Havelstadt

Freizeitkapitäne finden in Brandenburg ein Eldorado vor.

Quelle: TMB-Fotoarchiv/Yorck Maecke

Bad Saarow. Leise surrt der Motor surrt, die Wellen schwappen sanft gegen den Bug. Auf Schleichfahrt über das Wasser gleiten und die Landschaft genießen. In Brandenburg geht das ganz einfach und fast überall. Immer mehr Freizeitkapitäne sind dabei auf führerscheinfreien Hausbooten und Flößen unterwegs – zur Freude der Bootsvermieter, die teilweise schon am Anfang der Saison volle Buchungskalender haben.

Einer von ihnen ist Michael Schmied von „FlussFloß“, der am Storkower See und an der Dahme sieben Hausboote verleiht. „Flöße und Hausboote mit bis zu 15 PS dürfen auf Landesgewässern ohne Führerschein gesteuert werden“, so Schmied. Gefragt sind bei ihm Touren vor allem Tagestouren. „Beliebt ist aber auch unsere Nachttour von 20 bis 8 Uhr morgens.“ Die meisten Gäste ziehe es zum Scharmützelsee sowie zu Storkower und Wolziger See. Die Region des Seenland Oder-Spree gilt mit über 200 Seen und etlichen Fließen als wasserreichstes Ausflugsrevier Deutschlands.

Ideale Vorausstetzungen

Das Schippern ohne Führerschein boomt in Brandenburg, weil die Voraussetzungen ideal sind. Laut Patrick Kastner von der Tourismus Marketing Brandenburg GmbH (TMB) stehen in der Mark insgesamt rund 470 Kilometer Wasserstraßen für führerscheinfreie Kähne und Flöße zur Verfügung. 83 Charteranbieter offerierten Hausboote. Anlegen können diese an 810 Sportboothäfen, Marinas und Wasserwanderraststätten.

Auch ohne Führerschein können viele Boote gechartert werden

Auch ohne Führerschein können viele Boote gechartert werden.

Quelle: dpa-Zentralbild

Eine Vielzahl der Angebote finden Gäste in Ostbrandenburg. „Die Nachfrage nach Hausbooten steigt bei uns seit Jahren. Das belegt auch die zunehmende Zahl an Verleihstationen. Besonders Partyflöße liegen im Trend“, sagt Sandra Ziesig, Marketing-Chefin im Tourismusverband Seenland Oder-Spree mit Sitz in Bad Saarow.

Auch die Havelregion profitiert von den Zuwächsen im Charterbootgeschäft. Christiane Dierich verleiht in Brandenburg an der Havel sieben Flöße, auf denen Freizeitkapitäne beispielsweise Richtung Potsdam schippern können. Auf der Havel entlang seien auch der Beetzsee und Rathenow beliebte Ziele. „Bis zu acht Leute haben auf unseren Havelflößen Platz“, so Christiane Dierich. Die Kundschaft komme aber nicht nur aus Brandenburg und Berlin, sondern auch schon mal aus Belgien und Dänemark.

Polizei ist besorgt

Stau auf den Gewässern

Stau auf den Gewässern: Gerade vor Schleusen ein zunehmendes Problem.

Quelle: dpa-Zentralbild

Mit einiger Sorge beobachtet die Wasserschutzpolizei die Zunahme an führerscheinfreien Kähnen. Der Ausbildungsstand der Bootsführer sei oft dürftig, beklagt Heiko Juschkat, Dienstgruppenleiter der Wasserschutzpolizei in der Polizeidirektion Süd in Königs Wusterhausen (Dahme-Spreewald). Dies sei kein Wunder, bei einer meist nur 30-minütigen Einweisung durch die Vermieter. Dabei müssten sich Steuermänner- und frauen bis zu 20 Wasserverkehrszeichen einprägen.

Viele Hobby-Kapitäne würden im Liegeverbot, etwa in Naturschutzgebieten, ankern. „Anderen fehlt einfach das praktische, fahrerische Vermögen“, moniert Juschkat. Gerade auf offener See seien die meist kastenförmigen Hausboote sehr windanfällig. Wenn Böen aufziehen, werden Ausflügler schnell nervös. Auch die Navigation im Schleusenbereich bereitet laut Juschkat häufig Probleme.

Abhilfe könne da ein Bootsführerschein schaffen, so Gerd Strunk, Leiter des Wassersportzentrums Oranienburg (Oberhavel). Immer mehr Laien würden bei ihm vorm Bootsausflug eine entsprechende Prüfung ablegen. „Wenn etwas passiert, sind die Bootslenker fällig. Ganz egal, ob sie mit oder ohne Führerschein unterwegs sind“, betont Strunk. Was viele immer noch nicht wissen: Wer einen Bootsunfall verschuldet, kann seinen Autoführerschein loswerden.

Ein Ärgernis für Tourismusverbände, Bootsverleiher und Besucher bleiben die vielerorts verkürzten Schleusenöffnungszeiten. Statt wie zuvor bis 22 Uhr werden beispielsweise Schleusen an der Dahme-Wasser-Straße sowie an den Storkower Gewässern werktags nur noch bis 18 Uhr betrieben. „Das ist für unsere Urlauber, aber auch für Wirte, Hotels und Freizeiteinrichtungen, die von ihnen leben, eine enorme Beeinträchtigung“, kritisiert Sandra Ziesig vom Tourismusverband. Der Zustand an den Schleusen sei teilweise unhaltbar. Zum Scharmützelsee, dem zweitgrößten natürlichen Gewässer Brandenburgs, gebe es nach 18 Uhr oft keine Zufahrtsmöglichkeit mehr. „Dabei könnten die Boote im Sommer bis 22 Uhr unterwegs sein. Das ist ein Unding“, erregt sich auch Verleiher Michael Schmied.

Von Jens Rümmler

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Brandenburg

Begleitetes Fahren schon ab 16 statt 17 – eine gute Idee?

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg