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Brandenburg Wegen Klimawandel: Dürre wird zum Normalfall
Brandenburg Wegen Klimawandel: Dürre wird zum Normalfall
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01:16 13.04.2019
Wegen des Klimawandels werden Dürren in Deutschland immer wahrscheinlicher. Quelle: picture alliance/Winfried Roth
Potsdam

 Nach der verheerenden Dürre des vergangenen Jahres erwarten Brandenburgs Landwirte den Sommer mir Sorge. „Wir können nur auf bessere Bedingungen hoffen“, erklärte Tino Erstling, Sprecher des Landesbauernverbandes (LBV). Von den finanziellen Einbußen durch Ernteausfälle hätten sich die Bauern noch lange nicht erholt – trotz einer Vielzahl an bewilligten Dürrehilfen.

So erhalten rund 780 Brandenburger Landwirtschaftsbetriebe für die Schäden des vergangenen Jahres zusätzlich rund 26 Millionen Euro sogenannte Dürrehilfe. Diese zusätzlichen Mittel stammten zur Hälfte aus dem Fonds des Bundeslandwirtschaftsministeriums, der von anderen Bundesländern nicht voll ausgeschöpft worden sei, berichtete Landwirtschaftsminister Jörg Vogelsänger (SPD) am Mittwoch im Landtag. Das Land habe denselben Betrag noch einmal draufgelegt, erklärte Finanzminister Christian Görke (Linke).

Für die anspruchsberechtigten Betriebe seien bislang gut 46 Millionen Euro an Hilfsgeldern bereitgestellt worden. Mit den zusätzlichen Mitteln könnten die gemeldeten Schäden in Höhe von rund 93 Millionen Euro nun zu 75 Prozent erstattet werden, sagte Görke. Dies sei eine wichtige Voraussetzung, um die Betriebe und die Arbeitsplätze zu erhalten.

Deutscher Wetterdienst rechnet mit mehr Dürren

Den Landwirten bleibt vermutlich nicht viel Zeit, um wieder auf die Beine zu kommen: Wegen des Klimawandels sei immer wieder mit Dürren in Deutschland zu rechnen, warnte der Deutsche Wetterdienst (DWD).

Abhilfe schaffen könnte ein neues Prognose-Instrument des DWD, das Dürren vorhersagen soll. Ab dem kommenden Jahr sollen Landwirte bis zu sechs Wochen im Voraus Bescheid wissen, wenn ihnen eine Dürreperiode bevorsteht. Dazu wird die Bodenfeuchte, also das im Boden gespeicherte Wasser, berechnet. Ziel ist es laut DWD, die Einbußen der Bauern durch präzise Vorhersagen zumindest zu verringern.

Gemischte Reaktionen auf neues Messinstrument

Landesweit haben fast 800 Landwirte Dürrehilfen beantragt. Quelle: ZB

LBV-Sprecher Erstling betrachtet das neue Instrument mit Skepsis. „Es ist schön, dass es sowas gibt, aber im Zweifel hilft das nicht wirklich weiter“, sagte er. Für Landwirte sei es „unerheblich“, kurz vorher von einer drohenden Dürre zu erfahren.

Der Landwirt Axel Schulze findet, dass die Prognose durchaus Potenzial haben könnte. Wenn das Instrument eine geringe Bodenfeuchte anzeigt, sei auch mit weniger Erträgen zu rechnen. Dementsprechend müsse auch nicht so viel gedüngt werden wie sonst.

„Das ist nicht nur ein Kostenersparnis, sondern auch besser für das Grundwasser“, so Schulze, Geschäftsführer der Agrargenossenschaft Frankena in Doberlug-Kirchhain (Elbe-Elster). Mit diesem Wissen könnten Landwirte das Getreide schon im Stadium der Milchreife – also wenn es noch grün und von innen flüssig ist – ernten und als Tierfutter verwenden, bevor es verdorrt und unbrauchbar wird. „Aber ein Allheilmittel ist das Instrument nicht“, sagte der Landwirt.

Landwirtschaft muss sich anpassen

Schulze hat im vergangenen Jahr selbst Ertragsausfälle von über 30 Prozent verschmerzen müssen. Auch er hat Fördermittel beantragt und bisher ein Viertel des erbetenen Betrags erstattet bekommen. „Das Geld hilft uns, den Anschluss an die neue Ernte zu finden, bis dann neue Erträge reinkommen“, erklärte er.

Um sich besser auf trockene Phasen einzustellen, müssten Landwirte langfristig an mehreren Punkten ansetzen, erläuterte LBV-Sprecher Erstling. Zum einen sollten mehr Sorten angebaut werden, die gegen Hitze und Trockenheit resistent sind. „Da ist auch die Wissenschaft gefordert, Saatgut zu entwickeln und bereitzustellen“, sagte er. Zum anderen brauche es neue, weiterentwickelte Bewässerungssysteme.

Landwirt Schulze testet bereits verschiedene Sorten, um herauszufinden, welche die Hitze am besten vertragen. Nicht jede Pflanze, die auch bei Trockenheit gedeiht, bringt hohe Erträge. „Es dauert sehr lange, bis man Eigenschaften genetisch in Pflanzen eingebaut hat“, erläuterte er. Manchmal brauche das zehn Jahre. „Der Klimawandel schreitet viel schneller voran“, so Schulze.

Von Hannah Rüdiger

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